Prozess im Fall „Spiridon II“: Keine Einigung vor dem Landesgericht Krems – Verhandlung vertagt

Nach gescheitertem Export von knapp 3.000 Rindern streiten türkische Importeure und der Waldviertler Viehhändler Christian Klinger um eine Rückzahlung von 1,8 Mio. Euro.

IM ZIVILVERFAHREN RUND UM DEN TIERTRANSPORT DER „SPIRIDON II“ IST ES AM FREITAG VOR DEM LANDESGERICHT KREMS ZU KEINER EINIGUNG GEKOMMEN. DIE VERHANDLUNG WURDE VERTAGT. EIN NEUER, VORAUSSICHTLICH GANZTÄGIGER TERMIN WURDE FÜR MITTE NOVEMBER ANGESETZT. DANN SOLLEN AUCH MEHRERE ZEUGEN AUS DER TÜRKEI EINVERNOMMEN WERDEN.

Türkische Rinderimporteure klagen gegen den Waldviertler Viehhändler Christian Klinger bzw. dessen Firma Agro Breeding GmbH aus Jagenbach. Die Kläger fordern die Rückzahlung einer Anzahlung in Höhe von 2,1 Millionen US-Dollar, umgerechnet rund 1,8 Millionen Euro. Sie werfen Klinger vor, sie im Zusammenhang mit dem gescheiterten Transport von knapp 3.000 Rindern aus Uruguay in die Türkei getäuscht und finanziell geschädigt zu haben.

Richter Mag. Marvan stellte in der Verhandlung vor allem die Frage in den Mittelpunkt, wem der Zustand der Tiere zuzurechnen ist, der sich bei der Ankunft in der Türkei zeigte: Waren die Probleme bereits bei der Verladung in Uruguay angelegt, entstanden sie während der Überfahrt? Die Kläger sehen die Verantwortung klar auf der Seite Klingers.

Klinger wies alle Vorwürfe der Kläger vor Gericht zurück. Sein Verteidiger argumentierte, das Risiko sei mit dem Versand auf die Käufer übergegangen. Zudem hätten diese den späteren Versand akzeptiert. Nach seiner Darstellung seien alle Ohrmarken vorhanden gewesen und der Transport sei unproblematisch verlaufen. Erst die unerwartet lange Wartezeit vor der Türkei habe zu den späteren Problemen geführt, da das Schiff für eine derart lange Blockade nicht ausgelegt gewesen sei. Dass es nachgewiesenermaßen bereits auf der Überfahrt zu dutzenden Todesfällen und 140 Geburten an Bord gekommen war, spielte vor Gericht zunächst jedoch keine Rolle.

Die Klägerseite hielt dem entgegen, das Schiff sei für den Transport generell ungeeignet gewesen. Zudem sei einem von den Importeuren beauftragten Tierarzt der Zugang zum Schiff verweigert worden – was Klinger bestritt.

Internationale Bekanntheit erlangte der Fall durch die wochenlange Blockade des Tiertransportschiffs vor der türkischen Küste. Die Rinder waren im Herbst 2025 in Uruguay verladen worden und sollten in die Türkei importiert werden. In der Türkei verweigerten die Behörden schließlich die Einfuhr, weil laut türkischen Behörden hunderte Tiere nicht auf der offiziellen Importliste standen oder nicht eindeutig identifizierbar waren. Hunderte Tiere starben, hochträchtige Tiere brachten unter prekären Bedingungen Kälber zur Welt.

Die ANIMAL WELFARE FOUNDATION und THE MARKER, die den Transport damals öffentlich gemacht hatten, sehen in dem Fall eine zentrale Lücke im internationalen Lebendtierhandel: Während die Importeure ihren wirtschaftlichen Schaden vor Gericht geltend machen können, läuft das Leid der Tiere rechtlich ins Leere: Die Tiere wurden in Uruguay verladen, organisiert wurde der Transport aus Österreich, Ziel war die Türkei. Das Schiff fuhr unter der Flagge Togos; betrieben wurde es von einem Unternehmen mit Sitz im Libanon, während die formelle Eigentümerfirma in Honduras registriert ist.

„Vor Gericht ging es heute vor allem darum, wann das finanzielle Risiko von Verkäufer auf Käufer übergeht. Auch bei der nächsten Verhandlung wird es keine Rolle spielen, dass tausende Tiere wochenlang auf einem Schiff festsaßen. Der Fall „Spiridon II” zeigt, dass mögliche Tierschutzvergehen bei Schiffstransporten nicht verfolgt werden können.“, sagt Ann-Kathrin Freude von The Marker.

„Aktuell sind Tiere bei Tiertransporten per Schiff nicht geschützt. Immer wieder gibt es Fälle von großem Tierleid bei diesen grausamen Transporten – und die Verantwortlichen schieben sich gegenseitig die Schuld zu. Genau deshalb braucht es endlich verbindliche Tierschutzstandards, an die sich alle Beteiligten halten müssen. Gerade in diesem undurchsichtigen Geschäft“, sagt Maria Boada Saña, Projektleiterin Tiertransporte per Schiff bei der Animal Welfare Foundation.

Auch Österreich ist Teil dieses Systems. Die Firma Agro Breeding hat in der Vergangenheit selbst Rinder aus Österreich per Schiff in Drittstaaten exportiert, darunter nach Algerien. EU-weit werden jährlich rund drei Millionen Tiere per Schiff exportiert. Immer wieder kommt es dabei zu schweren Vorfällen, bei denen Tiere leiden oder sterben.

The Marker – Verein für Publikationen zu Tier- und Umweltschutz
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