
Solidarität Israel: Anonyme Denunziationen an der Uni Innsbruck
Universität Innsbruck muss jüdische Lehrende vor antisemitischer Einschüchterung schützen – Vorgänge rund um Rektorats-Hearing von Univ.-Prof. Ivo Hajnal sind alarmierend
Die Initiative Solidarität Israel zeigt sich zutiefst besorgt über die Vorgänge rund um das Hearing von Univ.-Prof. Dr. Ivo Hajnal im Auswahlverfahren für das Rektorat der Universität Innsbruck. Im Zuge des Hearings am 17. Juni wurde unter den Anwesenden ein anonymes Flugblatt verteilt, das sich persönlich gegen Hajnal als Juden richtet, sein Engagement für akademische Kooperationen mit Israel zum Angriffspunkt macht und die Universität auffordert, die Zusammenarbeit mit israelischen Institutionen zu beenden. Auch jetzt, nachdem Hajnal seine Bewerbung zurückzog, wird die Hetzkampagne gegen ihn fortgesetzt. Eine Reaktion der Universität auf diese Vorgänge ist bislang ausständig.
„Eine Universität, die jüdische Lehrende oder Israel-verbundene Wissenschaftler nicht entschlossen vor aktivistischer Einschüchterung schützt, gefährdet nicht nur einzelne Personen. Sie gefährdet die Freiheit der Wissenschaft selbst. Wer Antisemitismus als bloßen Angriff auf Kandidaten verharmlost, benennt das Problem nicht, sondern weicht ihm aus“, erklärt Solidarität Israel. „
Die Methoden seien ebenso bekannt wie durchsichtig: Zuerst werden Menschen mit den schwerstmöglichen Vorwürfen angegriffen, anschließend wird jede sachliche Diskussion durch moralische Vorverurteilung erstickt. Wer widerspricht, wird ausgegrenzt. Jene, die hier einen Wissenschaftler aufgrund seiner Zusammenarbeit mit israelischen Institutionen diskreditieren wollen, bekämpfen keine Diskriminierung, sie selbst betreiben Diskriminierung. Opfer sind schließlich nicht nur die persönlich betroffenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Das Klima des Hasses und der Einschüchterung geht zulasten der Freiheit von Forschung und Lehre für alle.
Genau solche Diffamierungs- und Ausgrenzungskampagnen dürfen an einer Universität in Österreich keinen Platz haben, so Solidarität Israel. Besonders schwer wiegt nach Ansicht der Initiative, dass die Universität Innsbruck zunächst offenbar keine klare, zeitnahe und ausdrücklich auf Antisemitismus bezogene Reaktion gesetzt hat. Prof. Hajnal zog seine Bewerbung am 22. Juni zurück und verwies dabei auf das aus seiner Sicht antisemitische Flugblatt sowie auf das Ausbleiben einer angemessenen institutionellen Reaktion.
Die Vorgänge an der Universität Innsbruck werfen grundlegende Fragen auf: Können jüdische Lehrende an österreichischen Universitäten noch darauf vertrauen, dass sie bei antisemitischer Agitation institutionellen Schutz erfahren? Werden Boykottkampagnen gegen akademische Kooperationen mit Israel künftig als legitim erachtet? Und sind Universitätsleitungen bereit, israelbezogenen Antisemitismus klar zu erkennen, zu benennen und zu unterbinden?
„Es ist völlig inakzeptabel, israelische Universitäten pauschal zu delegitimieren, akademische Kooperationen mit Israel zu bekämpfen und einzelne Wissenschaftler wegen ihres Israel-Engagements an den Pranger zu stellen. Das ist keine legitime Kritik, sondern Teil einer Boykott- und Einschüchterungskampagne, die jüdisches Leben und israelbezogene Wissenschaft aus dem akademischen Raum drängen will.“
Besonders alarmierend sei, dass auch nach dem Rückzug Hajnals eine Kundgebung gegen ihn in Innsbruck durchgeführt wurde. Damit setze sich die Kampagne gegen eine Einzelperson fort, obwohl der konkrete Anlass des Auswahlverfahrens bereits weggefallen ist.
Solidarität Israel fordert daher eine vollständige Aufklärung der Vorgänge durch die Universität Innsbruck, eine klare öffentliche Benennung des antisemitischen Charakters der Kampagne sowie verbindliche Standards für den Umgang mit antisemitischen Vorfällen im österreichischen Hochschulbereich.
„Universitäten sind Orte der Erkenntnis, nicht der Gesinnungskontrolle. Sie dürfen sich nicht von anonymen Denunzianten vorschreiben lassen, mit wem ihre Wissenschafter forschen und wer für Führungsaufgaben geeignet ist. Eine freie Universität sollte auf derartige Ansinnen nur eine Antwort kennen: Nein!“
Daniel Kapp
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