
IN MEMORIAM ALLAN JANIK
Der bedeutende österreichisch-US-amerikanische Philosoph ist im Alter von 84 Jahren verstorben.
Mit großer Trauer müssen wir vom Ableben des bedeutenden österreichisch-US-amerikanischen Philosophen Allan Janik berichten, der nach längerer Krankheit im 85. Lebensjahr verstorben ist. Janik war dem Leopold Museum sehr verbunden und brachte sein unerschöpfliches Wissen mit großem Engagement auf Einladung von Direktor Hans-Peter Wipplinger im wissenschaftlichen Beirat zur Neupräsentation der permanenten Sammlung _Wien 1900. Aufbruch in die Moderne_ ein. Als Teil dieser Expert*innenplattform verfasste er mit Wiens Kultur und Gesellschaft um 1900. Eine schematische Übersicht einen wichtigen Beitrag für den umfassenden begleitenden Katalog zur Ausstellung, der ein Standardwerk zu „Wien um 1900“ darstellt.
Allan Janik wurde am 18. September 1941 in Chicopee, Massachusetts geboren. Er studierte Philosophie und klassische Philologie am St. Anselm College in Manchester, New Hampshire und schloss sein Studium mit dem Master in Philosophie an der Villanova University ab. Schon seine ersten Arbeiten galten besonders Ludwig Wittgenstein (1889–1951) und Arthur Schopenhauer (1788–1860). Im Zuge seiner Recherchen kam er erstmals nach Innsbruck, um Quellen für seine Dissertation zu finden. Er promovierte 1971 in Geschichte der Philosophie (History of Ideas) an der Brandeis University in Massachusetts. Durch sein gemeinsam mit dem Wittgenstein-Schüler Stephen Toulmin (1922–2009) veröffentlichtes Werk _Wittgensteins Wien_ (1973, 1996) wurde Janik nicht nur zu einem der ersten, sondern auch zu einem der bedeutendsten Philosophen und Historiker auf dem Gebiet des Geisteslebens Wiens um 1900. 1989 wurde er zum Honorarprofessor für Kulturphilosophie an der Universität Wien ernannt.
Nach seiner Karriere in Österreich und den Vereinigten Staaten arbeitete er weiterhin als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Brenner-Archivs (ab März 1995), als Honorarprofessor an der Uni Wien und als Adjunct Professor of Philosophy an der Königlich Technischen Hochschule in Stockholm. Er lehrte darüber hinaus an der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko an der Abteilung für Mathematik, unterrichtete Komparatistik und Germanistik an der Universität Innsbruck, Jüdische Studien an der Staats- und gesellschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Stockholm, Philosophie der Wissenschaft im Centre Georges Canguilhem der Universität Paris VII sowie Philosophie an der Universität Graz und der Universität Bergen.
Janik verfasste zahlreiche Publikationen, u. a. _Towards a New Public Philosophy for the European Union_,_ Assembling Reminders_,_ Theater and Knowledge_,_ The Use and Abuse of Metaphor_,_ Wittgenstein’s Vienna Revisited_,_ Wittgenstein in Wien_ (mit Hans Veigl), _Die Praxis der Physik_ (mit Monika Seekircher und Jörg Markowitsch) und _Wittgenstein’s Vienna_ (mit Stephen Toulmin). Er war Mitbegründer der Wittgenstein Initiative in Wien. Er publizierte regelmäßig in den Fachzeitschriften _Nexus_ (Niederlande), _dialoger _(Stockholm) und _Central European History_ (Cleveland). Eine englische Ausgabe von Egon Friedells _Kulturgeschichte der Neuzeit _(2008) enthält eine Einleitung Janiks.
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