
Betriebliche Altersvorsorge vor dem größten Reformschritt seit Einführung der Pensionskassen: Hajek-Studie zeigt großes Potenzial
Fachverband: Österreich startet Aufholjagd bei Zusatzpensionen
Österreich steht vor der größten Reform der betrieblichen Altersvorsorge seit Einführung der Pensionskassen. Mit dem von der Bundesregierung auf den Weg gebrachten Gesetzespaket soll die zweite Säule breiter aufgestellt, die Voraussetzung für höhere Erträge und mehr Wahlfreiheit geschaffen und der Zugang zu einer betrieblichen Zusatzpension deutlich erleichtert werden.
Ein zentrales Element ist die Umsetzung des seit Jahren vom Fachverband der Pensions- und Vorsorgekassen geforderten Prinzips eines Generalpensionskassenvertrags: Künftig sollen mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Möglichkeit erhalten, über den Transfer der Abfertigung NEU eine Zusatzpension durch Pensionskassen aufzubauen.
„Die Bundesregierung setzt mit dieser Reform einen wichtigen Schritt zur Modernisierung des Pensionssystems. Länder wie Dänemark zeigen, welches Potenzial in einer starken, breit verankerten betrieblichen Vorsorge liegt. Österreich startet bei Zusatzpensionen durch Pensionskassen nun eine Aufholjagd“, sagt Mag. Andreas Zakostelsky, Obmann des Fachverbands der Pensions- und Vorsorgekassen.
68 PROZENT SEHEN BEDARF AN BETRIEBLICHER ALTERSVORSORGE
Wie groß das Potenzial für den Ausbau der zweiten Säule ist, zeigt eine aktuelle Befragung von UNIQUE research im Auftrag des Fachverbands der Pensions- und Vorsorgekassen. Demnach tendieren 68 Prozent der befragten Berufstätigen zur Einschätzung, für ihre finanzielle Absicherung im Alter zusätzlich zur staatlichen Pension eine betriebliche Altersvorsorge zu benötigen. Nur 22 Prozent gehen eher davon aus, dass die staatliche Pension allein ausreichen wird.
„Das zentrale Ergebnis ist klar: Viele Menschen sehen den Bedarf an zusätzlicher Absicherung im Alter. Besonders bei den unter 50-Jährigen ist die Einschätzung stark ausgeprägt, dass es zusätzlich zur staatlichen Pension eine betriebliche Altersvorsorge braucht“, erklärt Dr. Peter Hajek, Markt- und Meinungsforscher von UNIQUE research.
Auch beim geplanten Ausbau der betrieblichen Altersvorsorge zeigt sich ein grundsätzlich positives Stimmungsbild: 36 Prozent der Befragten bewerten den Ausbau positiv, weitere 31 Prozent stehen ihm zumindest offen gegenüber.
ABFERTIGUNG NEU ALS ZUSATZPENSION: 45 PROZENT HALTEN MODELL FÜR SINNVOLL
Besonders relevant ist für die Befragten die Möglichkeit, die Abfertigung NEU in eine monatliche Zusatzpension umzuwandeln. 45 Prozent halten es für sehr oder eher sinnvoll, auf diesem Weg über die zweite Säule eine Zusatzpension zu beziehen. Besonders offen zeigen sich jüngere Berufstätige, höher Gebildete sowie Personen, die mit den bisherigen Erträgen der Abfertigung NEU zufrieden sind.
„Die Studie zeigt, dass die Abfertigung NEU für viele Menschen ein wichtiger Hebel für zusätzliche Altersvorsorge sein kann. Wenn es gelingt, dieses Kapital stärker für eine lebenslange Zusatzpension nutzbar zu machen, entsteht ein konkreter Mehrwert für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer“, sagt Zakostelsky.
MEHR ERTRAGSCHANCEN UND SICHERHEIT: PENSIONSKASSEN WOLLEN UNTERSCHIEDLICHE BEDÜRFNISSE ABDECKEN
Bei den Prioritäten zum Ausbau eines Zusatzpensionssystems zeigt sich ein differenziertes Bild: 31 Prozent nennen steuerliche Vorteile und 29 Prozent höhere Ertragschancen als wichtige Punkte. Gleichzeitig bleibt Sicherheit ein wesentliches Anliegen: 36 Prozent nennen mehr Sicherheit und Garantien bei der Pensionsvorsorge als besonders wichtig.
„Die Befragung zeigt sehr klar: Es gibt nicht den einen Zugang, der für alle passt. Ein Teil der Menschen will langfristig höhere Ertragschancen nutzen, anderen sind Sicherheit und Garantien besonders wichtig. Genau diese Möglichkeiten wird das neue Gesetz eröffnen. Darauf aufbauend werden die Pensionskassen zwei Produktschienen entwickeln: ein chancenorientiertes Modell mit höheren Ertragsmöglichkeiten und ein konservativeres Modell mit mehr Sicherheit“, sagt Zakostelsky.
Damit werden Wahlfreiheit und höhere Erträge zu zentralen Erfolgsfaktoren der Reform. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sollen je nach persönlicher Lebenssituation, Risikoneigung und Vorsorgeziel passende Möglichkeiten erhalten.
AKTUELLE PERFORMANCE ALS RÜCKENWIND
Die Pensionskassen verweisen zugleich auf eine starke Entwicklung im ersten Halbjahr 2026: Laut OeKB erzielten die österreichischen Pensionskassen eine Performance von 4,83 Prozent. Die langfristige Performance seit 1991 liegt aktuell bei 5,02 Prozent pro Jahr. Insgesamt vertreten Pensions- und Vorsorgekassen über 5 Millionen Anwartschafts- und Leistungsberechtigte und veranlagen mehr als 50 Milliarden Euro.
Aus Sicht des Fachverbands zeigt diese Entwicklung, dass kapitalgedeckte betriebliche Vorsorge langfristig funktioniert und einen wichtigen Beitrag zur besseren Absicherung im Alter leisten kann.
REFORM ERKLÄREN, BETRIEBE GEWINNEN, ZWEITE SÄULE AUSBAUEN
Aus Sicht des Fachverbands liegt der nächste Schritt nun in der Umsetzung und Erklärung der Reform. Betriebe müssten stärker für die betriebliche Altersvorsorge gewonnen und Beschäftigte über die neuen Möglichkeiten informiert werden: „Jetzt liegt der Auftrag neben der Politik auch bei den Pensionskassen und bei den Unternehmen: Wir müssen gemeinsam informieren und überzeugen, um mehr Arbeitgeber zu gewinnen und die betriebliche Altersvorsorge als attraktives Angebot für eine bessere Absicherung im Alter zu verankern. Die Studie zeigt: Das Potenzial ist da – jetzt müssen wir es erklären und für die Beschäftigten nutzbar machen“, so Zakostelsky abschließend.
ZUR STUDIE
Die Befragung wurde im Auftrag des Fachverbands der Pensions- und Vorsorgekassen von UNIQUE research durchgeführt. Befragt wurden 508 österreichische Berufstätige zwischen 15 und 70 Jahren im Rahmen einer Online-Befragung. Die Feldarbeit fand von 1. bis 10. Juli 2026 statt. Die maximale Schwankungsbreite liegt bei +/- 4,3 Prozent.
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