
Welche Intelligenz braucht das Gesundheitswesen?
22. FORUM HOSPITAL MANAGEMENT 2026: NAMHAFTE EXPERT*INNEN DISKUTIERTEN AUF EINLADUNG DES UNIVERSITÄTSKLINIKUMS AKH WIEN, DER EXECUTIVE ACADEMY DER WIRTSCHAFTSUNIVERSITÄT WIEN UND DER VINZENZ GRUPPE SMARTE STRATEGIEN FÜR DIE ZUKUNFT DER GESUNDHEIT.
Intelligenz hat viele Facetten: Analytische Schärfe, emotionale Kompetenz, organisatorisches Geschick, technologische Innovation und viele mehr. Welche Formen von Intelligenz prägen die Gesundheit von heute und morgen? Diese Frage stand am 9. April im Fokus des 22. Forum Hospital Management, der jährlichen Konferenz für Fach- und Führungskräfte aus Gesundheitswesen, Medizintechnik und der pharmazeutischen Industrie. Denn Fachkräftemangel, Ressourcenknappheit und steigende Erwartungen fordern heraus wie nie zuvor. Gefragt sind kluge Antworten und die Fähigkeit, sie umzusetzen.
GESUCHT: INTELLIGENZ IN ALLEN FORMEN
Einst habe man Intelligenz mit Wissen gleichgesetzt, sagte Dr. Michael Heinisch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Vinzenz Gruppe, in seinen Begrüßungsworten. „Heute ist so viel Wissen wie nie zuvor auf Knopfdruck verfügbar. Und trotzdem haben wir nicht weniger Baustellen als früher.” Seien es überforderte Strukturen oder Patient*innen auf der Suche nach dem “best place of service”: Um den Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft begegnen zu können, brauche es Intelligenz auf allen Ebenen: zwischenmenschlich, organisatorisch und technologisch.
Renommierte nationale und internationale Expert*innen beleuchteten Intelligenz aus multidisziplinären Perspektiven: Was macht die menschliche Intelligenz einzigartig und warum ist soziale Kompetenz besonders wichtig? Wo zeigt sich derzeit der konkrete Nutzen von Künstlicher Intelligenz (KI) und Machine Learning und wo liegen die Grenzen? Mit diesen und weiteren Themen präsentierte das Forum Hospital Management einen kompakten Wissensüberblick und regte zur Diskussion an.
ERFOLGSFAKTOR EMOTIONALE INTELLIGENZ
Intelligenz ist tatsächlich ein wesentlicher Faktor für Erfolg im Berufsleben. Das zeigte eine Metaanalyse von 551 Studien zwischen 1973 bis 2020. „Sowohl kognitive als auch emotionale Intelligenz zählen zu den wesentlichen Einflussfaktoren hinsichtlich Einkommen, Aufstiegserfolg und Karrierezufriedenheit”, so ao. Univ. Prof. Dr. Johannes Steyrer an, wissenschaftlicher Leiter des MBA-Studiengangs Health Care Management an der WU Executive Academy und Co-Autor der Metastudie.
Im Anschluss unterstrich Dr. Svea von Hehn, Psychologin, Neurowissenschafterin und Managementberaterin, die herausragende Bedeutung der emotionalen Intelligenz. Diese zeichnet sich aus durch die Fähigkeit zu Selbstwahrnehmung, Selbstregulierung, Empathie und Beziehungsmanagement. Sie ermöglicht Achtsamkeit und Offenheit ‒ beides “Booster” für kognitive Leistung und Belastbarkeit, so von Hehn. Emotionale Intelligenz gehöre zu den wichtigsten “Future Skills”, besonders für Führungskräfte: Laut einer Gallup-Studie zählt mangelnde emotionale Intelligenz der Führung zu den Hauptgründen, warum Arbeitnehmer*innen ein Unternehmen verlassen.
WISSEN IST UNVERZICHTBAR
Was ist eigentlich Intelligenz und wie kann man sie messen? Die Psychologin Prof. Elsbeth Stern von der ETH Zürich fasste zusammen, was wir derzeit über menschliche Intelligenz wissen. Die Genetik erklärt einen Großteil der IQ-Unterschiede, auch wenn die ursächlichen Gene noch kaum identifiziert wurden. Ist höhere Intelligenz immer ein Vorteil? Nicht in allen, aber doch in vielen Aufgabenfeldern ließe sich geringere Intelligenz durch Erfahrung und Wissen kompensieren, so Stern. Das liege unter anderem daran, dass das Arbeitsgedächtnis leistungsfähiger wird, wenn Vorwissen mobilisiert wird. Das Fazit der Forscherin: Wissen wird eine wichtige individuelle Kompetenz bleiben, die nicht outgesourct werden sollte. Und: Intelligenz ist kein Garant für die Abwesenheit negativer Persönlichkeitsmerkmale, weshalb sich Recruiter*innen nicht allein am IQ orientieren sollten.
BIG DATA VERANTWORTUNGSVOLL NUTZEN
Prof. Paolo Parini von Karolinska Hospital in Stockholm widmete sich dem Potential von Big Data und Künstlicher Intelligenz für die klinische Versorgung. Big Data hilft dabei, nicht nur einzelne Variablen, sondern das “Big Picture” zu sehen. Krankenhäuser produzieren bereits große, strukturierte Datensätze in guter Qualität. Doch die Herausforderung sei, Big Data mit klaren Governance-Regeln zu versehen, die im Einklang mit Sicherheit und Datenschutz stehen. Role Models seien föderierte Datenbanksysteme, die sich durch Dezentralität auszeichnen.
Big Data erlaubt beispielsweise die Nutzung von “Digitalen Zwillingen”, wie sie bereits am Karolinska Hospital erprobt werden. Ein Digitaler Zwilling ist eine virtuelle Repräsentation eines Objekts oder Prozesses, an der Abläufe simuliert werden. So können etwa medizinische Interventionen parallel an tausenden virtuellen Abbildern eines einzelnen Menschen getestet werden, um die beste Maßnahme zu eruieren.
Trotz dieser und anderer spannender Use Cases werden KI und verwandte digitale Technologien Fach- und Führungskräfte im Gesundheitswesen nicht ersetzen – neben Software sei „Brainware“ entscheidend, so Parini. Doch wer KI-Anwendungen verstehen und verantwortungsvoll nutzen kann, sei in Zukunft entscheidend im Vorteil.
ÜBER DAS FORUM HOSPITAL MANAGEMENT
Das Forum Hospital Management ist eine gemeinsame Initiative vom AKH Universitätsklinikum Wien, der Wirtschaftsuniversität Wien und der Vinzenz Gruppe. Die jährliche Konferenz richtet sich an Fach- und Führungskräfte aus dem Gesundheitswesen, der pharmazeutischen Industrie und dem medizinisch-technischen Bereich. Präsentiert und diskutiert werden dabei nationale und internationale Praxisbeispiele innovativen Health Care Managements. Das Forum versteht sich als Plattform für Forschung und Umsetzung, Theorie und Praxis, Vision und Realisierung.
Weitere Informationen zum 22. Forum Hospital Management finden Sie hier: 22. Forum Hospital Management – Vinzenz Gruppe
Vinzenz Gruppe Krankenhausbeteiligungs- und Management GmbH
Annemarie Kramser
Telefon: +43 664 84125039
E-Mail: annemarie.kramser@vinzenzgruppe.at
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