OPSY bringt psychosoziale Hilfe dorthin, wo junge Menschen sind

Verein Wiener Jugendzentren und PSD-Wien ziehen positive Bilanz: 874 Jugendliche erreicht – niederschwellige Beratung stärkt Vertrauen

Psychosoziale Unterstützung muss auch leicht erreichbar sein – ohne komplizierte Anmeldung, ohne lange Wege und möglichst dort, wo junge Menschen ihren Alltag verbringen. Genau hier setzt OPSY – Offene Psychologie in Wiener Jugendzentren an: Klinische Psycholog*innen des PSD-Wien sind regelmäßig direkt in Einrichtungen des Vereins Wiener Jugendzentren präsent. Jugendliche ab 14 Jahren können die Beratung freiwillig, kostenlos, auf Wunsch anonym und ohne vorherige Terminvereinbarung in Anspruch nehmen.

„Jugendzentren sind Orte, die junge Menschen freiwillig besuchen und an denen über längere Zeit tragfähige Beziehungen und Vertrauen entstehen. OPSY bringt professionelle psychologische Unterstützung genau in dieses vertraute Umfeld. Die Jugendlichen entscheiden selbst, ob und wann sie ein Gespräch führen möchten. Diese Freiwilligkeit und Selbstbestimmung sind zentrale Erfolgsfaktoren“, sagt Manuela Smertnik, Geschäftsführerin des Vereins Wiener Jugendzentren. „Die Zusammenarbeit zeigt, wie viel erreicht werden kann, wenn Offene Jugendarbeit und klinisch-psychologische Kompetenz ihre jeweiligen Stärken bündeln.“

REGELMÄSSIGE PRÄSENZ SCHAFFT VERTRAUEN

„Gute psychosoziale Versorgung wartet nicht, bis Belastungen zu akuten Krisen werden. Sie setzt frühzeitig an und geht dorthin, wo die Menschen sind“, erklärt Ewald Lochner, Koordinator für Psychiatrie, Sucht- und Drogenfragen der Stadt Wien. „Bei OPSY müssen junge Menschen nicht zuerst den Weg in ein für sie möglicherweise fremdes Hilfesystem finden – die Unterstützung kommt zu ihnen. Wenn weiterführende Hilfe notwendig ist, kann gleichzeitig rasch und gezielt in die passende Versorgung vermittelt werden. Das ist Prävention, frühe Unterstützung und integrierte Versorgung in der Praxis.“

Seit dem Start des Angebots wurden 874 unterschiedliche Jugendliche erreicht und 970 Kontakte dokumentiert. Die durchschnittliche Gesprächsdauer von rund 35 Minuten zeigt, dass aus niederschwelligen Erstkontakten häufig vertiefende Beratungen entstehen. Besonders aussagekräftig ist, dass durchschnittlich 83 Prozent der Kontakte von den Jugendlichen selbst initiiert wurden. Nur ein kleiner Teil kam durch Freund*innen oder Mitarbeiter*innen der Jugendzentren zustande.

Auch die zunehmende Bereitschaft, sich auf ein Beratungsgespräch im geschützten Rahmen einzulassen, ist deutlich erkennbar: Der Anteil formeller Beratungskontakte stieg von 59 Prozent im Jahr 2024 auf 70 Prozent im Jahr 2026. Gleichzeitig konnten allein im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 56 Jugendliche an Ambulatorien oder andere weiterführende soziale und psychosoziale Angebote angebunden werden.

PSYCHOLOGISCHE HILFE WIRD SELBSTVERSTÄNDLICH

Die Idee für das Projekt kam von den Jugendlichen selbst: Ein Besucher des Jugendzentrums Marco Polo in Floridsdorf brachte den Wunsch nach psychologischer Beratung in Einrichtungen der Offenen Jugendarbeit bei der Wiener Kinder- und Jugendmillion ein. Der Vorschlag wurde vom PSD-Wien gemeinsam mit dem Verein Wiener Jugendzentren aufgegriffen und im Februar 2024 zunächst in Floridsdorf umgesetzt. Aufgrund der positiven Erfahrungen wurde OPSY anschließend über den Bezirk hinaus weiterentwickelt.

Die Wirkung von OPSY geht über die einzelnen Beratungsgespräche hinaus. Durch die regelmäßige Anwesenheit der Psycholog*innen entstehen auch im offenen Betrieb alltägliche Begegnungen. Jugendliche erleben, dass Gleichaltrige psychologische Unterstützung selbstverständlich in Anspruch nehmen. Dadurch werden Berührungsängste und Vorurteile abgebaut und psychische Gesundheit wird innerhalb der Peergruppen zunehmend offen thematisiert. Die Verschwiegenheit, fachliche Unabhängigkeit und wertschätzende Haltung der Psycholog*innen schaffen dabei einen besonders geschützten und vertrauensvollen Rahmen.

Das Angebot erreicht zudem Personengruppen, die in klassischen Versorgungsstrukturen häufig schwerer anzusprechen sind. Rund drei Viertel der formellen Beratungsgespräche werden mit Burschen und jungen Männern geführt. Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitforschung zeigen zugleich, dass die Jugendlichen besonders das Vertrauen, die Verschwiegenheit, die unmittelbare Entlastung und den unkomplizierten Zugang schätzen. Mitarbeiter*innen der Jugendzentren nehmen OPSY darüber hinaus als wertvolle fachliche Zusatzressource und als Beitrag zum Abbau von Vorurteilen gegenüber psychologischer Beratung wahr.

Ergänzend zur individuellen Beratung wurden bisher 18 Workshops mit insgesamt 77 Jugendlichen durchgeführt. Thematisch reichen die Gruppenangebote von Gewalt- und Extremismusprävention über Demokratie und Wertehaltungen bis zur Stärkung persönlicher und sozialer Kompetenzen.

ZUSAMMENARBEIT, DIE BEI JUNGEN MENSCHEN ANKOMMT

OPSY verbindet die Beziehungsarbeit und lebensweltliche Expertise der Offenen Jugendarbeit mit der klinisch-psychologischen Kompetenz und den weiterführenden Versorgungsstrukturen des PSD-Wien. Die enge Zusammenarbeit der beiden Wiener Einrichtungen ermöglicht Unterstützung aus einer Hand, ohne dass Jugendliche dafür ihr vertrautes Umfeld verlassen müssen.

„OPSY zeigt, dass gute Zusammenarbeit nicht an Organisations- oder Zuständigkeitsgrenzen enden darf. Entscheidend ist, was bei den jungen Menschen ankommt“, betonen Smertnik und Lochner. „Das Projekt bündelt bestehende Kompetenzen, senkt Zugangshürden und schafft konkrete Brücken zwischen Prävention, früher Unterstützung und weiterführender Versorgung. Der klare Wunsch der Jugendlichen und der Fachkräfte nach einer Fortführung bestätigt, wie groß der Bedarf und die Wertschätzung für dieses Angebot sind.“

Tatjana Gabrielli
Leitung Kommunikation – Psychosoziale Dienste der Stadt Wien
Telefon: 01 4000-87308
E-Mail: tatjana.gabrielli@psd-wien.at

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