
„Pflegevorsorge beginnt in der Heimatgemeinde“: Gemeindebund-Bundesvorstand beschließt Positionspapier zur Zukunft der Pflege
Gemeinden fordern mehr Vorsorge, stärkere Unterstützung für Pflege daheim und klare Antworten bei der Finanzierung
Der Bundesvorstand des Österreichischen Gemeindebundes hat am Mittwoch, 18. März 2026, in Wien einstimmig ein POSITIONSPAPIER ZUR ZUKUNFT DER PFLEGE beschlossen. Das Papier steht unter dem LEITMOTIV „VORSORGE STÄRKEN. PFLEGE DAHEIM ABSICHERN. FINANZIERUNG EHRLICH NEU ORDNEN.“ und bringt die gemeinsame Linie von Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern aus ganz Österreich zur künftigen Pflegepolitik auf den Punkt. Der Beschluss wurde vor dem Hintergrund gefasst, dass Pflege und Betreuung angesichts der demografischen Entwicklung mittel- und langfristig zu den größten Herausforderungen der Gemeinden zählen werden – und zwar sowohl finanziell als auch organisatorisch.
„Die Frage des Alterns in Würde entscheidet sich nicht zuerst in einer Pflegeeinrichtung, sondern im Alltag der Menschen. Gerade weil 87 Prozent der Menschen in den eigenen vier Wänden und damit in ihren Heimatgemeinden alt werden wollen, ist das auch ein zentrales Thema für die Gemeinden“, betont GEMEINDEBUND-PRÄSIDENT JOHANNES PRESSL und ergänzt: „In unseren Gemeinden sehen wir früher als anderswo und in einer sehr frühen Phase der Pflege- und Betreuungsbedürftigkeit den ‚menschlichen Faktor‘, wo Angehörige an ihre Grenzen kommen, wo Übergänge fehlen und wo Hilfe zu spät ankommt. Genau deshalb braucht es neben mehr Vorsorge auch mehr Unterstützung für Pflege daheim und eine Weiterentwicklung unserer Gemeinden zu altersgerechten Gemeinden.“ Das parteiübergreifend beschlossene Positionspapier stellt klar: Pflege beginnt nicht im Heim – Pflege beginnt daheim im Alltag, in unseren Gemeinden.
PFLEGEKASKADE ALS LEITBILD
Im Zentrum des Papiers steht das Modell einer Pflegekaskade: zuerst Vorsorge und Unterstützung im Alltag, dann mobile und niederschwellige Angebote, danach Tagesbetreuung, Kurzzeit- und Übergangspflege sowie betreubare Wohnformen und Entlastung für Angehörige; schließlich stationäre Pflege dort, wo sie notwendig ist. Der Gemeindebund macht damit nochmals deutlich: Gute Pflegepolitik beginnt nicht erst beim Heimplatz, sondern früher – bei Gesundheitsförderung, Barrierefreiheit, Mobilität, Orientierung und alltagstauglichen Unterstützungsstrukturen. Und diese müssen wie in einem Bausteinsystem – auch flexibel und dem Bedarf entsprechend – zusammenstellbar sein. Ebenso müssen die Rahmenbedingungen für altersgerechtes Wohnen und Leben auch frühzeitig geschaffen werden.
FINANZIERUNG EHRLICH NEU ORDNEN
Ein zentrales Thema des Beschlusses ist auch die Finanzierung und effiziente Organisation von Pflege und Betreuung. „Wer es mit guter Pflege ernst meint, muss auch ehrlich über ihre Finanzierung sprechen. Es wird in Zukunft mehr Mittel brauchen, aber auch klarere Zuständigkeiten und eine faire Lastenverteilung. Die Gemeinden sind Lebensraum und „Früherkenner“ von Problemstellungen. Sie dürfen aber nicht dauerhaft die Lückenbüßer eines Systems sein, nur weil sie die Dinge oft als erste klar beim Namen nennen“, so PRESSL. Weil die Pflegefinanzierung auf Sicht immer stärker unter Druck gerät, fordert der Gemeindebund eine faire und langfristig tragfähige Finanzierung, mehr Mittel im System, klare Zuständigkeiten sowie eine offene und ehrliche Debatte darüber, welchen Beitrag Pflegebedürftige im stationären Bereich unter fairen und sozial ausgewogenen Rahmenbedingungen selbst leisten können.
Mit dem nun beschlossenen Positionspapier bringt der Österreichische Gemeindebund die kommunale Perspektive in die weiteren Verhandlungen mit Bund, Ländern und allen Partnern im System ein. Ziel bleibt ein Altern in Würde – mit mehr Vorsorge, verlässlicher Unterstützung und einer Pflegepolitik, die näher bei den Menschen ist.
Das Positionspapier zur Pflege finden Sie auf www.gemeindebund.at
Österreichischer Gemeindebund
Andreas Steiner, BA MA
Pressesprecher
Mobil: 0664/8238476 Tel.: 01/5121480-18
andreas.steiner@gemeindebund.gv.at
www.gemeindebund.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
© Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender