Budget 2027/28: Real sinkende Mittel bei steigender Langzeitbeschäftigungslosigkeit, die in der Mitte der Gesellschaft ankommt

Erste Einordnung nach der Budgetrede: Real sinkende Budgetmittel für die aktive Arbeitsmarktpolitik, während Langzeitbeschäftigungslosigkeit die Mitte der Gesellschaft erreicht.

Die Entwicklung der vergangenen Monate setzt sich fort: Im Mai 2026 sind 102.788 Arbeitslose auch langzeitbeschäftigungslos, das ist mehr als jede dritte arbeitslose Person, und der Anstieg ist mit +13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ungebrochen hoch. In der Budgetrede zum Doppelbudget 2027/28 war von zusätzlichen Mitteln und von Stabilität für die Arbeitsmarktpolitik die Rede. arbeit plus – Soziale Unternehmen Österreich ordnet diese ersten Aussagen ein.

„Während in der Budgetrede von zusätzlichen Mitteln für die Arbeitsmarktpolitik gesprochen wird, erreichen uns von unseren Mitgliedern aus den Bundesländern reale Kürzungen der Angebote bis hin zu Schließungen, wie etwa in Kärnten oder in Oberösterreich“, sagt Sabine Rehbichler, Geschäftsführerin von arbeit plus.

LANGZEITBESCHÄFTIGUNGSLOSIGKEIT IST IN DER MITTE DER GESELLSCHAFT ANGEKOMMEN

„Kürzungen, wie sie jetzt bereits in vielen Bundesländern kommuniziert wurden, sind massive Einschnitte in Strukturen, die erfolgreich aufgebaut wurden und an denen wichtige Angebote und auch viele Arbeitsplätze hängen. In einer krisenbehafteten Zeit wird das Spiel mit der vermeintlichen Stabilität zu einem Spiel mit der Zukunft von immer mehr Menschen“, schließt Rehbichler.

Der Anstieg in den Arbeitslosenzahlen zeigt eine Verfestigung, die sich seit Jahren aufbaut. Seit 2009 hat sich die Zahl der langzeitbeschäftigungslosen Arbeitslosen verdreifacht, und auch gegenüber dem Tiefpunkt nach den Corona-Jahren liegt sie deutlich höher. Mit der Verfestigung steigt die durchschnittliche Vormerkdauer, zuletzt auf 231 Tage, das sind 24 Tage mehr als noch vor einem Jahr. Eines bleibt unverändert: Je länger die Arbeitslosigkeit andauert, desto schwerer wird der Weg zurück in Erwerbsarbeit.

Entgegen dem im öffentlichen Diskurs gezeichneten Bild ist Langzeitbeschäftigungslosigkeit im Jahr 2026 nicht nur mehr ein Thema von Randgruppen. Deutlich wird das am Risikofaktor Ausbildung: Während der Anteil jener mit höchstens Pflichtschulabschluss mit 48 Prozent zwar weiterhin sehr hoch ist, zeigt sich ein Anstieg jener von Langzeitbeschäftigungslosigkeit betroffenen Arbeitslosen mit Matura oder akademischem Abschluss von 14,1 Prozent (Mai 2009) auf 22,1 Prozent (Mai 2026). Bei den Akademikerinnen und Akademikern stieg die Zahl der Betroffenen zuletzt um 26,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr, der stärkste Anstieg aller Bildungsgruppen.

MEHR BETROFFENE, WENIGER MITTEL

Vor diesem Hintergrund ist die Aussage zur Stabilität des Budgets in der aktiven Arbeitsmarktpolitik einzuordnen und zu hinterfragen. Denn inflationsbereinigt und gemessen an der Zahl der Arbeitslosen stehen pro Kopf so wenige Mittel zur Verfügung wie seit Jahren nicht.

„Das reale Pro-Kopf-Förderbudget befindet auf einem historischen Tiefstand. Steigende Arbeitslosenzahlen mit zunehmender Verfestigung und die anhaltend hohe Inflation lässt es selbst bei stabil bleibenden Mittel weiter sinken,“ so Rehbichler. Wichtig sei, so betont sie, dass das Abweichen von der bisher in Österreich gepflogenen und wirkungsvollen antizyklischen Arbeitsmarktpolitik uns später ein Vielfaches kosten werde. „Bei gleichzeitigem Jammern über fehlende Fachkräfte ist es ein verfehltes Framing, mit Langzeitfolgen für die Kaufkraft und die Wirtschaft insgesamt“, so Rehbichler.

WAS JETZT AUF DEM SPIEL STEHT

Kürzungen in den Strukturen der aktiven Arbeitsmarktpolitik bedeuten Kürzungen bei den Sozialen Unternehmen, die bisher genau jene Räume schaffen, die Menschen brauchen, um am Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen. Sie erleichtern den Berufs(wieder-)einstieg, führen mittels Qualifizierungsprogrammen aus der Langzeitbeschäftigungslosigkeit und stärken Menschen darin, ihren Platz in Beschäftigung und Gesellschaft zu finden. Das ist ein soziales und demokratiepolitisches Thema.

„Mit der finalen Mittelzuordnung in der Arbeitsmarktpolitik im Doppelbudget 2027/28 wird entschieden, ob das so bleibt. Denn jede Budgetentscheidung hat, wie wir wissen, Auswirkungen, die weit über den Arbeitsmarkt hinausreichen. Sie sind direkte bis indirekte Einsparungen für die aktive Arbeitsmarktpolitik. Ob wir uns das als Gesellschaft leisten können, die für Demokratie steht? Ich denke nein. Schlussendlich muss diese Frage die Politik durch ihr Handeln beantworten“, betont Vollmann.

„Kürzungen, wie sie jetzt bereits in vielen Bundesländern kommuniziert wurden, sind massive Einschnitte in Strukturen, die erfolgreich aufgebaut wurden und an denen wichtige Angebote und auch viele Arbeitsplätze hängen. In einer krisenbehafteten Zeit wird das Spiel mit der vermeintlichen Stabilität zu einem Spiel mit der Zukunft von immer mehr Menschen“, schließt Rehbichler.

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Eva Winterer
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