
Gebärmutterhalskrebs: Neue Erkenntnisse zu Reservezellen und zu HPV-unabhängigen Tumoren verändern Diagnostik und Behandlung
DIE ALLERMEISTEN KREBSERKRANKUNGEN DES GEBÄRMUTTERHALSES WERDEN DURCH HUMANE PAPILLOMA-VIREN (HPV) AUSGELÖST, DIE IN DER REGEL ÜBER SEXUELLE KONTAKTE ÜBERTRAGEN WERDEN. NACHDEM DER GEBÄRMUTTERHALSKREBS DURCH VORSORGE- UND FRÜHERKENNUNGSPROGRAMME IN ENTWICKELTEN LÄNDERN IN DEN LETZTEN 50 JAHREN DEUTLICH SELTENER GEWORDEN IST, BERICHTET DIE EU, DASS IN EINZELNEN LÄNDERN EUROPAS IN DEN NÄCHSTEN JAHREN WIEDER EINE ZUNAHME VON GEBÄRMUTTERHALSKREBS ERWARTET WIRD. IN ÖSTERREICH ERKRANKEN DERZEIT PRO JAHR KNAPP 500 FRAUEN AN GEBÄRMUTTERHALSKREBS. NEUE ERKENNTNISSE ZUM RESERVOIR VON HPV IM GEBÄRMUTTERHALS UND ZU DEN URSPRUNGSZELLEN DES GEBÄRMUTTERHALSKREBSES KÖNNTEN MITHELFEN, DIESEM TREND ENTGEGENZUWIRKEN. AUCH MÜSSEN HPV-UNABHÄNGIG ENTSTEHENDE KREBSE MIT BERÜCKSICHTIGT WERDEN. DARÜBER UND ÜBER WEITERE FORTSCHRITTE IN DER PRÄVENTION UND DIAGNOSTIK VON GEBÄRMUTTERHALSKREBS DREHT SICH DER MULTINATIONALE UND MULTIDISZIPLINÄRE EUROGIN-KONGRESS, DER VOM 18. BIS 21. MÄRZ IM AUSTRIA CENTER VIENNA STATTFINDET.
„Nach wie vor ist Gebärmutterhalskrebs die dritthäufigste Krebserkrankung bei Frauen und jeden 3. Tag verstirbt in Österreich eine Frau daran. Im Vergleich dazu sind andere HPV-assoziierte Krebse selten. Heute weiß man, dass es am Gebärmutterhals einen speziellen Zelltyp gibt, der als Reservoir für HPV dient und den Ursprung der meisten sich aus der HPV-Infektion entwickelnden Krebse darstellt. Dieser Zelltyp, es sind Reservezellen, findet sich exklusiv am Gebärmutterhals. Aus ihnen entstehen die meisten frühen Krebsvorstufen. Die Verteilung der Reservezellen am Gebärmutterhals ist weitaus ausgedehnter, als bisher angenommen. Ihre Existenz erklärt die vergleichsweise z.B. zum Penis große Häufigkeit von Gebärmutterhalskrebs und das Wiederauftreten seiner Vorstufen nach Therapie. Die Beforschung dieser Reservezellen als Krebsausgangspunkt ist ein wesentlicher Schwerpunkt unserer Forschung an der Medizinischen Universität Graz, wir haben hier international endscheitende Impulse gesetzt und sind weiter damit intensiv beschäftig“, so Univ.- Prof. Dr. Olaf Reich, Pathologe, Gynäkologe, Forschungsgruppenleiter für Gynäkologische Morphologie und Zytologie an der Klinischen Abteilung für Gynäkologie der Medizinischen Universität Graz und Mitglied des Scientific Committee des EUROGIN-Kongresses.
EHRGEIZIGES WHO-ZIEL: BIS 2030 HÄUFIGKEIT AUF UNTER 4 FÄLLE PRO 100.000 FRAUEN
Die Infektion mit HPV ist sehr häufig und trifft fast jeden im Laufe seines Lebens. Dabei vermehrt sich HPV in Haut und oder Schleimhautzellen. Da dies keine Beschwerden macht, bleibt die Infektion oft unerkannt. In der Regel ist sie auch nicht gefährlich, da die infizierten Zellen im Rahmen ihrer Erneuerung absterben. Bei einem kleinen Teil der mit HPV infizierten Menschen verbleibt das Virus jedoch über Jahre im Körper. Diese Viruspersistenz kann die Regeneration von Haut- und Schleimhautzellen so stören, dass diese nicht mehr kontrolliert werden kann und letztlich Krebs entsteht. „Zwischen initialer HPV-Infektion und Krebs vergehen in der Regel viele Jahre. Für den Gebärmutterhals sagt man deshalb, dass er eine seltene und späte, jedoch gefährliche Folge einer sehr häufigen Infektion ist. Die gute Nachricht ist, dass man sich durch rechtzeitige Impfung, Verwendung von Kondomen vor allem bei wechselnden Sexualpartnern, Meiden von Rauchen und durch Vorsorgeuntersuchungen gut vor dieser Krebsart schützen kann“, so Reich. Der Arzt und Forscher weiter: „Die WHO hat 2020 das Ziel verkündet, bis 2030 die jährliche Häufigkeit von Gebärmutterhalskrebs auf unter 4 Fälle pro 100,000 Frauen zu senken. In Europa erkranken derzeit jährlich noch ca. 12 Frauen pro 100,000, was zeigt, dass dieses Ziel bisher nicht erreicht ist und weitere Initiativen erforderlich sind.“
GEBÄRMUTTERHALSKREBS NICHT IMMER HPV-INDUZIERT
„Die letzten 40 Jahre wurde zumeist angenommen, dass Gebärmutterhalskrebs immer HPV-induziert ist, denn bis vor 5 Jahren waren HPV-unabhängige Krebsstadien am Plattenepithel des Gebärmutterhalses auch nicht bekannt. Seit unserer Erstbeschreibung im Jahr 2021 und nachfolgender Forschung unserer Grazer Arbeitsgruppe an der Medizinischen Universität Graz wissen wir jedoch, dass HPV-unabhängige Karzinome am Gebärmutterhals über spezifische präinvasive Vorstufen entstehen. Diese können nun diagnostiziert und behandelt werden. Diese Grazer Erkenntnisse sind wesentlich, auch weil sie unser generelles Bild über die Faktoren erweitert, was das Risiko von Krebserkrankungen im Gebärmutterhals betrifft. Das Konzept der dualen Krebsentstehung – also HPV-induziert und HPV unabhängig – ist daher essenziell für die richtige Behandlung“, so Reich.
ÜBER DIE IAKW-AG UND EUROGIN:
Mag. (FH) Claudia Reis, MA
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