
Wanderstart: Alpenverein warnt vor tückischen Altschneefeldern
Ausrutscher können schwerwiegende Folgen haben – sichere Tourenplanung und geeignetes Schuhwerk sind jetzt entscheidend
EIN BERGUNFALL IN DEN ALLGÄUER ALPEN HAT DIE GEFAHREN ZUM START DER WANDERSAISON ZULETZT TRAGISCH VOR AUGEN GEFÜHRT: MITTE APRIL IST EINE FRAU AM SCHARTSCHROFEN/TIROL VERMUTLICH NACH EINEM AUSRUTSCHER AUF EINEM SCHNEEFELD TÖDLICH VERUNGLÜCKT. UNFÄLLE WIE DIESER ZEIGEN, WIE TÜCKISCH DIE BEDINGUNGEN IM FRÜHJAHR SEIN KÖNNEN. INSBESONDERE ALTSCHNEEFELDER BERGEN ZU DIESER JAHRESZEIT EIN GROSSES RISIKO BEIM BERGWANDERN.
„Während im Tal bereits der Frühling eingezogen ist, finden sich in höheren Lagen sowie in schattigen Rinnen, Mulden und auf nordseitigen Hängen häufig noch vereiste Stellen und große, durchgefrorene Altschneefelder. Besonders in den Morgenstunden sind diese gefährlich glatt und pickelhart – ein Ausrutscher kann selbst bei geringer Steilheit schwerwiegende Folgen haben“, betont JÖRG RANDL, LEITER DER ABTEILUNG BERGSPORT IM ÖSTERREICHISCHEN ALPENVEREIN. Eine möglichst sichere Querung ist laut Randl nur dann denkbar, wenn die obersten zehn Zentimeter des Schnees bereits aufgeweicht sind – ohne geeignete Bergschuhe sollte ein Schneefeld jedoch keinesfalls betreten werden. Der Alpenvereinsexperte empfiehlt feste Bergschuhe mit einer guten Profilsohle, mit denen man „im Sichelschlag“ Trittkerben in den Schnee schlagen kann und an die sich bei Bedarf auch Snow Spikes, eine Art „Schneeketten“ für Wanderschuhe, gut anbringen lassen.
Im Tagesverlauf weichen Schneefelder durch Temperatur und Sonneneinstrahlung zwar auf, verlieren dadurch aber an Tragfähigkeit und können auch durchbrechen. Besonders an Übergängen zu Felsen oder in mit Schmelzwasser unterspülten Bereichen ist daher Vorsicht geboten.
Jörg Randl gibt zu bedenken: „Das Stürzen, Stolpern und Ausgleiten ist mit Abstand die häufigste Unfallursache beim Bergwandern – und neben dem Herz-Kreislauf-Versagen die zweithäufigste Todesursache.“
WORAUF BERGWANDERNDE JETZT ACHTEN SOLLTEN
Der Österreichische Alpenverein empfiehlt zum Start der Wandersaison besondere Umsicht und eine defensive Herangehensweise:
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HÖHENLAGE UND EXPOSITION BERÜCKSICHTIGEN: Südhänge sind oft früher schneefrei, nordseitige Passagen können noch winterlich sein.
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ALTSCHNEEFELDER REALISTISCH EINSCHÄTZEN: Bei kritischen Schneeverhältnissen oder unsicherem Gefühl besser umkehren.
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AUSRÜSTUNG ANPASSEN: Feste Bergschuhe mit gutem Profil sind unerlässlich, je nach Tour können zusätzlich Snow Spikessinnvoll sein.
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ERSCHWERTE ORIENTIERUNG: Markierungen können noch unter Schnee verborgen, Wege nach dem Winter beschädigt oder gar unpassierbar sein.
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Auch NASSSCHNEELAWINEN können an warmen Frühlingstagen ein Thema sein – Einzugsgebiet beachten!
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Frühjahrswanderungen verlangen alpine Erfahrung, eine defensive Routenwahl und die Bereitschaft zur Umkehr. Der Alpenverein rät insbesondere zum Saisonbeginn zu KÜRZEREN, TECHNISCH EINFACHEN UND TALNAHEN TOUREN sowie zu einer ehrlichen Selbsteinschätzung.
DIE RICHTIGE TECHNIK BEIM BEGEHEN VON SCHNEEFELDERN
Muss die Wanderung fortgesetzt werden und ist keine Umgehung möglich, spielt die richtige Technik beim Begehen von Schneefeldern eine wichtige Rolle: Eine aufrechte Haltung und ein zentraler Körperschwerpunkt können die Trittsicherheit erhöhen – außerdem empfiehlt es sich, die Schneefelder leicht ansteigend (und nicht horizontal) zu queren und den Wegverlauf entsprechend anzupassen. Wanderstöcke können zwar das Gleichgewicht unterstützen, verhindern ein Ausrutschen jedoch nicht zuverlässig.
Kommt es trotz aller Vorsicht zu einem Ausrutscher, zählt jede Sekunde: Sofortiges Drehen in die Bauchlage und aktives Bremsen mit Armen und Beinen – ähnlich einer Liegestützposition – können entscheidend sein, um einen unkontrollierten Absturz zu verhindern.
GUTE PLANUNG IST DER SCHLÜSSEL ZUM ERFOLG
Der Alpenverein rät zu gründlicher Tourenplanung, da Schneeverhältnisse je nach Höhenlage und Exposition stark variieren können. Aktuelle Informationen liefern Webcams und Tourenportale wie alpenvereinaktiv.com. Bei Ausflügen mit Kindern ist besondere Vorsicht geboten: Nur mit moderater Neigung und einem sanften, steinlosen Auslauf sind Schneefelder ein geeigneter Spielplatz.
Um bestmöglich auf alpine Gefahren beim Wandern vorbereitet zu sein, empfiehlt der Österreichische Alpenverein seine VIDEOSERIE „SICHER BERGWANDERN“. Alle Hinweise zur richtigen Technik und insbesondere zum richtigen Equipment beim Überqueren von Schneefeldern zeigt das Video „Vorsicht, Altschneefelder!“. Hilfreich sind auch das Booklet zum Thema Bergwandern, zu finden im Alpenvereinsshop unter www.alpenverein.at/shop, sowie die ebenso dort erhältlichen Spikes.
WEITERE INFORMATIONEN:
* SOMMER UPDATE: LIVE-VORTRAG DES ALPENVEREINS mit Blick auf die sicherheitsrelevanten Themen in der Sommersaison. Am 22. Mai im Haus der Musik in Innsbruck (Link)
* SICHERAMBERG: GEBALLTES WISSEN FÜR BERGSPORTLER:INNEN www.alpenverein.at/sicheramberg
Österreichischer Alpenverein
Mag.(FH) Monika Melcher
E-Mail: presse@alpenverein.at
Website: https://www.alpenverein.at
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