
Lifelong Changes“: Bildungs- und Berufsberatung als Kompass in einer Arbeitswelt im Wandel
Konferenz in Wien zeigt zentrale Rolle von Bildungs- und Berufsberatung für soziale Teilhabe, Fachkräftesicherung und lebensbegleitendes Lernen.
In einer Zeit, in der technologische Entwicklungen, gesellschaftliche Veränderungen und ein dynamischer Arbeitsmarkt die Orientierung bei der Ausbildungs- oder Jobsuche schwieriger machen, gewinnt Bildungs- und Berufsberatung massiv an Bedeutung. Sie schließt häufig eine strukturelle Informationslücke und ermöglicht Menschen, fundierte Entscheidungen über ihre Bildungs- und Berufswege zu treffen. Damit trägt sie wesentlich zu Chancengerechtigkeit, Armutsbekämpfung und sozialer Teilhabe bei. Im Rahmen einer, von der Bildungsberatung in Wien und den Wiener Volkshochschulen (VHS) ausgerichteten Konferenz wurde am 23. und 24. März diskutiert, welche Faktoren das Feld dynamisieren und wie gleichzeitig Aspekte von Chancengerechtigkeit und Wirtschaftlichkeit im Blick bleiben.
Marko Miloradović, Geschäftsführer des waff in seinem Eröffnungsstatement: „Die multifaktoriellen Veränderungen in unserer Gesellschaft und Arbeitswelt – vom demografischen Wandel über die Individualisierung und Digitalisierung – erfordern das Know-how aller Expert*innen. So können wir unser Ziel besser erreichen, vulnerable Gruppen am Arbeitsmarkt zu erreichen und sie zu ermächtigen, gute Aus- und Weiterbildungsentscheidungen zu treffen. Veranstaltungen wie die Konferenz ´Lifelong Changes´ sind ein optimaler Austauschort zwischen wissenschaftlicher Expertise und praktischer Bildungsberatung.”
Am Beispiel der Bildungsberatung in Wien zeigt sich, dass die Nachfrage anhaltend stark ist: Seit 2009 wurden mehr als 206.000 Beratungskontakte durchgeführt, allein im Jahr 2025 rund 20.000.
Doris Wyskitensky, Leiterin der Abteilung Erwachsenenbildung, Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung: „Die Angebote der Bildungsberatung Österreich erfüllen eine für den Zugang zu lebenslangem Lernen entscheidende Funktion: Durch die stark nachgefragten Angebote der Bildungsberatung stellen wir sicher, dass gezielte und nachhaltige Entscheidungen über das Nachholen von Bildungsabschlüssen oder die berufliche Weiterbildung getroffen werden. Damit ergibt sich eine höhere Chance, die anvisierten Bildungsabschlüsse auch zu erlangen bzw. für die persönliche Situation nützliche Kompetenzen zu erlangen. Da die Teilnahme an lebenslangem Lernen in Österreich statistisch nach wie vor stark vom formalen Bildungsstand abhängt, ist eine gezielte Unterstützung von bildungsbenachteiligen Personen durch die Bildungsberatung unerlässlich.“
HOHE REICHWEITE BEI VULNERABLEN ZIELGRUPPEN
Studien zeigen: Vulnerable Zielgruppen werden durch Bildungsberatungen überdurchschnittlich erreicht. Kund*innen empfinden sich nach der Beratung orientierter, strukturierter, motivierter und informierter (ÖIBF, 2021).
Auch Erhebungen in Wien legen dar, dass die Bildungsberatung in Wien als niederschwellige Erstanlaufstelle Menschen erreicht, die sonst oft keinen Zugang zu Orientierung und Weiterbildung finden. Durch Information, Beratung, Orientierung, gezielte Weiterverweise und Motivationsarbeit wird soziale Teilhabe konkret bei vulnerablen Zielgruppen ermöglicht.
TRANSFORMATION DER BERATUNG: NEUE FRAGEN, NEUE WERKZEUGE
Nicht nur der Arbeitsmarkt und die Anforderungen an Arbeitnehmer*innen, sondern auch die Bildungs- und Berufsberatung selbst befindet sich im Wandel. Digitalisierung, neue Tools und veränderte Fragestellungen prägen den Beratungsalltag. Ratsuchende wollen wissen, wie sich Berufe verändern, welche Kompetenzen künftig gefragt sind und wie sie sich in einer zunehmend komplexen Arbeitswelt positionieren können.
Die Keynote von Britta Matthes vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Deutschland zeigte, wie stark digitale Technologien Berufsbilder verändern und welche Rolle Beratung dabei spielt, Menschen sicher durch diesen Wandel zu begleiten: „Auch wenn manche Teile der Beratungstätigkeit an digitale Tools ausgelagert werden können, sind Kernaufgaben wie die Analyse von individuellen Lebenssituationen oder die Einschätzung von Arbeitsmarktchancen schwer substituierbar. Automatisierung ist letztlich eine Aushandlungsfrage, bei der auch das fachspezifische Wissen von erfahrenen Bildungs-, Berufs- und Beschäftigungsberater*innen eine wichtige Rolle spielt.“
PODIUMSDISKUSSION: WIE GELINGT ORIENTIERUNG IM WANDEL?
In der Podiumsdiskussion diskutierten Expert*innen aus Politik, Arbeitsmarkt und Forschung zentrale Zukunftsfragen: Wie wirken die tiefgreifenden Transformationen am Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft? Wie können vulnerable Zielgruppen in Zeiten des Wandels gut erreicht und begleitet werden? Und welche Rahmenbedingungen braucht es, um der Bevölkerung verlässliche Orientierung zu bieten?
Am Podium nahmen teil:
* Doris Wyskitensky, Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung
* Marko Miloradović, Geschäftsführer des waff (Wiener Arbeitnehmer*innen Förderungsfonds)
* Martina Aicher, Arbeiterkammer Wien
* Ralf Artner, Wirtschaftskammer Wien
* Britta Matthes, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Deutschland
Martina Aicher, Arbeiterkammer Wien: „In Zeiten multipler Krisen und Herausforderungen braucht es mehr denn je stabile, langfristig finanzierte Beratungsangebote, die niederschwellig Unterstützung und Information bieten. Besonders für vulnerable Gruppe sind gute Rahmenbedingungen entscheidend, damit Weiterbildungen erfolgreich absolviert werden können – wobei die individuellen Lebensumstände mitgedacht werden müssen. So bleibt die Motivation erhalten. Für Schüler*innen und Jugendliche ist ein fundierter Bildungs- und Berufsorientierungsunterricht genauso zentral, wie das Sammeln praktischer Erfahrungen, damit sie sich in Berufen wiederfinden, in denen sie ihre Talente und Begabungen am besten einsetzen können.“
Ralf Artner, Wirtschaftskammer Wien: „Die Veränderungen in der Arbeitswelt und Gesellschaft machen es wichtiger denn je, Orientierung zu bieten – und genau hier setzt das Berufsinformationszentrum der Wiener Wirtschaft (BiWi) mit praxisnahen Formaten an. Indem wir Kompetenzen sichtbar machen, Erprobung ermöglichen und Menschen Schritt für Schritt begleiten, schaffen wir echte Zugänge zu Ausbildung und Beruf. Gleichzeitig bauen wir das BiWi weiter aus, damit Wien auch in einer dynamischen Arbeitswelt qualifizierte Fachkräfte und faire Chancen für alle sichern kann. Die Bildungs- und Berufsberatung der Zukunft soll empathisch und technisch fortschrittlich sein. Digitalisierung hilft dabei, effizient zu arbeiten und Zeit zu sparen, sodass mehr Raum bleibt für eine menschliche, intensive Betreuung – gerade für diejenigen, die im digitalen Wandel sonst kaum wahrgenommen würden.“
AUSBLICK: VERTIEFENDE SESSIONS AM ZWEITEN KONFERENZTAG
Am zweiten Konferenztag werden spezifische Themen in eigenen Sessions vertieft – von digitaler Beratung über Kompetenzvalidierung bis hin zu neuen Anforderungen an Fachkräfte. Ziel ist es, konkrete Impulse für die Weiterentwicklung der Bildungs- und Berufsberatung in Österreich und Europa zu setzen.
LIFELONG GUIDANCE – UPSCALING GUIDANCE SERVICES IN EUROPE
Die Konferenz fand im Rahmen des Erasmus+ Projekts „Lifelong Guidance – Upscaling Guidance Services in Europe“ statt.
Die Bildungsberatung in Wien (BBiW) ist eine Kooperationspartnerschaft von ABZ*AUSTRIA, Berufsinfozentren des AMS Wien, BFI Wien, biv integrativ, VHS, waff, WUK und ist Teil der Initiative Bildungsberatung Österreich. Sie wurde 2008 von der Wiener Volkshochschulen GmbH initiiert und wird vom Europäischen Sozialfonds, Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung und vom waff finanziert.
Weitere Infos unter https://www.bildungsberatung-wien.at/ und https://lifelong-guidance.eu/
Pressebilder finden Sie in Kürze unter www.vhs.at/presse.
Mag. Nadja Pospisil
Mediensprecherin
Wiener Volkshochschulen
Tel.: 01/89 174-100 105
Mobil: 0699 189 177 58
E-Mail: nadja.pospisil@vhs.at
www.vhs.at
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