
Versteckte Millionen in Österreichs Serverräumen
Österreichische Unternehmen lassen durch ungenutzte Software-Lizenzen jährlich rund 20 Millionen Euro liegen – wertvolle IT-Budgets, die freigesetzt werden könnten.
WÄHREND UNTERNEHMEN IN WIRTSCHAFTLICH SCHWEREN ZEITEN SPAREN UND JEDE AUSGABE GENAU PRÜFEN, BLEIBT EIN ZENTRALER FINANZIELLER HEBEL OFT UNGENUTZT: IN ÖSTERREICHISCHEN SERVERRÄUMEN SIND MILLIONENBETRÄGE IN FORM VON NICHT MEHR BENÖTIGTEN SOFTWARE-LIZENZEN GEBUNDEN. ALLEIN BEI MICROSOFT-LIZENZEN KÖNNTEN JÄHRLICH RUND 30 MILLIONEN EURO FREIGESETZT WERDEN, ÜBER ALLE HERSTELLER HINWEG SOGAR BIS ZU 60 MILLIONEN EURO – KAPITAL, DAS VORHANDEN IST UND BUDGETS SPÜRBAR ENTLASTEN WÜRDE UND DENNOCH IN VIELEN UNTERNEHMEN ÜBERSEHEN WIRD.
In den Serverräumen österreichischer Unternehmen liegen oft unentdeckte Vermögenswerte: ungenutzte Software-Lizenzen. Was viele IT-Abteilungen als Nebenthema betrachten, entwickelt sich zunehmend zu einem relevanten Finanzhebel. Expert:innen schätzen, dass in Österreich allein bei Microsoft-Perpetual-Lizenzen jährlich ein Marktvolumen von rund 90 Millionen Euro generiert wird – davon 50 Millionen durch Unternehmen und 40 Millionen im öffentlichen Sektor. Ein beträchtlicher Teil davon bleibt jedoch ungenutzt in IT-Beständen gebunden.
„_Mit dem zunehmenden Wechsel zu Cloud-Modellen bleiben zahlreiche klassische Dauerlizenzen in Unternehmen zurück. Diese können jedoch legal weiterverkauft werden – und damit bislang gebundenes Kapital wieder freigesetzt werden_“, erklärt STEFAN TAUCHHAMMER, Gründer und Geschäftsführer von Software ReUse.
MILLIONENPOTENZIAL DURCH UNGENUTZTE LIZENZEN
Seinen Schätzungen zufolge könnten rund 30 Prozent dieser Lizenzen nach einem Wechsel auf Cloud-Modelle tatsächlich weiterverkauft werden. Das entspricht in Österreich einem potenziellen Marktvolumen von etwa 30 Millionen Euro pro Jahr allein bei Microsoft-Lizenzen. Berücksichtigt man weitere große Software-Anbieter wie Oracle, VMware by Broadcom oder Adobe, könnte sich dieses Volumen sogar auf bis zu 60 Millionen Euro jährlich erhöhen.
„_Der Ankaufspreis für gebrauchte Software-Lizenzen liegt typischerweise bei durchschnittlich etwa einem Drittel des ursprünglichen Neupreises_“, erklärt Tauchhammer. Damit könnten österreichische Unternehmen jährlich rund 20 Millionen Euro an gebundenem IT-Kapital wieder mobilisieren. Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten, in denen Unternehmen ihre Kostenstrukturen überprüfen müssen, gewinnt dieses Thema an Bedeutung.
LIZENZSTRATEGIE ALS WERTVOLLER FINANZHEBEL
„_Viele Unternehmen betrachten Software-Lizenzen ausschließlich aus technischer Perspektive_“, sagt Tauchhammer. „_Dabei handelt es sich faktisch um Vermögenswerte in der Bilanz. Wer seine Lizenzbestände regelmäßig analysiert, kann erhebliche Budgets freisetzen. Unsere größten Ankäufe bei österreichischen Firmen lagen weit über 500.000 Euro._“
Eine systematische Lizenzbestandsanalyse kann zeigen, welche Lizenzen noch benötigt werden und welche durch den Umstieg auf Cloud-Lösungen oder neue Softwaregenerationen obsolet geworden sind. Bei Bedarf führt Software ReUse auch eine kostenlose Schätzung bestehender und unnötig gewordener Software-Bestände durch.
NACHHALTIGER UMGANG MIT SOFTWARE
Neben dem finanziellen Effekt gewinnt auch der Nachhaltigkeitsaspekt an Bedeutung: Der Weiterverkauf von Software-Lizenzen verlängert deren Nutzungsdauer und vermeidet unnötige Neuanschaffungen – ein Ansatz, der zunehmend auch von IT- und Beschaffungsabteilungen im öffentlichen Sektor berücksichtigt wird.
MARKT MIT WACHSENDER AUFMERKSAMKEIT
Der Handel mit gebrauchten Software-Lizenzen ist in der Europäischen Union seit dem wegweisenden EUGH-Urteil von 2012 rechtlich zulässig und gewinnt seit einigen Jahren an Dynamik. Dennoch ist vielen Unternehmen noch nicht bewusst, welche finanziellen Potenziale in ihren bestehenden Lizenzbeständen liegen.
„_Deshalb kann sich ein genauer Blick in die eigenen IT-Inventare lohnen. Denn in vielen Serverräumen schlummern nicht nur Daten, sondern auch Millionenwerte_“, so Tauchhammer abschließend.
komma4 Kommunikation und Beratung OG
Veronika Neubauer, MA
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