
ÖGB-Berechnung: Rund 46 Millionen unbezahlte Überstunden 2025 bedeuten 2,5 Milliarden Euro Lohnverlust
Angesichts angespannter Budgetlage: Staat entgehen 1,23 Milliarden Euro an Steuern und Beiträgen
„Ein enormer Teil der geleisteten Arbeit bleibt unbezahlt und Menschen, die Überstunden leisten und nichts dafür bekommen, werden systematisch um ihren Lohn gebracht”, kritisiert ÖGB Bundesgeschäftsführerin Helene Schuberth angesichts der ÖGB-Berechnung auf Basis der Daten von Statistik Austria zu den unbezahlten Überstunden. Laut Berechnung haben Arbeitnehmer:innen im vergangenen Jahr 45,9 Millionen Über- und Mehrstunden geleistet, ohne dafür entlohnt oder durch Zeitausgleich kompensiert zu werden (2024: ca. 42,3 Mio. Stunden). Durch diese unbezahlte Mehrarbeit gehen den Beschäftigten insgesamt ca. 2,5 Milliarden Euro Bruttoentgelt verloren (2024: 2,26 Mrd. Euro).
GEWALTIGE VERLUSTE FÜR DEN STAAT
Auch der Staat schaut – trotz angespannter Budgetlage – durch die Finger: Ihm entgehen insgesamt 1,23 Milliarden Euro an Steuern und Beiträgen – 355 Millionen Euro an Sozialbeiträgen (2024: rund 325 Mio. Euro) und rund 875 Millionen Euro an Lohnsteuer (2024: rund 845 Mio. Euro). „Angesichts der angespannten Budgetsituation sind das gewaltige Summen, die dem öffentlichen Haushalt dadurch fehlen”, gibt Schuberth zu bedenken.
APPELL AN BESCHÄFTIGTE UND ERINNERUNG AN REGIERUNGSVERSPRECHEN
Schuberth erinnert: „Beschäftigte sollten ihre Ansprüche rechtzeitig geltend machen. Viele Arbeitsverträge enthalten sehr kurze Verfallsfristen – oft verfallen nicht ausbezahlte Überstunden bereits nach drei Monaten.” Gleichzeitig richtet der Gewerkschaftsbund einen Appell an die Regierung: Im Regierungsprogramm ist ausdrücklich festgehalten, dass alle Mehr- und Überstunden abgegolten werden sollen. Dieses Versprechen muss endlich eingelöst werden.
ÜBERSTUNDEN HABEN SCHWERWIEGENDE GESUNDHEITLICHE FOLGEN
Neben den finanziellen Nachteilen haben Überstunden auch schwerwiegende gesundheitliche und soziale Folgen, wie Erschöpfung und gestörte Work-Life-Balance. Studien zeigen, dass sie zu einer höheren Fehlerquote, sinkender Produktivität und steigenden Kosten führen. Zudem leiden Motivation und Loyalität der Beschäftigten. Ein zentraler Grund für die hohe Zahl an Überstunden ist der Personalmangel. Immer weniger Beschäftigte müssen immer mehr Aufgaben bewältigen. Viele haben das Gefühl, dass sie länger arbeiten müssen – aus Rücksicht auf Kund:innen, Kolleg:innen oder Vorgesetzte. Dieser Druck ist nicht akzeptabel.
FORDERUNGEN NACH STRENGEREN REGELN
Damit Arbeitgeber solche Praktiken künftig unterlassen, fordert Schuberth klare Sanktionen: „Wird Überstundenarbeit nicht bezahlt, muss für diese Stunden ein doppelter Zuschlag gelten. Auch der Mehrarbeitszuschlag muss auf das Doppelte angehoben werden, damit unbezahlte Überstunden bei Teilzeitbeschäftigten für Unternehmen nicht länger attraktiv bleiben.” So wird faire Bezahlung belohnt – und Betrug nicht länger zum Geschäftsmodell.
Mag. Toumaj Faragheh
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