Stärkung der Wettbewerbskultur: Europäische Konferenz setzt Impulse für faire Vergabeverfahren

Architekt:innen fordern im Zuge der Revision der EU-Vergaberichtlinien den Abbau innovationshemmender Hürden

Architekturwettbewerbe sind ein zentraler Hebel für Qualität, Innovation und Nachhaltigkeit in der gebauten Umwelt. Gleichzeitig erschweren strukturelle Hürden vielen Architekturbüros den Zugang zu diesen Verfahren. Die Europäische Plattform für Architekturwettbewerbe ARCH-E sowie der Architects’ Council of Europe (ACE) luden zu einer hochrangigen Konferenz in Brüssel und setzten klare Signale für Reformen. EU-Kommissar für Kultur, Glenn Micallef, unterstrich dabei die Bedeutung von Architekturwettbewerben als wesentliches Instrument zur Sicherung der Qualität der gebauten Umwelt.

EU-VERGABERECHT SOLL FAIRER WERDEN

Im Rahmen der Konferenz verabschiedeten der Architects’ Council of Europe (ACE) und die International Union of Architects (UIA) eine gemeinsame Erklärung. Darin betonen sie die zentrale Rolle von Architekturwettbewerben für Innovation, Nachhaltigkeit und Qualität und fordern die Stärkung einer fairen und offenen Wettbewerbskultur in Europa. Auch der EU-Kommissar für Kultur Glenn Micallef hob in seiner Rede die Bedeutung von Architekturwettbewerben als wesentliches Instrument zur Sicherung der Qualität der gebauten Umwelt hervor und lobte die Veranstalter:innen für ihre Initiative.

Daniel Fügenschuh, Präsident der Bundeskammer der Ziviltechniker:innen und des ACE, hat das ARCH-E-Projekt initiiert und erklärt: „Für uns Architekt:innen ist die aktuelle Überarbeitung der EU-Vergaberichtlinien ein entscheidender Moment. Es braucht einen klaren Fokus auf das Bestbieterprinzip statt auf reine Preisvergleiche. Denn die Erfahrung zeigt: Die qualitativ beste Lösung ist langfristig auch die wirtschaftlich sinnvollste. Mit der gemeinsamen Erklärung konnten wir ein wichtiges Signal senden – denn jetzt ist der Zeitpunkt, um die nächsten zehn Jahre zu gestalten!“

97% DER BÜROS STRUKTURELL BENACHTEILIGT

Die europäische Architekturlandschaft ist stark von kleinen und mittleren Unternehmen geprägt: Rund zwei Drittel aller Büros sind Ein-Personen-Unternehmen. 97 % der Architekturbüros sehen sich durch das bestehende Vergaberecht benachteiligt. Besonders betroffen sind junge, weibliche und kleine Büros. Hohe bürokratische Anforderungen und eingeschränkte Zugänge verhindern vielfach die Teilnahme und damit auch die Umsetzung innovativer Ideen – mit negativen Auswirkungen auf die Baukultur.

ARCH-E setzt genau hier an: Ziel ist eine offene und qualitätsorientierte Wettbewerbskultur. Konkret unterstützt ARCH-E Architekt:innen bei internationalen Teilnahmen durch Werkzeuge, erleichtert den Wissenstransfer zwischen europäischen Architekt:innenkammern und stärkt das Bewusstsein für die Bedeutung transparenter und fairer Verfahren auf politischer Ebene.

WETTBEWERBE BIETEN WIRTSCHAFTLICHES POTENZIAL

Das weit verbreitete Vorurteil, Architekturwettbewerbe seien teuer und ineffizient, konnte ARCH-E in seinem Whitepaper widerlegen: Die Kosten für die Durchführung eines Wettbewerbs betragen im Durchschnitt lediglich rund 0,7 % der Baukosten. Dem gegenüber stehen Einsparungen bei Errichtungs- und Folgekosten, die ein Vielfaches dieser Investition erreichen – in Österreich werden die Einsparungspotenziale auf rund 2,9 Milliarden Euro geschätzt.
Dies zeigt eindrucksvoll, dass Architekturwettbewerbe nicht nur kulturell, sondern auch ökonomisch vorteilhaft sind. Zugleich tragen offene Wettbewerbe dazu bei, Geschlechtergerechtigkeit, Innovation und nachhaltiges Bauen zu fördern – im Sinne der Ziele des New European Bauhaus und des European Green Deal.

Bundeskammer der Ziviltechniker:innen
Sarah Lex, MA
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E-Mail: sarah.lex@arching.at
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