
Zadić/Götze: Nur 13 Prozent Frauen in Vorständen – Grüne kritisieren fehlende Reform
Women on Boards-Richtlinie nur in Minimalvariante umgesetzt – Frauenförderung der Regierung bleibt weit unter ihren eigenen Ankündigungen
Die Umsetzung der Women on Boards-Richtlinie der EU soll den Frauenanteil in Unternehmen erhöhen. Der diesbezügliche Minimal-Vorschlag der Regierung, der im heutigen Justizausschuss behandelt wurde, sieht lediglich eine Anhebung der Frauenquote in Aufsichtsräten von 30 auf 40 Prozent vor, aber keine Regelung für die Vorstände. Die stellvertretende Klubobfrau der Grünen, Alma Zadić, kritisiert den Vorschlag scharf: „Es ist für mich unverständlich, warum die SPÖ Justizministerin eine zentrale Verbesserung für Frauen in der Wirtschaft aus dem Entwurf streicht. Wir hätten jetzt ein offenes Fenster gehabt, dringend notwendige Quoten für Vorstände einzuführen und damit für mehr Geschlechtergerechtigkeit zu sorgen. Höchstqualifizierte Frauen dürfen nicht von Männernetzwerken abhängen. Dass die ÖVP auf der Bremse steht, überrascht mich nicht. Aber dass die SPÖ so schnell ihre Position aufgibt, ist bitter für alle Frauen im Land, die an die Versprechen der Sozialdemokratie geglaubt haben.“
„Dieser Vorschlag ist ein schlechter Witz. Monatelang beteuert die Regierung, wie wichtig Frauen in der Wirtschaft sind. Aber wenn es um konkrete Maßnahmen für Frauen geht, dann passiert nichts“, kritisiert Elisabeth Götze, Wirtschaftssprecherin der Grünen.
„Die Umsetzung der EU-Richtlinie ist der Lackmustest, und den besteht die Regierung nicht“, konstatiert Götze und weiter: „Quote wirkt, das zeigt die vor rund neun Jahren eingeführte Quote in Aufsichtsräten. Die ändert aber nichts an der geringen Repräsentanz von Frauen in Vorständen. Nach wir vor gibt es hier eine gläserne Decke. Mit rund 13 Prozent sind Frauen in den Vorständen der an Österreichs Börse notierten Unternehmen klar unterrepräsentiert.“
Dabei würde der Vorschlag der Grünen die Chance zum Erreichen aller selbst gesetzten Ziele bieten. „Die stärkere Beteiligung von Frauen und mehr Diversität machen Betriebe wirtschaftlich erfolgreicher und stärken die Volkswirtschaft. Dieses Potenzial aus ideologiebetriebener Ignoranz liegen zu lassen, ist grob fahrlässig“, meint Götze und hält fest: „Völlig unverständlich ist, dass sogar diese Minimalvariante der Regierung noch weiter verwässert wird und ein halbes Jahr verspätet in Kraft treten soll.“
Der von der ehemaligen Justizministerin Alma Zadić vor über einem Jahr vorgelegte Entwurf sah neben der 40-prozentigen Quote im Aufsichtsrat auch eine für Vorstände in börsennotierten Unternehmen vor: Sofern der Vorstand aus mindestens drei Personen besteht, soll mindestens eine Person des unterrepräsentierten Geschlechts vertreten sein. Der Entschließungsantrag vom Mai vergangenen Jahres fordert von der Regierung jedenfalls die rasche Vorlage eines Vorschlags, der wesentliche Impulse für die Gleichstellung von Frauen in Leitungspositionen, also in Aufsichtsräten und Vorständen, setzt.
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