Stahlbauverband: Wie soll ein gefällter Baum dem Klima mehr nützen als ein lebender?

Nicht der Schutz der Wälder steht im Zentrum von Minister Totschnigs Resilienz-Fonds, sondern die Förderung der Holzwirtschaft. Österreichs Wälder werden bereits am Limit genutzt.

_„Im gestrigen ZIB2-Interview betonte Norbert Totschnig, dass Klimaschutz die Aufgabe aller sei. Genau deshalb sollte auch der Umweltminister ins Handeln kommen und klimaschädliche Fehlanreize beseitigen“,_ sagt Georg Matzner, Geschäftsführer des Österreichischen Stahlbauverbandes. „Wer Klimaschutz ernst nimmt, kann nicht gleichzeitig zusätzliche Holzentnahme mit Steuergeld fördern.“

Für den Waldteil des neuen steuerfinanzierten Resilienz-Fonds sind bis 2032 insgesamt 54 Mio. Euro vorgesehen. Davon fließen 50,76 Mio. Euro in Förderungen, weitere 3,24 Mio. Euro in die Förderabwicklung. Die Auszahlungen sollen zwischen 2027 und 2032 erfolgen. Als künftige Förderschwerpunkte werden die Stärkung von Klimafitness, Resilienz und Biodiversität der Wälder sowie die Verwendung von Holz als Baustoff genannt. Genau hier sieht der Stahlbauverband einen grundlegenden Widerspruch.

EIN LEBENDER BAUM SPEICHERT CO₂ – EIN GEFÄLLTER NICHT

_„Der Resilienz-Fonds von Minister Norbert Totschnig beruft sich auf Biodiversitäts- und Naturschutzziele und fördert zugleich den mehrgeschossigen Holzbau – also die zusätzliche Nutzholzentnahme. Das muss man erklären: Wie soll ein gefällter Baum dem Klima mehr nützen als ein Baum, der weiter im Wald wächst, CO₂ bindet und zur Kühlung des Ökosystems beiträgt?“_, fragt Georg Matzner, Geschäftsführer des Stahlbauverbandes.

Wie problematisch diese Förderlogik ist, zeigen zudem die aktuellen Klimadaten deutlich.

ÖSTERREICH NUTZT SEINEN WALD AM LIMIT

Laut der Treibhausgasinventur 2025 sind Österreichs Wälder von einer CO₂-Senke zu einer CO₂-Quelle geworden. Während die Senkenleistung zwischen 2016 und 2018 noch im Schnitt 4,8 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr betrug, weist der Sektor mittlerweile zusätzliche Emissionen von 8,0 Millionen Tonnen CO₂ aus. Hauptursachen dafür sind hohe Nutzholzeinschläge sowie große Mengen an Schadholz. Österreich nutzt seine Wälder damit über die Grenzen der Nachhaltigkeit hinaus. „_Der Landwirtschaftsminister spricht von resilienten Wäldern, fördert aber weiterhin deren Ausbeutung. Das ist kein Waldschutz, sondern ein Widerspruch mit Ansage_“, sagt Matzner.

Österreich droht zudem ein EU-Vertragsverletzungsverfahren, da die verbindlichen Klimaziele der LULUCF-Verordnung nach jetzigen Prognosen verfehlt werden und damit Strafzahlungen in Milliardenhöhe drohen.

KLIMASCHUTZ BRAUCHT FAIRE REGELN – KEINE VERZERRTEN ÖKOBILANZEN

Hinzu kommt: Holz weist im Wohnbau vor allem deshalb eine positive Ökobilanz auf, weil bei der Materialbewertung in Österreich nur die Herstellungsphase betrachtet wird – also der Zeitraum von der Wachstumsphase im Wald bis zur Verarbeitung im Werk. Das sieht auf dem Papier gut aus, löst aber das Klimaproblem nicht. Eine seriöse Bewertung muss den gesamten Lebenszyklus erfassen. Würden auch Transport zur Baustelle, Montage, Rückbau sowie das Lebensende des Baustoffs – etwa Downcycling zu Spanplattenrohstoff, Verbrennung oder Deponierung – einbezogen, fiele die Bilanz deutlich differenzierter aus. Denn je stärker Holz industriell veredelt wird, desto mehr wird es zum Verbundwerkstoff – und desto aufwendiger, energieintensiver und klimapolitisch problematischer ist seine Entsorgung.

_„Es ist ein Hohn, dass ausgerechnet der mehrgeschossige Holzbau nun mit Steuergeld aus dem neuen Resilienz-Fonds gefördert werden soll. Gerade in diesem Bereich führen Brandschutzauflagen häufig zu chemischen Behandlungen, Beschichtungen und Einhausungen, etwa durch Gipskartonsysteme. Am Ende der Lebensdauer muss dieses nicht recyclebare Holz-Baumaterial deponiert oder unter hohem Energieeinsatz verbrannt werden. Von klimafreundlicher Kreislaufwirtschaft kann hier keine Rede sein“_, sagt Georg Matzner.

RESILIENZFONDS ODER ABSATZFONDS FÜR DIE HOLZWIRTSCHAFT?

_„Deshalb fordern wir, die wettbewerbsverzerrende Holzbauförderung zu beenden und aus dem Budgetbegleitgesetz (WWRG) 2027–28 zu streichen. Klimaschutz, Waldschutz und Wirtschaftsförderung müssen klar voneinander getrennt werden. Öffentliche Mittel dürfen nicht dazu verwendet werden, einzelne Baustoffe zulasten anderer zu bevorzugen_“, so Matzner.

Der Stahlbauverband stellt zudem die Frage, warum Steuerzahlerinnen und Steuerzahler einspringen sollen, wenn börsennotierte Immobilienentwickler ihre Wohnbauprojekte errichten. Wer Nachhaltigkeit ernst nimmt, muss faire Regeln für alle Baustoffe schaffen – und darf nicht einzelne Branchen mit öffentlichen Mitteln bevorzugen. Der Resilienzfonds wird so zum Absatzfonds für die Holzbauwirtschaft – bezahlt vom Steuerzahler und zulasten eines fairen Wettbewerbs am Bau.

Österreichischer Stahlbauverband
Dipl. Ing. Georg Matzner
Telefon: + 43 (0)1 503 94 74
E-Mail: georg.matzner@stahlbauverband.at

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