ÖVP – Keri: Volksanwaltschaft zeichnet erschütterndes Bild der Krisenzentren der MA 11

Kindeswohl und Kinderschutz müssen in Wiens Krisenzentren endlich wieder sichergestellt werden

Der Bericht der Volksanwaltschaft für das Jahr 2024 zeigt einmal mehr massive Missstände in den Krisenzentren der MA 11 auf. „Was die Volksanwaltschaft schildert, ist erschütternd. Wenn Kinder aus ihren Familien genommen werden, um sie zu schützen, und es dann in den Krisenzentren selbst zu Kindeswohlgefährdungen kommt, ist eine rote Linie überschritten“, so Familiensprecherin LAbg. Sabine Keri im Zuge der heutigen Debatte im Wiener Landtag.

Besonders alarmierend ist laut Keri, dass die Volksanwaltschaft erneut auf strukturelle Überlastung und dramatische Fehlentwicklungen in den Einrichtungen der Wiener Kinder- und Jugendhilfe hinweist. So seien die Wiener Krisenzentren für acht Kinder konzipiert, tatsächlich aber im Durchschnitt mit rund elf Kindern belegt, in Spitzenzeiten sogar mit bis zu 14. Die Volksanwaltschaft berichtet unter anderem von einem Fall, in dem eine Minderjährige im Besprechungszimmer auf einer Matratze am Boden schlafen musste, während dort weiterhin Gespräche stattfanden. Gleichzeitig habe das Betreuungspersonal wegen des Überbelags nicht mehr adäquat pädagogisch handeln können.

Scharfe Kritik übt die Wiener Volkspartei auch an der massiven Überschreitung der vorgesehenen Aufenthaltsdauer in den Krisenzentren. Obwohl diese nur für kurzfristige Unterbringungen von maximal sechs Wochen gedacht seien, müssten viele Kinder und Jugendliche dort mehrere Monate, teils sogar länger als ein Jahr bleiben, weil geeignete Folgeplätze fehlen. „Krisenzentren werden damit systematisch zum Ersatz für fehlende Betreuungsplätze. Das ist nicht ihre Aufgabe und wird weder den Kindern noch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gerecht“, so Keri.

Besonders erschütternd ist aus Sicht der Wiener Volkspartei, dass laut Volksanwaltschaft in den Krisenzentren auch Retraumatisierungen nicht ausgeschlossen werden können. Wenn Kleinkinder gemeinsam mit delinquenten Jugendlichen untergebracht werden, könne ein sicherer Ort nicht mehr gewährleistet werden. Hinzu kommen komplexe psychiatrische Auffälligkeiten, selbstverletzendes Verhalten, suizidale Krisen sowie Fälle von Abgängigkeit, Drogenkonsum und massiver Überforderung des Personals. „Dass die Bewohnervertretung die Volksanwaltschaft bereits über Kindeswohlgefährdungen in einem Krisenzentrum der Stadt Wien informieren musste, ist ein Alarmsignal ersten Ranges“, betont Keri.

Für die Wiener Volkspartei zeigen die Feststellungen der Volksanwaltschaft klar, dass es sich nicht um Einzelfälle, sondern um ein strukturelles Versagen im System handelt. Wien habe zu wenige stationäre Betreuungsplätze, arbeite zu wenig mit ambulanten Unterstützungsformen und schaffe es seit Jahren nicht, ausreichend geeignete Folgeplätze für besonders herausfordernde Fälle bereitzustellen. Gleichzeitig werde Kritik von Neos-Stadträtin Emmerling und der MA 11 immer wieder zurückgewiesen, anstatt die offensichtlichen Missstände endlich konsequent zu beheben.

„Wenn die Stadt Wien entscheidet, dass ein Kind aus seiner Familie genommen werden muss, dann trägt sie auch die Verantwortung, diesem Kind tatsächlich mehr Sicherheit, mehr Stabilität und bessere Entwicklungschancen zu bieten. Davon sind wir in den Wiener Krisenzentren derzeit erschreckend weit entfernt“, so Keri.

Für besonderes Unverständnis sorgt aus Sicht der Wiener Volkspartei auch eine Aussage von Neos-Stadträtin Emmerling im Zuge der heutigen Fragestunde des Wiener Landtages. Diese habe verlautbart, dass sie im Fall, dass sich ein Kind selbst verletzt oder sich das Leben nimmt, nicht proaktiv von der MA 11 informiert werde. Das gehöre nicht zum Standardprozedere. „Dass die politisch zuständige Stadträtin nicht automatisch informiert wird, wenn es in Einrichtungen der Wiener Kinder und Jugendhilfe zu einer Selbstverletzung oder im schlimmsten Fall zu einem Suizid kommt, ist völlig unverständlich. Wer Verantwortung trägt, muss über derart schwerwiegende Vorfälle unverzüglich Bescheid wissen. Alles andere zeigt, wie dramatisch der Kontrollverlust in diesem System inzwischen ist“, so Keri.

Die Wiener Volkspartei fordert daher von Neos-Stadträtin Emmerling umgehend konkrete Maßnahmen, um den Überbelag in den Krisenzentren zu beenden, mehr geeignete Betreuungsplätze zu schaffen, die Personalsituation nachhaltig zu verbessern und den Kinderschutz in den Einrichtungen der MA 11 endlich wieder sicherzustellen. „Kinderschutz darf nicht bloß verwaltet werden. Die Stadt muss endlich handeln. Es geht um Kinder, die besonderen Schutz brauchen und die von Wien derzeit allzu oft im Stich gelassen werden“, so Keri abschließend.

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