„Veggie-Schnitzel“ wieder im Fokus: foodwatch kritisiert absurde EU-Verbotsdebatte

Während Hitze und Dürre Europas Landwirtschaft unter Druck setzen, berät EU-Agrarausschuss erneut über Namensverbote für pflanzliche Lebensmittel

Hitze, Dürre und drohende Ernteausfälle setzen Europas Landwirtschaft massiv unter Druck. Doch im Agrarausschuss des Europäischen Parlaments wird erneut darüber diskutiert, ob ein „Veggie-Schnitzel“ künftig noch Schnitzel heißen darf. Am Mittwoch, 2. September, beraten die EU-Abgeordneten über eine neuerliche Ausweitung der Namensverbote für pflanzliche Lebensmittel. Begriffe wie „Burger“, „Wurst“, „Nuggets“ oder „Schnitzel“ könnten ausschließlich Produkten mit Fleisch vorbehalten werden. Erst vor wenigen Monaten war ein ähnlich weitreichender Vorstoß in den EU-Verhandlungen gescheitert.

foodwatch Österreich kritisiert die neuerliche Verbotsdebatte scharf. _„Angesichts von Hitze, Dürre und massiven Problemen für Europas Landwirtschaft ist es nicht nachvollziehbar, dass sich die EU-Politik schon wieder mit ‚Veggie-Schnitzel‘ und ‚Tofu-Würstel‘ beschäftigt“, _sagt Indra Kley-Schöneich, Geschäftsführerin von foodwatch Österreich._ „Statt pflanzliche Alternativen mit Namensverboten auszubremsen, sollte die Politik dafür sorgen, dass unsere Landwirtschaft auch unter den Bedingungen der Klimakrise sicher Lebensmittel produzieren kann. Wir brauchen mehr Klimaschutz und eine zukunftsfähige Landwirtschaft – keine Sprachpolizei im Supermarktregal.“_

NEUER ANLAUF FÜR WEITREICHENDE NAMENSVERBOTE

Der aktuelle Vorstoß geht auf einen Änderungsantrag der französischen EVP-Abgeordneten Céline Imart zurück. Im Rahmen der Beratungen über die Gemeinsame Marktorganisation sollen zahlreiche Begriffe für pflanzliche Ersatzprodukte erneut eingeschränkt werden.

Dabei hatten sich EU-Parlament und Mitgliedstaaten erst vor wenigen Monaten auf einen deutlich weniger weitreichenden Kompromiss bei Fleischbezeichnungen geeinigt. Allgemeine Begriffe wie „Burger“, „Wurst“, „Nuggets“ oder „Schnitzel“ blieben für pflanzliche Produkte möglich. Geschützt wurden hingegen 31 spezifischere Begriffe, darunter Bezeichnungen für Tierarten und Fleischstücke wie „Huhn“, „Speck“, „Steak“ oder „Leber“.

_„Niemand greift zu einem deutlich als vegan oder pflanzlich gekennzeichneten Schnitzel und erwartet Fleisch“_, sagt Kley-Schöneich. _„Bezeichnungen wie Schnitzel, Burger oder Würstel helfen Konsument:innen vielmehr dabei, sofort zu verstehen, wie ein Produkt schmeckt, aussieht oder verwendet werden kann. Sie zu verbieten schafft nicht mehr Transparenz, sondern weniger.“_

ÖSTERREICH HATTE ÄHNLICHE VERBOTSPLÄNE SELBST MIT VORANGETRIEBEN

Aus österreichischer Sicht ist die neuerliche Debatte besonders brisant: Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig hatte sich bereits 2025 auf EU-Ebene für einen stärkeren Schutz von Bezeichnungen tierischer Lebensmittel eingesetzt. Gemeinsam mit Tschechien, Ungarn, Italien und der Slowakei hatte Österreich einen entsprechenden Vorstoß im EU-Agrarministerrat mit vorangetrieben.

foodwatch Österreich hatte Minister Totschnig deshalb bereits damals aufgefordert, sich von weitreichenden Namensverboten zu distanzieren. Nach dem späteren EU-Kompromiss verteidigte der Landwirtschaftsminister die Einschränkungen weiterhin mit dem Argument, wo Fleisch draufstehe, müsse auch Fleisch enthalten sein.

_„Minister Totschnig sollte sich fragen, welches konkrete Problem ein Verbot von ‚Veggie-Würstel‘ oder ‚Tofu-Schnitzel‘ eigentlich lösen soll_“, so Kley-Schöneich. _„Die österreichische Landwirtschaft kämpft mit den Folgen von Hitze und Trockenheit, Konsument:innen mit hohen Lebensmittelpreisen – und gleichzeitig wird darüber gestritten, ob ein pflanzliches Würstel noch Würstel heißen darf. Das ist Symbolpolitik am Supermarktregal.“_

foodwatch fordert Minister Totschnig auf, sich auf EU-Ebene gegen eine neuerliche Ausweitung der Verbotsliste auszusprechen.

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