
ORF-DialogForum: Verbieten!?!
Diskussion anlässlich des neuen „Dok 1“-Experiments „21 Tage ohne Handy“ und der neuen Jugendstudie von Ö3 am 16. März um 0.10 Uhr in ORF III sowie auf ORF ON und ORF Sound
In Australien ist ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige bereits gesetzlich verankert, nun wird auch in Österreich darüber diskutiert. Laut einer aktuellen Umfrage halten acht von zehn Befragten Social Media für gefährlich. Welche Risiken bringt die exzessive Nutzung digitaler Kommunikation mit sich? Braucht es Verbote für Jugendliche – oder andere Maßnahmen? Wie kann man problematische Handynutzung eindämmen? Und welche Strategien helfen gegen Hate Speech und zur Stärkung der psychischen Gesundheit?
Ingrid Brodnig, vielfache Buchautorin, unter anderem von „Hass im Netz“, wies zu Beginn auf die Gefahren der Social-Media-Algorithmen hin. „Es gibt Hinweise, dass die Algorithmen von Social-Media-Plattformen die Spaltung unserer Gesellschaft fördern. Wenn Plattformen wie Twitter, Instagram und TikTok viel Feindseligkeit einblenden, ist die Gefahr, dass die Feindseligkeit in unserer Gesellschaft steigt. Studien deuten darauf hin, dass Algorithmen hier ein Teil des Problems sind.“
Thomas Lohninger, Geschäftsführer von „epicenter.works“, hat eine genaue Vorstellung, wie man dagegenhalten kann. „Wir müssen das Geschäftsmodell dieser sozialen Netzwerke adressieren, das süchtig macht und mit ganz viel Geld darauf ausgelegt ist, unsere Aufmerksamkeit zu halten. Denn die wird an Werbetreibende verkauft. Wir müssen diese Geschäftsmodelle verbieten und bestehende Gesetze wie die Datenschutzgrundverordnung oder den Digital Services Act sowie neue Instrumente der Verbandsklage besser in Österreich einsetzen. Das würde helfen. Ein reines Verbot bei den Jüngsten führt am Ziel vorbei.“
Matthias Jax, Projektleiter der Organisation „Saferinternet“, die Kinder und Jugendliche im Umgang mit digitalen Medien berät, ist der Meinung, dass ein Social-Media-Verbot für Jugendliche sinnvoll wäre. „Wir versuchen seit 20 Jahren mit dem Thema Medienbildung, Unterstützungsmaßnahmen auf ganz vielen Ebenen, direkt bei den Jugendlichen, in Workshops und bei den Eltern viel voranzubringen, um eine Awareness dafür zu schaffen, was die Auswirkungen von Fake News und Hass im Netz sind. Und es braucht einfach jetzt diesen nächsten Schritt. Es braucht jetzt einmal eine harte Grenze.“
Oliver Scheibenbogen, Klinischer Psychologe am Anton Proksch Institut, der auch die erste Public-Value-Studie „21 Tage ohne Smartphone“ von „Dok 1“ wissenschaftlich begleitet und analysiert hat, verrät die erfreulichen Ergebnisse des Experiments. „Das Weglassen des Smartphones für drei Wochen hat das psychische Wohlbefinden um ungefähr 30 Prozent, also knapp ein Drittel, erhöht.“
Aischa Sane, Redakteurin bei FM4, berichtete von ähnlichen Ergebnissen und erläuterte, wie sich der Jugendkulturradiosender des ORF mit der Thematik beschäftigt. „Wir bei FM4 haben schon letztes Jahr zusammen mit der Donau-Uni Krems eine Screen-Time-Challenge durchgeführt. Bei dieser Studie haben wir versucht, auf unter zwei Stunden Screentime am Tag zu kommen. Wir haben zudem unsere FM4-Community mobilisiert, von der wir wissen, dass sie sehr viel online unterwegs ist, und aufgerufen, sich an der Challenge zu beteiligen. Die Teilnehmenden haben viel besser geschlafen, fühlten sich weniger gestresst und berichteten von einem höheren mentalen Wohlbefinden.“
Golli Marboe, Initiator der „mental health days“, führte zum dritten Mal die „mental health days“-Studie durch. „Eine Studie zeigt: Junge Erwachsene, die überdurchschnittlich oft auf sozialen Medien sind, haben mehr Probleme. Die, die überdurchschnittlich oft journalistische Angebote nutzen, sind gesünder. Insofern müssen wir unsere Kinder dazu bringen, journalistische Angebote wie sie der ORF und andere Qualitätsmedien erzeugen, auch zu nutzen.“
Teil der Diskussionsrunde waren auch die beiden Schülerinnen Marlene Kaindl und Katharina Suk. Beide sind sich einig, dass soziale Netzwerke positive Inhalte bieten, die inspirieren, aber auch negative Aspekte mit sich bringen und ein Verbot sinnvoll wäre. „Es ist wichtig, den Inhalt kritisch zu hinterfragen“, so Marlene Kaindl. Katharina Suk berichtet: „Auf Social Media zu verzichten war eine große Erleichterung und eine wertvolle Erfahrung für mich.“
Auf https://zukunft.ORF.at ist die Public-Value-Studie zu „Dok 1 – 21 Tage ohne Handy“ abrufbar. Die Ergebnisse sind hochrelevant: weniger depressive Symptome, mehr echte Begegnungen, neue Hobbys – und ein kritischer Blick auf unsere digitale Abhängigkeit.
Moderiert wurde das ORF-„DialogForum“ von Klaus Unterberger, dem Leiter des Public-Value-Kompetenzzentrums des ORF.
Das ORF-DialogForum ist eine Initiative des ORF, um das Gespräch mit seinem Publikum, den österreichischen Institutionen, den Organisationen und Gruppen der Gesellschaft zu beleben.
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