
Belvedere: IM BLICK: Johann Baptist Lampi der Ältere und der Jüngere. Übermalt und freigelegt
Die Ausstellung im Oberen Belvedere zeigt auf, wie Übermalungen die Bedeutung von Kunstwerken grundlegend verändern können – 13. Mai bis 11. Oktober 2026
WAS HABEN EIN KLASSIZISTISCHES FAMILIENPORTRÄT UND EINE MYTHOLOGISCHE DARSTELLUNG DER VENUS AUS DER BIEDERMEIERZEIT GEMEINSAM? SOWOHL DAS BILDNIS DER CAROLINE UND DES VIKTOR VON TOMATIS VON JOHANN BAPTIST LAMPI D. Ä. (1751 ROMENO – 1830 WIEN) ALS AUCH DAS GEMÄLDE _DIE SCHLAFENDE VENUS VOR DEM SPIEGEL MIT DEM AMOR_ VON DESSEN SOHN JOHANN BAPTIST LAMPI D. J. (1775 TRIENT – 1837 WIEN) WURDEN ÜBERMALT. MITTELS DER ERGEBNISSE RESTAURATORISCHER SOWIE KUNSTHISTORISCHER UNTERSUCHUNGEN ZEICHNET DIE AUSSTELLUNG IN DER REIHE _IM BLICK_ NACH, WELCHE FOLGEN DIES FÜR DIE WERKE ZWEIER KÜNSTLER HATTE.
Generaldirektorin Stella Rollig: Die Schau eröffnet anhand zweier Werke aus der Belvedere-Sammlung neue Perspektiven auf die OEuvres von Johann Baptist Lampi d. Ä. und Johann Baptist Lampi d. J. Die wechselvolle Geschichte dieser übermalten Gemälde zeigt, wie sich sowohl ihre formale Erscheinung als auch ihre inhaltliche Aussage im Laufe der Zeit verändert haben. Zugleich macht die Ausstellung deutlich, dass unser heutiges Verständnis vom Umgang mit Kunst – geprägt von den Prinzipien der Denkmalpflege und dem Ideal der Originalität – historisch gewachsen ist und sich erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zu etablieren begann.
Johann Baptist Lampi d. Ä. schuf 1788/89 in Warschau mehrere Porträts der Familie Tomatis. Die aus Mailand stammende Tänzerin Catarina, geb. Filipazzi, war gemeinsam mit dem Unternehmer Carlo Tomatis 1765 in die polnische Hauptstadt gezogen. Eines der drei Bildnisse zeigt zwei Kinder des Paares, Caroline und Viktor, zwischen denen eine Büste positioniert ist. Diese stellte sich bei einer Durchleuchtung mit Röntgen- und Infrarotstrahlung im Jahr 2016 als Übermalung heraus. Unter der Büste befindet sich die Figur der Mutter Catarina, die ihre Kinder umarmt, verborgen. Anhand von weiteren Bildnissen und Archivalien wird in der Ausstellung die Geschichte der Familie Tomatis erzählt.
Vom Gemälde _Venus, auf einem Ruhebett schlafend_ von Johann Baptist Lampi d. J. wurden 2022 ebenfalls Infrarot- und Röntgenaufnahmen gemacht. Diese zeigen einen Amor, der unter einer schwarzen Fläche verborgen lag. Der mythologische Gehalt geriet durch die Auslöschung des Liebesgottes in den Hintergrund, sodass das Werk im 20. Jahrhundert in zwei Salzburger Heimatromanen als Porträt der Emilie Victoria Kraus, einer Geliebten Napoleons, gedeutet wurde. Gerade durch diese Missinterpretation erlangte das Gemälde eine große Popularisierung, die bis nach Paraguay ausstrahlte. Erstmals wird nun das Bild nach der 2024 erfolgten Freilegung des Amors unter dem Originaltitel der Öffentlichkeit präsentiert.
Die Geschichte dieser beiden Gemälde zeigt, wie spannend kunsthistorische Forschung sein kann. Durch die Übermalungen geriet der originale Bildinhalt in Vergessenheit, was zu Fehldeutungen führte. Erstmals wurde im deutschsprachigen Raum die Geschichte der Familie Tomatis im Kontext des Familienporträts umfassend untersucht, während bei der Darstellung der Venus lang tradierte Mythen kritisch hinterfragt und widerlegt wurden. Zugleich offenbart der Vergleich beider Werke auch im Hinblick auf ihre Entstehungs- und Auftragskontexte die tiefgreifenden Umbrüche der Epoche, in der sich der Übergang von einer feudalen zu einer bürgerlichen Gesellschaft vollzog, so Kuratorin Katharina Lovecky.
Die Ausstellung legt die Bedeutungsschichten zweier Gemälde frei, die durch Übermalungen verborgen waren. Zu sehen ist dabei, dass der Sinngehalt von Werken äußerst wandelbar sein kann, sobald diese das Atelier verlassen. So wurde aus einem Familienporträt, das die Zuneigung einer Mutter zu ihren Kindern verdeutlichte, ein Memorial und aus einer idealen Venus das Bildnis einer Salzburger Lokalberühmtheit.
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