Neuseeländische Museums-Pionierin eröffnet Kulturpool Stakeholder Forum 2026

UNTER DEM TITEL „SPRACHE, MACHT UND DATEN“ MACHT DAS VERNETZUNGSTREFFEN FÜR DIGITALES KULTURERBE ERSTMALS HALT IN KLAGENFURT. DIE RENOMMIERTE MUSEOLOGIN SARAH KENDERDINE (EPFL) ERÖFFNET DAS FORUM AM 5. MAI MIT EINER KEYNOTE IM KÄRNTEN.MUSEUM.

Wie sprechen wir über unsere Welt? Wer bestimmt die Begriffe, Bedeutungen und Beziehungen? Und wie verändern sich unsere Vorstellungen von Kultur und kulturellem Erbe durch den Einsatz neuer digitaler Technologien? Das Kulturpool Stakeholder Forum 2026 gastiert am 5. und 6. Mai im kärnten.museum (Klagenfurt) und widmet sich dem Spannungsverhältnis zwischen Sprache, Macht und Daten im digitalen Kulturraum.

Das Bundesministerium für Kunst und Kultur (BMWKMS) lädt gemeinsam mit dem Kulturpool, der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), der Topothek und dem kärnten.museum Expert*innen, Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen ein, über die Qualität digitaler Daten, interdisziplinäre Forschung sowie verantwortungsvolle Vermittlung zu diskutieren.

Nach Wien (2024) und Linz (2025) findet eines der wichtigsten Treffen der Digital Community österreichischer Museen, Archive und Bibliotheken dieses Jahr erstmals im Süden des Landes statt.

„Das gemeinsame Erleben von Kultur ist in der Demokratie fundamental“, so Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler. „Die Öffnung kultureller Teilhabe in den digitalen Raum bietet einen einzigartigen niederschwelligen Zugang zu Kultur. Der Kulturpool bietet verlässliches Datenmaterial, das zur kritischen Reflexion und zur innovativen Gestaltung des Lebens jedes und jeder Einzelnen einlädt.“

Für Kärntens Kulturreferentin LHStv.in Gaby Schaunig ist klar: „Gerade im digitalen Raum entscheidet die Qualität der Vernetzung darüber, wie Wissen entsteht und weitergegeben wird. Wenn Daten aus Museen, Archiven und Bibliotheken zusammengeführt und zugänglich gemacht werden, entsteht daraus ein gemeinsamer Wissensraum, der weit über einzelne Institutionen hinauswirkt – und damit Menschen den Zugang zu verlässlichem Wissen erleichtert, Bildungschancen erweitert und die gesellschaftliche Teilhabe stärkt.“

Wer Daten sammelt, speichert und modelliert, beeinflusst mitunter, wie Wissen entsteht und welche Perspektiven für die Öffentlichkeit sichtbar sind. Angesichts von Deep Fakes, Cyberattacken und politischen Einflussversuchen auf Forschungs- und Kulturdaten steigt in Europa die Notwendigkeit für authentische und verifizierte Daten und nachhaltige Infrastrukturen.

„Bildungsstätten wie Museen, Archive und Bibliotheken müssen verstärkt darauf achten, wie sie mit ihren Daten ethisch und rechtlich verantwortungsvoll umgehen, wo sie diese speichern und wie sie diese schützen“, so Katrin Vohland, Generaldirektorin des Naturhistorischen Museum Wien. „Zugleich eröffnen die steigenden Datenmengen und neuen Technologien großartige Möglichkeiten für die Erschließung, Erforschung und Vermittlung. Das diesjährige Stakeholder Forum trägt dazu bei, dass wir diese Chancen und Risiken wirkungsvoll austarieren und gemeinsam die Voraussetzungen für einen souveränen Umgang schaffen können.“

VERÄNDERUNGSKRAFT: VERNETZTES WISSEN

Das zweitägige Forum startet am 5. Mai mit Grußworten von Kärntens Kulturreferentin LHStv.in Gaby Schaunig und einer Begrüßung von Wolfgang Muchitsch, wissenschaftlicher Direktor des kärnten.museum.

Den Auftakt der Vorträge und Diskussionen macht die neuseeländische Museologin Sarah Kenderdine, die in ihrer Keynote aufzeigt, wie Institutionen neue Technologien nutzen können, um verantwortungsvoll mit diversen Zielgruppen zu kommunizieren. Kenderdine ist Professorin an der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL), wo sie das Labor für Experimentelle Museologie (eM+) leitet. Dort wird erforscht, wie beispielsweise Virtual Reality, Künstliche Intelligenz und Datenvisualisierung die museale Vermittlung verändern.

Wie die Digitalisierung unser Denken prägt, steht im Fokus der Keynote von Clemens Apprich, Vizerektor der Universität für Angewandte Kunst Wien. Der Medienwissenschaftler spricht über die Auswirkungen digitaler Infrastrukturen und Netzwerke auf Machtverhältnisse und kulturelle Praktiken. In seinem Vortrag plädiert er für eine neue Form der Kritik, bei der Daten nicht als immateriell, sondern als gestaltbare Basis für öffentliches Engagement betrachtet werden.

Welche technischen Infrastrukturen, Methoden und Anwendungen notwendig sind, um Daten zu vernetzen und sie damit nachhaltig nutzbar zu machen, erklärt Sören Auer, Direktor der weltweit größten Fachbibliothek für Technik und Naturwissenschaften und Universitätsbibliothek, der TIB an der Leibniz Universität Hannover. In seiner Keynote zum Thema „Linked Open Data“ zeigt er auf, welche Vorteile offene, standardisierte, verlinkte und maschinenlesbare Daten zu einem digitalisierten Objekt mit sich bringen. Kurz gesagt: Je besser die sogenannten „Metadaten“ eines Objekts sind, desto leichter können sie für Forschung, Bildung oder Vermittlung genutzt werden. In der Praxis wird beispielsweise der Name einer Künstlerin mit einem kontrollierten Vokabular verknüpft. Folglich kann das Werk eindeutig einer bestimmten Person zugeordnet werden – sowohl von Menschen als auch von Maschinen (z. B. Algorithmen). So wird etwa das digitalisierte Bild aus dem Römermuseum Tulln auch für Forschende in Trient sichtbar. Wie „Linked Open Data“ in der Praxis umgesetzt wird, zeigen beim Stakeholder Forum mehrere Lightning Talks.

KONTEXTE DER ERINNERUNG

Mit seinen Kooperationspartnern bietet das Stakeholder Forum den Teilnehmenden zusätzlichen Input und Austauschformate: So beschäftigt sich ein einleitender Workshop der FFG damit, wie digitales Kulturerbe im EU-Programm Horizon Europe konzeptualisiert wird und welche Prinzipien wie Open Science, FAIR Data und Partizipation dabei eine Rolle spielen. Am Beispiel des Projekts MEMORISE wird diskutiert, wie Datensammlung und -modellierung historische Perspektiven formen, welche Herausforderungen entstehen und wie Daten so kontextualisiert werden können, dass neue Zugänge zum kollektiven Erinnern möglich werden.

Der Einladung nach Klagenfurt folgen zum ersten Mal auch Vertreter*innen von über 300 lokalen Online-Archiven, sogenannten Topotheken, die unter der Schirmherrschaft des Vereins ICARUS betrieben werden. Was braucht es, um das wertvolle lokale Wissen zum Nutzen aller zu vernetzen? Wie gelingt das Zusammenspiel von ehrenamtlicher Arbeit mit institutioneller Forschung und Vermittlung? Und welche Direktiven kann die Wissenschaft bieten, um die Ergebnisse bestmöglich nutzen zu können? Diese und weitere Fragen stehen im Fokus des überregionalen Vernetzungstreffens.

DER KULTURPOOL IN ZAHLEN

Auf kulturpool.at sind aktuell 2.456.740 Objekte – von der Urgeschichte bis heute – online verfügbar. Davon sind mehr als 2500 im 3D-Format zugänglich. Mehr als 130 Partnerinstitutionen österreichweit sind aktuell am Kulturpool angebunden. Rund ein Viertel aller Objekte ist unter den offenen Lizenzen „Public Domain“ und „CC0“ verfügbar und kann einfach weitergenutzt werden. (Stand: 08.04.2026)

WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN
https://info.kulturpool.at/stakeholder-forum-2026/

Kulturpool

Dr. Daniela Apaydin
Kulturpool, Kommunikation
Tel.: +43 664 621 61 93 | info@kulturpool.at

Naturhistorisches Museum Wien

Mag. Irina Kubadinow
Leiterin Presse & Öffentlichkeitsarbeit, Pressesprecherin, NHM Wien
Tel.: +43 (1) 521 77-410 | irina.kubadinow@nhm.at

Mag. Klara Vakaj
Pressereferentin, NHM Wien
Tel.: +43 (1) 521 77-626 | klara.vakaj@nhm.at

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