
Umfrage zum Eurovision Song Contest 2026 in Wien
Zwischen Spektakel, Skepsis und politischer Debatte
DER EUROVISION SONG CONTEST GEHÖRT SEIT JAHRZEHNTEN ZU DEN GRÖSSTEN TV-EVENTS DER WELT. DOCH IN ÖSTERREICH SORGT DIE AUSTRAGUNG DES WETTBEWERBS FÜR GEMISCHTE GEFÜHLE. EINE AKTUELLE REPRÄSENTATIVE STUDIE DES DIGITALEN RESEARCH INSTITUTS MARKETAGENT UNTER 1.000 PERSONEN ZEIGT: DER ESC POLARISIERT. ZWAR WIRD DAS EVENT ALS BUNTES ENTERTAINMENT WAHRGENOMMEN, DOCH VIELE SEHEN AUCH KRITISCH AUF KOSTEN, POLITISCHE KONTROVERSEN UND DEN TATSÄCHLICHEN NUTZEN FÜR DAS LAND.
FACT BOX:
* HOHE BEKANNTHEIT, BEGRENZTES INTERESSE: Fast alle Befragten haben vom ESC gehört (99%), doch die Mehrheit (62%) ist wenig bis gar nicht daran interessiert.
* ESC IST BUNT UND EXTRAVAGANT: Die häufigste Assoziation zum Song Contest ist „buntes Spektakel“ (35%). In einer metaphorischen Betrachtung sehen 43% den ESC als extravagante Party-Persönlichkeit mit auffälligem Outfit.
* GEMISCHTE STIMMUNG ZU AUSTRAGUNG IN ÖSTERREICH: 37% finden es gut, dass der ESC in Österreich stattfindet, 25% sehen das kritisch. Im Vergleich zu 2015 ist die Zustimmung spürbar gesunken (2015: 52%).
* BEGRENZTES ZUSCHAUERPOTENZIAL: Nur rund ein Drittel plant, zumindest eine Live-Show zu verfolgen (32% | 2015: 52%). Das Finale will gut ein Viertel schauen (26% | 2015: 50%) und das überwiegend zu Hause oder im privaten Umfeld (90%).
* KOSTEN-NUTZEN-SKEPSIS: Mehr als die Hälfte glaubt, dass die Kosten überwiegen (54%), nur 17% erwarten mehr Nutzen.
* TOURISMUS ALS KLARER GEWINNER: 7 von 10 erwarten positive Effekte für den Tourismus, 54% für das Image Österreichs im Ausland.
* POLITISCHE KONTROVERSEN: 6 von 10 sind zumindest teilweise mit der Debatte rund um die Teilnahme Israels vertraut. Jeweils ein gutes Viertel findet es gut, dass Israel beim ESC starten kann (28%) bzw. lehnt diese Entscheidung ab (26%). 46% geben sich neutral. Ähnlich gespalten verhält es sich mit der Bewertung des Boykotts durch andere Länder. 63% halten es für unrealistisch, dass der Wettbewerb unpolitisch bleiben kann.
„SOUND OF SILENCE“ (DAMI IM, AUSTRALIEN 2016) – GROSSE SHOW, GERINGES INTERESSE
Obwohl der Eurovision Song Contest nahezu allen Befragten bekannt ist, bleibt das tatsächliche Interesse in der Bevölkerung überschaubar. Nur 15 Prozent zeigen sich in der Marketagent-Umfrage sehr oder eher am ESC interessiert, 21 Prozent zumindest teilweise. Für die Mehrheit von 62 Prozent hat das Pop-Event hingegen wenig bis keine Relevanz.
In der Wahrnehmung der Bevölkerung steht der Wettbewerb vor allem für Unterhaltung und Show. Die häufigste Assoziation lautet „buntes Spektakel“ (35%), ein Begriff, der für viele den besonderen Charakter des Events treffend beschreibt. Ein anschauliches Bild liefert eine implizite, also indirekte, Frage der Studie: Wäre der ESC eine Person auf einer Party, wäre er laut 43 Prozent der Befragten die extravagante Persönlichkeit im besonders auffälligen Outfit – bunt und kaum zu übersehen.
„PLAYING WITH FIRE“ (PAULA SELING & OVI, RUMÄNIEN 2010) – GEMISCHTE GEFÜHLE ZUR AUSTRAGUNG IN ÖSTERREICH
Die Tatsache, dass Österreich dieses Jahr Gastgeber des Eurovision Song Contest ist, wird von der Bevölkerung ambivalent bewertet. 37 Prozent freuen sich darüber, ein Viertel ist kritisch eingestellt (25%). Besonders bemerkenswert ist hier der Vergleich mit dem ESC 2015: Vor 11 Jahren lag die Zustimmung zur Austragung in Österreich mit 52 Prozent noch deutlich höher.
Der Eurovision Song Contest gilt zwar weiterhin als wichtige Bühne für internationale Aufmerksamkeit und Imagepflege und viele erwarten sich positive Auswirkungen für den Tourismus (70%) sowie das Ansehen Österreichs im Ausland (54%). Gleichzeitig zeigt sich eine klare Skepsis beim finanziellen Gesamtbild: Mehr als die Hälfte der Befragten glaubt, dass die Kosten des Events überwiegen werden (54%), während nur eine Minderheit einen klaren wirtschaftlichen Nutzen erwartet (17%).
„SATELLITE“ (LENA, DEUTSCHLAND 2010) – FINALE BLEIBT EIN WOHNZIMMER-EVENT
Auch wenn der ESC weltweit ein großes Event ist, bleibt das Zuschauerinteresse in Österreich begrenzt. Nur rund ein Drittel der Bevölkerung plant, zumindest eine der Live-Shows zu verfolgen. Beim Finale will rund ein Viertel mitfiebern (26%).
Wer das Finale sehen möchte, tut dies überwiegend im privaten Rahmen, etwa zuhause vor dem Fernseher oder gemeinsam mit Freunden (90%). Public Viewing (5%) oder Live-Besuche in der Wiener Stadthalle (3%) spielen im Vergleich eine deutlich kleinere Rolle.
„Der Eurovision Song Contest ist weiterhin ein globales Popkultur-Spektakel, aber längst nicht mehr für alle ein Pflichttermin. Unsere Daten zeigen, dass viele Menschen in Österreich das Event eher mit einer gewissen Distanz betrachten: man kennt es, man nimmt es wahr, aber nicht alle fiebern tatsächlich mit“, erläutert THOMAS SCHWABL, Gründer und Geschäftsführer von Marketagent.
„EIN BISSCHEN FRIEDEN“ (NICOLE, DEUTSCHLAND 1982) – POLITIK HOLT ESC EIN
Neben Unterhaltung und Musik spielen auch politische Diskussionen rund um den Eurovision Song Contest eine zunehmend sichtbare Rolle. 6 von 10 Befragten geben an, die aktuelle Debatte rund um die Teilnahme Israels zu kennen. Die Meinungen zu dieser Frage sowie zu möglichen Boykotten anderer Länder sind deutlich gespalten: Ein gutes Viertel findet es positiv, dass Israel nicht vom ESC ausgeschlossen wurde (28%). Fast genauso viele lehnen diese Entscheidung ab (26%). 46 Prozent geben sich neutral. Ähnlich zwiespältig verhält es sich mit der Bewertung des Boykotts durch andere Länder: 29 Prozent unterstützen es, dass einige Länder aufgrund dieser Thematik ihre Teilnahme zurückgezogen haben. 31 Prozent können diese Entscheidung nicht nachvollziehen.
Ein klares Ergebnis zeigt sich hingegen bei der Frage nach der politischen Neutralität des Wettbewerbs: Fast zwei Drittel der Bevölkerung halten es für unrealistisch, dass der Eurovision Song Contest tatsächlich unpolitisch bleiben kann (63%).
„Der Eurovision Song Contest versteht sich traditionell als unpolitisches Musikfestival. In der Realität zeigt sich jedoch immer öfter: Popkultur und Politik lassen sich bei einem globalen Event dieser Dimension kaum vollständig trennen“, so ANDREA BERGER, Research & Communications Manager bei Marketagent.
Marketagent.com online reSEARCH GmbH
Mag. Andrea Berger
Telefon: 02252 909 009 – 25
E-Mail: a.berger@marketagent.com
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
© Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender