Vom Hype zur Praxis: Was KI in der Videoproduktion wirklich kann und was nicht

Bei der hybriden DIGITAL INNOVATION SESSION von COPE diskutierten rund 130 Teilnehmer:innen den Einsatz von KI in der Videoproduktion – jenseits von Hype und Hochglanz-Versprechen.

UNTER DEM TITEL „KI IM VIDEO-MARKETING: VOM HYPE ZUR ECHTEN PRODUKTION“ LUD DIE COPE CONTENT PERFORMANCE GROUP ZUR DIGITAL INNOVATION SESSION. RUND 130 GÄSTE VERFOLGTEN DAS HYBRIDE EVENT LIVE VOR ORT UND ONLINE. MODERATORIN NICOLA DIETRICH, CHIEF STRATEGY OFFICER BEI COPE, ERÖFFNETE DEN VORMITTAG MIT EINER ZENTRALEN FRAGE, DIE MARKETING-TEAMS AKTUELL BESCHÄFTIGT: WAS KANN KI IN DER VIDEOPRODUKTION WIRKLICH LEISTEN – UND WO LIEGEN DIE TATSÄCHLICHEN RISIKEN? ANTWORTEN LIEFERTEN DREI EXPERT:INNEN: HANA GREINER, CREATIVE DIRECTOR BEI COPE, ALEXANDER KOREC, VIDEOPRODUCER, UND WALTER DOMINIC BERTHOLD, SOCIAL MEDIA SPECIALIST UND BRANDFACE BEI TCHIBO.

FEHLENDE STRATEGIE ALS EIGENTLICHES PROBLEM

Den starken US-Bezug von KI führte HANA GREINER bei ihrer Präsentation der Agenturperspektive ins Treffen: „Wir machen uns abhängig von instabilen US-Giganten. Und das Thema Brand Identity bleibt oft auf der Strecke. Da alle auf dieselben KI-Tools zugreifen, werden die Ergebnisse bei KI-Einsatz US-zentriert und einheitlich.“

Dazu käme, dass Video im Marketingmix oft wenig Verständnis erfahre. „Shortform ist für Aufmerksamkeit, Longform ist für Erklärung und Vertrauen. Ideal wäre es, erst mit Longform-Content Vertrauen aufzubauen und Shortform-Content erst im zweiten Schritt einzubauen. Denn dann kann ich die Shortform-Aufmerksam in meine Vertrauens-Kanäle wie z.B. meinen Video-Podcast lenken“, erklärt Greiner. Wer dann noch in Owned Media investiert und einzigartigen Content, z. B. als Newsletter, bietet, gewinnt die Treue der Kund:innen. In der Praxis sei die Reihenfolge oft umgekehrt: „Die meisten starten mit Shortform Content, weil das vermeintlich einfacher ist.“ Bei Shortform würden aber viele Stolpersteine lauern. Sie reichen vom Fehlen geeigneter Personen vor der Kamera über unnatürliche Sprache, fehlende oder falsch platzierte CTA bis hin zu schlechtem Storytelling. Das nämlich funktioniert laut Hana Greiner anders als bei klassischen Langformen, indem es statt auf klassische Spannungsbögen auf sich wiederholende Wellenbewegungen aus Hook, Konflikt und Lösung setzt.

Außerdem sollten laut Greiner die klassischen „W-Fragen“ bemüht werden: „Am Anfang sollten dabei immer die Fragen ,Was‘, dann ‚Warum‘ stehen“, rät die Expertin. „Ein wichtiger Faktor bei Video ist der ,Bösewicht‘. Bei NGO kann das z. B. die Regierung sein, bei Startups der Großkonzern.“ Schlussendlich müsse sichergestellt werden, dass der Content teilbar, also kompakt erzählt ist. „Das ist Video-Strategie. Sie schafft die besten Voraussetzungen für eine Produktion –mit oder ohne KI“, zeigte Greiner die Bedeutung eines strategischen Vorgehens auf. Einen großen Vorteil sieht Greiner beim KI-Einsatz: „KI ist ein genialer Sparringpartner, wenn es um das Kritisieren von Ideen und Konzepten geht.“ Doch sollte sie immer auch mit Blick auf ethische oder rechtliche Bedenken eingesetzt werden.

VIDEOPRODUKTION: WO KI SINNVOLL IST – UND WO NICHT

Der Videoproducer und ehemalige Media Consultant ALEXANDER KOREC legt seit über elf Jahren als Teamlead seinen Fokus auf projektorientiertes Video- und Mediaproducing – von der ersten Idee bis zum fertigen Film. Im Bereich der Pre-Production sieht Korec einen Nutzen durch KI bei der Visualisierung für Kund:innenpräsentationen. „Kund:innen können sich visualisierte Ideen besser vorstellen. Story Board Artists wären meist zu teuer. Hier gibt es schon sehr gute KI-Lösungen“, erklärt Korec.

Bei der Produktion selbst sei KI selten sinnvoller als echte Drehs. Zu aufwändig seien die umfangreichen Korrekturschleifen und Iterationen bei KI-Ausgabefehlern, Änderungen und neuer Fehler bei Nachprompts. Natürlich gäbe es Ausnahmen, wie beispielsweise realitätsferne Szenen, die sonst schwer zu kreieren wären.

In der Post-Production hält er KI-Anwendungen bei Schnitt und der Montage für sinnvoll. Allerdings nur bei der Basisarbeit. Wenn es zu Intro, Outro, Übergängen oder emotionalen Elementen kommt, sei die KI noch weit entfernt von menschlichen Leistungen, so Korec: „KI bietet sehr nützliche Tools und Werkzeuge, die wir gern nutzen. Einen Cutter als kreatives Mastermind wird sie so bald aber nicht ersetzen.“

Als eine sinnvolle Einsatzmöglichkeiten für KI beschrieb er die Bearbeitung von bestehendem Stock Content. Ambivalent sieht Korec KI bei Off-Stimmen: „Atmung, Pausen sowie emotionale Höhen und Tiefen sind bei KI-Tools schon abgebildet. An Grenzen stößt man aber, wenn es um Dialekte oder besondere Tonlagen geht.“ Korecs Fazit: „Das Thema ist spannend für individuelle Workflows, bei denen KI zuarbeiten kann. Aber ich sehe aktuell keine Übernahme von Videoproduktionen durch KI.“ Dazu käme auch, dass die Akzeptanz von KI bei den Konsument:innen niedrig und anscheinend weiter sinkend sei. Alexander Korec warnt vor KI-Hype in der Produktion: „Ein Video per Knopfdruck aus einem KI-Tool zu bekommen, ist unrealistisch. Korrekturen sind kaum möglich, jede gewünschte Korrektur muss neu generiert werden. Das wird schnell zur Zeit- und Kostenfalle. Und am Ende steht ein Ergebnis, das im schlimmsten Fall nicht den Erwartungen unserer Kunden entspricht.“

MARKENPERSÖNLICHKEIT ALS ENTSCHEIDENDER VORTEIL

Content Performance Group GmbH
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