Jugendliche mit Förderbedarf werden fit für das Berufsleben, auch für Mangelberufe

„AusbildungsFit“: Die NGO ÖJAB bereitet Jugendliche mit sozialpädagogischem und schulischen Unterstützungsbedarf auf Ausbildungen z.B. in der Elementarpädagogik oder Pflege vor.

„Jungen Migrantinnen und Migranten und Jugendlichen aus bildungsfernen Familien, die aus der Ausbildung herausfallen, sollten wir helfen, dass sie unsere Fachkräfte von morgen werden – Fachkräfte, die uns sonst fehlen“, sagt Johannes Kopf, Vorstand des Arbeitsmarktservice, im ÖJAB-Podcast, Staffel 2 – Neuen Welt der Arbeit, Episode #34.

Für diese und andere Zielgruppen setzt die ÖJAB die Maßnahme „AusbildungsFit“ um. Sie unterstützt Jugendliche ab 15 Jahren, die vor vielfältigen Herausforderungen stehen: Lücken in Bildungsbiografien, Lernschwächen, Schulphobien, schwierige soziale und familiäre Rahmenbedingungen und psychische Belastungen wie Depressionen, Traumatisierungen oder Suizidgefährdung, etwa infolge von Flucht, Gewalt, Radikalisierung oder Missbrauch. Vielen dieser Jugendlichen fallen zielorientiertes Handeln und eine geregelte Tagesstruktur schwer, und eine klare berufliche Perspektive fehlt. Der Beginn einer Ausbildung gelingt nicht.

In „AusbildungsFit“ holen die Jugendlichen Schulwissen nach und lernen in „Fachbereichen“ Berufe und die Arbeitswelt kennen – theoretisch und praktisch in Betrieben und Firmen. Außerdem erhalten die Jugendlichen persönliches Coaching, erarbeiten Zukunftsperspektiven und stärken mit Sport ihre Gesundheit. Die ganztägige Teilnahme ist für die Jugendlichen kostenlos und dauert zwischen mehreren Monaten und eineinhalb Jahren. Die Maßnahme wird vom Sozialministeriumservice gefördert, vom Europäischen Sozialfonds kofinanziert und ist Teil des Netzwerks Berufliche Assistenz – NEBA.

Nur diese ganzheitliche Sicht auf Ausbildung führe zum Erfolg, betont Sonja Schmöckel vom Sozialministerium im ÖJAB-Podcast, Episode #35. Wichtig sei, neben Fachwissen auch Orientierung, Sinn und echte Beziehungserfahrungen weiterzugegeben.

„Ich bin zu AusbildungsFit gekommen, weil ich nichts gefunden habe, was ich tun kann. Im Fachbereich Gesundheit habe ich dann kennengelernt, wie es in Pflegeberufen ist. Deswegen interessiert es mich, eine Pflegeausbildung zu machen. Ich will alten Menschen helfen, damit sie nicht alleine sind“, sagt Nour (16), ÖJAB-AusbildungsFit-Teilnehmerin in Wien. Ab September 2026 wird sie die Wiener Schule für Pflegeberufe des FSW besuchen.

AB 2026: MEHR PLÄTZE UND NEUE BERUFE

Eine der AusbildungsFit-Trägerorganisationen ist die gemeinnützige NGO ÖJAB (www.oejab.at/ausbildungsfit), die auch 23 Studierenden- und Jugendwohnheime und drei Pflegewohnhäuser in Österreich betreibt. Die Nachfrage nach Plätzen bei ÖJAB-AusbildungsFit ist groß. Nur sehr selten brechen Teilnehmende das Programm ab.

Vor diesem Hintergrund finanziert das Sozialministeriumservice im Rahmen einer Neubeauftragung 23 zusätzliche Plätze am Wiener ÖJAB-AusbildungsFit-Standort. Gleichzeitig wurden dort drei neue Berufsbereiche geschaffen, die auf den aktuellen Bedarf am Arbeitsmarkt reagieren: „Elementarpädagogik“, „Digital Life“ und „Beauty“. Insbesondere in Kindergärten und im IT-Bereich, aber auch in der Friseurbranche werden dringend Fachkräfte gesucht. 166 Plätze in der ÖJAB sowie weitere 75 Plätze beim Partnerverein „Perspektive Österreich“ stehen nun zur Verfügung. Dank dieser Erweiterung können 600 Jugendliche pro Jahr unterstützt werden.

„TRAUMBERUF“ ELEMENTARPÄDAGOG:IN

„Mein Traumberuf ist es, mit Kindern zu arbeiten. Ich liebe es, sie aufwachsen zu sehen und sie auf ihrem Weg zu begleiten“, sagt Aylin (16). Sie ist Teilnehmerin des neuen Fachbereichs „Elementarpädagogik“ in „AusbildungsFit ÖJAB – Bildung, Perspektive, Integration“ im Hermi-Hirsch-Weg 1 in 1120 Wien. Bevor die Jugendlichen Kindergärten besuchen und dort im Alltag mithelfen, erhalten sie theoretische Informationen, etwa zu den Entwicklungsphasen eines Kindes und werden auf Kindergarten-typische Situationen vorbereitet.

Im zweiten neuen Fachbereich „Digital Life“ erkunden die Jugendlichen digitale Technologien und damit verbundene Lehrstellenmöglichkeiten: Sie bauen Laptops zusammen, lernen zentrale Hardware-Komponenten kennen, entwickeln erste einfache Apps und nützen dafür zielgerichtet KI.

Der dritte Fachbereich „Beauty“ knüpft stark an bereits vorhandene Interessen der Jugendlichen an. Ziel ist es, Motivation aufzubauen und einen niederschwelligen Zugang zu Lehrberufen zu schaffen.

EHEMALIGE AUSBILDUNGSFIT-TEILNEHMENDE ARBEITEN HEUTE IN DER PFLEGE

Die bisherigen Fachbereiche an den ÖJAB-AusbildungsFit-Standorten werden weitergeführt. Dazu zählt „Gesundheit“ in Wien. Die Jugendlichen besuchen das benachbarte ÖJAB-Pflegewohnhaus Neumargareten und lernen dort Pflegeberufe kennen. Sie verbringen Zeit mit alten, kranken Menschen und helfen z.B. bei Betten- oder Rollstuhl-Transporten oder gemeinsamen Aktivitäten mit. Viele der Teilnehmenden begannen in den vergangenen Jahren nach AusbildungsFit eine Pflegeausbildung. Ehemalige Teilnehmer:innen sind heute fertig ausgebildet und als Pflegeassistent:innen oder Heimhilfen tätig, teilweise in ÖJAB-Häusern.

Weitere Fachbereich sind „Technik“ und „Handwerk“, „Neue Medien“, „Gastronomie“, „Wirtschaft und Nachhaltigkeit“, „Kreativität“ und „Holz und Garten“.

Sabrina Nill, Bereichsleiterin von ÖJAB-AusbildungsFit, nennt zentrale Erfolgsfaktoren: „Wir wählen unsere Fachbereiche gezielt nach den Interessen der Jugendlichen und nach dem Bedarf der Wirtschaft aus und bieten Praxismöglichkeiten in ÖJAB-Häusern. Die Jugendlichen erhalten eine umfassende, multidisziplinäre Unterstützung: Unser Team vereint Trainer:innen und Coach:innen mit unterschiedlichsten Ausbildungen und vielfältigen Lebenserfahrungen. Wir investieren in die Motivation, das Wohlbefinden und die Weiterentwicklung unserer Mitarbeitenden – durch Fortbildungen, Supervisionen, Coachings und gemeinsame Aktivitäten. Die Freude unseres Teams an der Arbeit überträgt sich unmittelbar auf die jungen Menschen.“

Pressefotos: https://www.oejab.at/ueber-die-oejab/presse-medien

ÖJAB-Öffentlichkeitsarbeit
Wolfgang Mohl
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E-Mail: wolfgang.mohl@oejab.at

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