Extreme Trockenheit wird zur Herausforderung für die Landwirtschaft: BOKU-Forschungsprojekt zeigt Wege zu klimaresilienter Landwirtschaft

_Längere Trockenperioden und steigende Temperaturen stellen die Landwirtschaft vor neue Herausforderungen. Forschende der BOKU University zeigen im Projekt COMMUNITYadapt mögliche Wege zu einer klimaresilienten Landwirtschaft auf._

Die anhaltende Hitze und Trockenheit setzen der Landwirtschaft in Österreich zunehmend zu. Besonders im Osten leiden Betriebe seit Jahren unter Wassermangel, doch auch Bergregionen sind immer häufiger betroffen. Ein Forschungsprojekt der BOKU University untersucht, wie landwirtschaftliche Betriebe besser auf diese Veränderungen vorbereitet werden können und welche Maßnahmen sich bereits heute erfolgreich umsetzen lassen.

„Extreme Trockenheit wird künftig häufiger auftreten und die Landwirtschaft langfristig prägen“, sagt Christine Altenbuchner vom Institut für Entwicklungsforschung der BOKU. Sie leitet das Forschungsprojekt COMMUNITYadapt gemeinsam mit Praxispartner*innen sowie der University of California, Davis, und dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) Schweiz.

Die Forschenden analysieren, welche Anpassungsmaßnahmen sich unter unterschiedlichen klimatischen Bedingungen bewähren und wie deren Umsetzung unterstützt werden kann.

FORSCHUNG LIEFERT NEUE LÖSUNGSANSÄTZE

Die Ergebnisse des Projekts machen deutlich, dass in Österreich bereits umfangreiches Wissen und zahlreiche praxiserprobte Lösungsansätze vorhanden sind. Dazu zählen unter anderem Agroforstsysteme, Humusaufbau, bodenschonende Bewirtschaftung sowie Photovoltaik auf landwirtschaftlichen Flächen.

Auch die Erhebungen unter landwirtschaftlichen Betrieben zeigen eine hohe Bereitschaft, sich mit Klimaanpassung auseinanderzusetzen:

* Mehr als 75 Prozent der Landwirt*innen sind an möglichen Maßnahmen zur Klimaanpassung interessiert.
* 20 Prozent der Bio-Betriebe wirtschaften bereits ganzheitlich klimaverträglich.
* 93 Prozent der Bio-Betriebe setzen Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität um.

„Viele Betriebe bringen bereits große Innovationskraft und wertvolle Erfahrungen mit. Unsere Ergebnisse zeigen, dass zahlreiche Anpassungsmaßnahmen bekannt und grundsätzlich umsetzbar sind. Was fehlt, sind langfristige Programme und verlässliche finanzielle Rahmenbedingungen. Klimaanpassung ist keine Belastung, sondern eine Investition in unsere Ernährungssicherheit, unsere Böden und unsere Zukunft“, so Altenbuchner.

ANPASSUNG ALS LANGFRISTIGE AUFGABE

Nach Einschätzung der Forschenden verändern steigende Temperaturen, längere Trockenperioden und häufigere Extremereignisse die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft dauerhaft. Klimaanpassung gewinnt daher für die langfristige Sicherung landwirtschaftlicher Produktion zunehmend an Bedeutung.

ÖSTERREICH HAT DAS POTENZIAL ZUM VORREITER

Ein Blick in die Schweiz zeigt, wie erfolgreiche Klimaanpassung gelingen kann: Im Kanton Graubünden werden innovative Betriebe gezielt vernetzt, finanziell unterstützt und als Vorbilder für andere sichtbar gemacht. Das COMMUNITYadapt-Projekt zeigt, dass Österreich über vergleichbare Voraussetzungen verfügt und dieses Potenzial wesentlich stärker nutzen könnte.

Die aktuelle Hitzewelle macht deutlich, wie rasch sich die Rahmenbedingungen verändern. Europa erwärmt sich schneller als der globale Durchschnitt und verzeichnet bereits einen Temperaturanstieg von 3 °C. Rund 80 Prozent der befragten Landwirt*innen erwarten negative Auswirkungen des Klimawandels auf ihre Betriebe, etwa 40 Prozent sehen ihre Existenzgrundlage gefährdet.

„Die Messdaten zeigen, dass der Klimawandel sogar schneller voranschreitet, als viele Modelle noch vor wenigen Jahren prognostiziert haben. Naturgesetze lassen sich nicht verhandeln. Wir können nur entscheiden, ob wir rechtzeitig handeln“, erklärt Altenbuchner.

Die Forschenden sehen dabei insbesondere langfristige Planungssicherheit sowie den Austausch zwischen Wissenschaft, Praxis und weiteren gesellschaftlichen Akteur*innen als wichtige Voraussetzungen, um Anpassungsmaßnahmen breit zu etablieren.

ÜBER COMMUNITYADAPT

Das Forschungsprojekt COMMUNITYadapt untersucht, wie sich landwirtschaftliche Betriebe in Österreich, der Schweiz und Kalifornien an den Klimawandel anpassen können. Ziel ist es, wissenschaftlich fundierte Handlungsempfehlungen für eine klimaresiliente und zukunftsfähige Landwirtschaft zu entwickeln.

BOKU University
Mag.a Astrid Kleber-Klinger
Telefon: 0664 8858 6533
E-Mail: astrid.kleber@boku.ac.at

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