
Familienbund: Bindung, Beziehung und Familienpolitik
Welche politischen Maßnahmen können Eltern in ihrer Erziehungs- und Beziehungsarbeit stärken?
Der Österreichische Familienbund hat das Jahr 2026 unter das Motto „SCHAU HIN – VERANTWORTUNG LEBEN“ gestellt.
„Kinder wachsen heute unter veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen auf. Ein früherer Kindergarteneintritt, steigende Erwerbstätigkeit von Eltern und die zunehmende Präsenz digitaler Medien verändern den Alltag von Familien. Gerade deshalb wird deutlich, wie zentral stabile Beziehungen und sichere Bindungen für die Entwicklung von Kindern sind“, erklärt Familienbund-Präsidentin Abg.z.NR Mag.a Johanna Jachs.
Besonders wichtig sind die ersten Lebensjahre. In ihnen entstehen die Grundlagen für Empathie, seelische Stabilität und Vertrauen – Fähigkeiten, die Kinder ein Leben lang begleiten. Kinder brauchen Wurzeln, um wachsen zu können. Eine sichere Bindung schenkt ihnen Vertrauen in sich selbst und in andere – und die Zuversicht, mit den Herausforderungen des Lebens umzugehen. „Eine sichere Bindung entsteht jedoch nicht durch Perfektion, sondern durch verlässliche Feinfühligkeit. Eltern müssen keine Übermenschen sein – sie müssen nur immer wieder bemüht sein, ihr Kind zu sehen, zu verstehen und zu begleiten“, so die Familientherapeutin DSA Sabine Jungwirth.
„Programme wie die Frühen Hilfen sowie die freiwilligen Eltern-Kind-Pass Beratungen zeigen, wie wirkungsvoll es ist, Familien bereits rund um Schwangerschaft und Geburt bis ins 1. Lebensjahr des Kindes zu begleiten. Eine stärkere Verankerung von Elternbildung – etwa durch Informationen und weiteren Bildungs-Gutscheine im Eltern-Kind-Pass – könnte dazu beitragen, dass Eltern frühzeitig Zugang zu diesen Angeboten erhalten. Diese könnten auch mit einer Bonuszahlung kombiniert werden, wenn bestimmte Module besucht werden!“ so Johanna Jachs, die viele Möglichkeiten sieht Eltern in ihren Aufgaben zu stärken.
„Eltern stehen heute häufig unter dem Druck, Erwerbsarbeit und Familienleben miteinander zu vereinbaren. Arbeitszeiten, die sich stärker an den Bedürfnissen von Familien orientieren, können dazu beitragen, dass Eltern ausreichend Zeit für Beziehung und Erziehung haben. Familienfreundliche Arbeitsmodelle sind daher ein wichtiger Bestandteil moderner Familienpolitik.,“ so die Familienbund-Präsidentin weiter.
„Es gibt Lebenssituationen, in denen Kinder besonders intensive Begleitung brauchen – etwa bei schulischen Schwierigkeiten, psychischen Belastungen oder familiären Krisen. Eine Krisen-(Teilzeit)-karenz würde Familien in solchen belastenden Situationen echte Unterstützung bieten, weil man die Probleme an der Wurzel gemeinsam bearbeiten und bewältigen könnte. Diese ‚Krisenkarenz‘ soll in der Ausgestaltung angelehnt an das Modell der Bildungskarenz sein und Eltern ermöglichen, in belastenden Phasen vorübergehend beruflich kürzerzutreten, um ihr Kind intensiver zu begleiten und mit Unterstützung von der Situation entsprechenden Fachpersonen die Probleme an der Wurzel zu bearbeiten“, erklärt Jachs, die abschließend meint:
„In diesem Sinn müssen wir auch genau hinsehen, wenn gesellschaftliche Veränderungen Einfluss auf das Familienleben nehmen. Dazu zählen der frühere Kindergarteneintritt, die gestiegene elterliche Erwerbsarbeit und auch digitale Medien. Es geht nicht darum, Defizite von Familien aufzuzeigen, sondern zu zeigen, dass Familien die vielfältige und herausfordernde Aufgabe haben, Kinder ins Leben zu begleiten ist und wir, in Österreich, Familien helfen, diese gesellschaftspolitisch wichtige Aufgabe zu stemmen!“
Österreichischer Familienbund
Marietheres van Veen
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