
WKÖ-Denk: „Fakten statt Polemik – die Lehre ist zu wichtig“
Bundesspartenobmann plädiert für gerechte Bildungsfinanzierung – Ausbildungsbetriebe investieren rund 3 Mrd. Euro pro Jahr in Lehre – „Ja zu Entlastung, Nein zu Strafsteuern“
„Wir sind uns hoffentlich einig: Österreich braucht mehr Lehrlinge, nicht weniger. Wir sollten die Ausbildungsbetriebe mehr unterstützen, nicht weniger“, sagt Manfred Denk, Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). „Was wir nicht brauchen, sind Schuldzuweisungen. Betriebe und Jugendliche gegeneinander auszuspielen und Strafsteuern zu fordern, das bringt keinen einzigen Lehrling zusätzlich. Für Polemik ist die Lehre zu wichtig. Als Arbeitnehmer- und Arbeitgeber:innen sollten wir an einem Strang ziehen und gemeinsam dafür sorgen, dass kein junger Mensch in Österreich ohne berufliche Ausbildung bleibt.“
FAKTEN STATT BILLIGER POLEMIK
Fantasien von ÖGJ und Pro-GE über eine Strafsteuer für Unternehmen, die keine Lehrlinge haben, erteilt der Bundesspartenobmann eine klare Absage. „Solche Ideen ändern nichts an der Demografie. Viele Unternehmen können keine Lehrlinge ausbilden, weil sie schlicht keine geeigneten Bewerbungen haben“, so Denk mit Blick auf die Faktenlage:
* VIELE UNBESETZTE LEHRSTELLEN: Eine „Lehrstellenlücke“ gibt es nur in Wien (und geringfügig in Niederösterreich). In allen anderen Bundesländern bleiben Lehrstellen unbesetzt. Die AMS-Daten von Ende Juli 2026 zeigen österreichweit um 1744 mehr offen gemeldete Lehrstellen als Lehrstellensuchende (sofort und demnächst verfügbar). Vor allem in Oberösterreich, Tirol und Salzburg haben Betriebe große Schwierigkeiten, Lehrlinge zu finden. „Wir haben kein generelles Lehrstellenproblem, sondern ein regionales Missverhältnis von Angebot und Nachfrage“, so Denk.
* HOHE AUSBILDUNGSBEREITSCHAFT: Dass die Betriebe gerne ausbilden würden, bestätigt der WKÖ-Fachkräfteradar von April 2026: Mehr als die Hälfte der Betriebe würden mehr Lehrlinge aufnehmen, wenn ausreichend geeignete und interessierte Jugendliche verfügbar wären (30 Prozent der Unternehmen sicher, weitere 23 Prozent vielleicht). Unter den bereits ausbildenden Betrieben sind es sogar 68 Prozent (48 Prozent sicher, 20 Prozent vielleicht).
* HOHE ZUFRIEDENHEIT: 89 Prozent der Lehrlinge sind mit ihrer Ausbildung zufrieden oder sehr zufrieden. Im Zuge der Ausbildung steigt dieser Wert noch weiter an und erreicht im dritten Lehrjahr 95 Prozent (IMAS-Lehrlingsbefragung von April 2026).
* TEUER FÜR BETRIEBE, GÜNSTIG FÜR DEN STAAT: Die Lehrlingseinkommen im Gewerbe und Handwerk sind seit 2023 (je nach Kollektivvertrag) kumuliert zwischen 19 und 35 Prozent gestiegen. Die Betriebe investieren inzwischen pro Jahr rund 3 Mrd. Euro in die Lehrlingsausbildung. Die staatliche Lehrstellenförderung hingegen ist seit 2023 bei 280 Mio. Euro gedeckelt und wurde weder wertangepasst noch angehoben. Seit Juli 2026 erhält deshalb jeder Betrieb aus diesem Topf (ab dem zweiten Lehrling) um ein Viertel weniger Basisförderung.
„Ich durfte selbst in meinem Betrieb 120 Lehrlinge ausbilden. Damit ist viel Verantwortung und ein beträchtlicher personeller und finanzieller Aufwand verbunden“, so Denk. „Die Betriebe zahlen höhere Lehrlingseinkommen und sorgen dafür, dass die Lehre attraktiv ist. Die öffentliche Hand hat ihren Beitrag hingegen reduziert. Die Betriebe müssen dringend entlastet werden; es kommt überhaupt nicht infrage, dass sie erneut zur Kasse gebeten werden, unter welchem Vorwand auch immer.“
Denk befürchtet, dass die Förderkürzung die Ausbildungssituation verschärfen und den Fachkräftemangel zusätzlich befeuern könnte. Eine wirkliche Tendenz über das kommende Ausbildungsjahr werden allerdings erst die Lehrlingszahlen von September zeigen, die ab Anfang Oktober vorliegen.
MEHR WERTSCHÄTZUNG FÜR BERUFSAUSBILDUNG
Die Ausbildungsbetriebe bieten zehntausenden jungen Menschen in Österreich Jahr für Jahr eine solide Berufsausbildung und zukunftssichere Jobs. Denk appelliert deshalb an die Solidarität der öffentlichen Hand, die Lehrlingsausbildung endlich als eine tragende Säule des heimischen Ausbildungssystems anzuerkennen und entsprechend zu dotieren.
„Ein Schulplatz kostet den Staat doppelt so viel, ein Studienplatz an der Universität sogar vier Mal so viel wie ein Lehrling. Ist eine junge Fachkraft vier Mal weniger wert als ein Student? Das ist für mich nicht nachvollziehbar. Wir sollten uns gemeinsam sozialpartnerschaftlich für die Lehre einsetzen“, so Denk abschließend. (PWK387/HSP)
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