
GÖD-Justizwachegewerkschaft: Situation in der Sonderanstalt für den Jugendvollzug Wien-Münnichplatz ist weiterhin inakzeptabel
Die Justizwachegewerkschaft besuchte am 20. April 2026 gemeinsam mit der Volksanwaltschaft die Sonderanstalt für den Jugendvollzug Wien-Münnichplatz. Das Fazit des Vorsitzenden Norbert Dürnberger fällt ernüchternd aus: Die Situation ist weiterhin extrem angespannt, Verbesserungen sind nicht in Sicht.
Obwohl die Sonderanstalt mittlerweile im Vollbetrieb arbeitet und mit über 80 Insassen vollständig ausgelastet ist, klaffen massive Lücken in der Personaldecke. An manchen Tagen ist oft nur die Hälfte der vorgesehenen Planstellen tatsächlich besetzt. Ein regulärer Dienstbetrieb ist unter diesen Umständen unmöglich: Begleitungen zu Therapien, die Besetzung der Werkstätten oder auch der tägliche Hofgang können oft nur unter erhöhtem Risiko oder gar nicht stattfinden.
BELASTUNGSGRENZE ÜBERSCHRITTEN
Verschärft wird die Situation dadurch, dass Jugendliche nun direkt am Münnichplatz eingeliefert werden. Die daraus resultierenden Fahrten zu U-Haftverhängungen und anderen Terminen binden Personal, das im Dienstbetrieb fehlt. Die Belastung für das bestehende Personal ist enorm. Das Ausmaß an Überstunden ist so hoch, dass die Gefahr von Burnout und krankheitsbedingten Ausfällen massiv ansteigt.
KRITIK DER VOLKSANWALTSCHAFT BESTÄTIGT
Die Volksanwaltschaft, die den Münnichplatz bereits mehrfach geprüft hat, untermauert die gewerkschaftliche Kritik. Mangelndes Projektmanagement sowie die Tatsache, dass Jugendliche aufgrund des Personalmangels zu viel Zeit in ihren Hafträumen verbringen müssen, sind zentrale Kritikpunkte, die sich mit den Wahrnehmungen der Gewerkschaft decken.
DRINGENDE FORDERUNGEN AN DIE POLITIK
Die GÖD-Justizwachegewerkschaft fordert daher umgehende Maßnahmen:
Tageszuteilungen: Kurzfristige Personalunterstützung, die bisher abgelehnt wurde, muss ermöglicht werden.
Sonderzulage für den Jugendvollzug: Um die schwierige Arbeit attraktiver zu gestalten, muss über eine Zulage analog zum Maßnahmenvollzug nachgedacht werden.
Aufstockung des Personals: Die seit Jahren geforderten 300 bis 400 zusätzlichen Planstellen sind unumgänglich, damit umliegende Dienststellen im Bedarfsfall unterstützend einschreiten können.
„Derzeit kann die Sicherheit und Ordnung in der Sonderanstalt für Jugendliche am Münnichplatz nicht zur Gänze gewährleistet werden“, warnt Norbert Dürnberger abschließend.
GÖD-Justizwachegewerkschaft
Norbert Dürnberger
Telefon: 0676 898917004
E-Mail: norbert.duernberger@my.goed.at
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