
Schönborn an Politik: „Entdramatisieren, Humor, nicht zurückschlagen“
Wiener Kardinal Hauptredner beim Internationalen Parlamentarischen Gebetsfrühstück mit über 50 Abgeordneten aller politischen Parteien
Kardinal Christoph Schönborn hat beim 9. Internationalen Parlamentarischen Gebetsfrühstück am Dienstagvormittag im Parlament das Wirken von Politikern gewürdigt. „Es ist schwierig, über Politik zu reden, weil Politiker eine schwierige Aufgabe haben“, sagte der frühere Wiener Erzbischof als Impuls-Vortragender beim Gebetsfrühstück. In Anlehnung an den Europapolitiker Robert Schuman könne er der Politik dennoch drei Haltungen ans Herz legen: „Entdramatisieren, Humor bewahren und die Schläge, die man bekommt, nicht erwidern.“ Vor über 50 Abgeordneten aller politischen Parteien und insgesamt über 300 Teilnehmenden plädierte der Kardinal auch dafür, sich an der Zusage Jesu „Die Wahrheit wird euch frei machen“ zu orientieren.
Entdramatisieren dürfe nicht mit Kleinreden oder Verharmlosen verwechselt werden. „Wir leben in echten Dramen, etwa im Blick auf den Sudan, wo sich derzeit laut UNO die größte humanitäre Katastrophe ereignet, oder im Blick auf die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten“, so Schönborn. Entdramatisieren angesichts dieser Dramen bedeute, „genau hinzuschauen und zu differenzieren“, um „eine langfristige Perspektive mit Tiefendimension“ zu bekommen. Aus der Sicht des Glaubens gäbe es die grundlegende Erfahrung, „Gott ist da, er verlässt uns nicht“. Die Bibel könne als ein „Drama von Gott und Mensch“ verstanden werden, getragen von der Einsicht, „dass Gott der Herr der Geschichte ist und wir in diese Geschichte hineingenommen sind und mitwirken“.
Gemeinsam lachen
„Es wäre gut, wenn man im Parlament gemeinsam lachen kann“, riet der Kardinal den anwesenden Mandataren zu. Humor sei auch ein wichtiges Korrektiv, weil er „hilft, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen“. Theologisch sei nicht klar, wie es Jesus mit dem Humor gehalten habe. Einige seiner Gleichnisse könnten zumindest ironisch gedeutet werden. „Humor und Ironie gehen zusammen, wenn sie nicht auf Kosten anderer gehen und wenn die Würde gewahrt wird“, so Schönborn.
Nicht zurückzuschlagen, wenn man Schläge erhält, sei sicher die „anspruchsvollste Haltung“, das hätten ihm schon etliche Politiker bestätigt, so Schönborn weiter. „Nicht zurückzuschlagen ist aber sehr vernünftig, denn das Zurückschlagen perpetuiert die Konflikte“, gab der Kardinal zu bedenken. Österreich habe die bewährte politische Tradition, sich an den Tisch zu setzen und auszureden. „Man muss im Gespräch bleiben.“
Am Ende seines Impulses erinnerte der Kardinal an den Staatsakt „Geste der Verantwortung“ mit zahlreichen Missbrauchsbetroffenen am 17. November 2016 im Parlament. Er habe damals als Vertreter der Kirche um Vergebung gebeten und gleichzeitig betont, dass die Würde eines Menschen durch Missbrauchserfahrungen zwar verletzt, aber nie genommen werden könne. Es gelte immer, sich für die Würde des Menschen einzusetzen und sich an den Worten Jesu „Die Wahrheit wird euch frei machen“ zu orientieren, so der Kardinal an die politisch Verantwortlichen.
Im Parlament in Wien gibt es seit 1981 regelmäßige kleinere Treffen von Abgeordneten zum Austausch und Gebet, bei denen seit 2016 alle Fraktionen vertreten sind. Sie treffen sich dazu in der Regel monatlich vor den Plenarversammlungen des Nationalrats. Bekanntheit erlangte diese interreligiöse und fraktionsübergreifende Initiative in Österreich, die seit über 60 Jahren in den USA praktiziert wird, durch das erste nationale und öffentliche Gebetsfrühstück 2017 im Parlament in Wien.
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