Aldi Süd setzt als erster deutscher Supermarkt auf tierschutzgerechte Betäubung von Garnelen

Bis 2035 soll die gesamte Lieferkette umgestellt werden (FOTO)

Der Discounter Aldi Süd hat angekündigt, bis 2035 die elektrische Betäubung vor der Schlachtung für alle Zuchtgarnelen oder tierschutzgerechte Alternativen in ganz Europa, den USA und Australien einzuführen. Außerdem wird die sogenannte Augenstielablation bis 2030 verboten. Aldi Süd ist damit der erste deutsche Supermarkt, der einen konkreten Zeitplan für den Garnelen-Tierschutz veröffentlicht.

Die Ankündigung folgt auf eine monatelange Kampagne der Tierschutzorganisation International Council for Animal Welfare (ICAW), die im November letzten Jahres gemeinsam mit Influencer:innen und Prominenten öffentlich auf Missstände in der Garnelenproduktion aufmerksam gemacht hatte.

GARNELEN – DIE VERGESSENE MEHRHEIT DER TIERE

Garnelen sind das meistgegessene Tier Deutschlands – rund 2,5 Milliarden werden hierzulande jährlich konsumiert, weit mehr als die rund 650 Millionen geschlachteten Hühner. Laut Recherchen des ICAW werden Garnelen in der industriellen Produktion häufig zur Schlachtung in Eiswasser getaucht – eine Methode, die sie oft nicht zuverlässig betäubt, sodass sie bei Bewusstsein ersticken können. Muttertieren wird zudem routinemäßig ein Auge abgeschnitten, um die Eiproduktion zu steigern.

Die elektrische Betäubung gilt laut ICAW nach aktuellem Forschungsstand als die tierschutzgerechteste Schlachtmethode: Sie führt richtig angewandt innerhalb von Sekunden zur Bewusstlosigkeit. Das Vereinigte Königreich und mehrere europäische Staaten haben Garnelen und andere Krebstiere bereits als empfindungsfähige Lebewesen rechtlich anerkannt.

DEUTSCHE SUPERMÄRKTE SCHLUSSLICHT IM EUROPÄISCHEN VERGLEICH

Im Vereinigten Königreich haben sich mittlerweile alle elf großen Supermärkte – darunter Tesco, Sainsburys, Waitrose und Marks & Spencer – öffentlich und mit konkretem Zeitplan zur Umstellung auf elektrische Betäubung verpflichtet. Auch in Frankreich und den Niederlanden haben erste Händler nachgezogen.

Mit dem Schritt von Aldi Süd erreicht diese Dynamik nun den deutschen Markt. Ob Aldi Nord seine Standards entsprechend angleichen wird, ist bisher unklar. Kein anderer deutscher Supermarkt – weder Rewe, noch Lidl, noch Edeka – hat bislang ein vergleichbares zeitgebundenes Ziel gesetzt. Im ICAW-Supermarkt-Ranking belegen deutsche Händler weiterhin die hinteren Plätze.

„Wir begrüßen, dass Aldi Süd dieses klare Signal an den Markt sendet und als erster deutscher Händler einen verbindlichen Zeitplan vorlegt. Die Frage ist jetzt: Wann positionieren sich Rewe, Lidl und die anderen Mitbewerber?“

– Jonas Becker, Direktor für Invertebraten-Tierschutz, International Council for Animal Welfare (ICAW)

„Es ist gut, dass Aldi auf die Bedenken von Kund:innen reagiert und anerkennt, dass auch Garnelen fühlende Lebewesen sind. Grundlegende Tierschutzstandards für diese Tiere sind das Mindeste – und sie sollten für jeden Supermarkt selbstverständlich sein.“

– Bobby Alexander Stein, Content Creator und Mit-Initiator der Kampagne

VORGESCHICHTE

Ende 2025 hatte der International Council for Animal Welfare (ICAW) gemeinsam mit mehreren Influencer:innen – darunter Bobby Alexander Stein und Marie von den Benken – eine Recherche zu Zuständen auf Garnelenfarmen in Asien und Lateinamerika veröffentlicht und sowohl Aldi Süd als auch Aldi Nord öffentlich aufgefordert, die Schlachtmethoden an aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse anzupassen. Das Video ging auf Instagram viral und erreichte über 400.000 Menschen in Deutschland.

WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN:

* ICAWs Supermarkt-Ranking zum Garnelen-Tierschutz (Stand 10/2025): https://www.shrimp-welfare-report.org/
* Die Aldi-Süd Verpflichtung im Wortlaut (Aldi South Group Fish and Seafood Factsheet, Seite 8): https://sustainability.aldisouthgroup.com/files/fish-and-seafood-factsheet

Jonas Becker
Direktor für Invertebraten-Tierschutz
International Council for Animal Welfare (ICAW)
Email: jbecker@i-caw.org
Tel: +49 157 323 45379

Interviews und Hintergrundgespräche auf Anfrage.

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