Welttag der Suizidprävention: Alle sieben Stunden stirbt ein Mensch durch Suizid

BÖP: Suizidprävention ist Aufgabe von Gesellschaft und Politik

Alle sieben Stunden stirbt in Österreich ein Mensch durch Suizid – und jeder Suizid ist einer zu viel. Der Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP) macht anlässlich des Welttages der Suizidprävention am 10. SEPTEMBER auf die Bedeutung von Enttabuisierung und niederschwelliger psychologischer Unterstützung aufmerksam.

Im Jahr 2024 starben in Österreich mehr als 1.200 MENSCHEN DURCH SUIZID – etwa dreieinhalbmal so viele wie bei Verkehrsunfällen. Suizid ist eine der häufigsten Todesursachen bei Menschen bis zum 50. Lebensjahr, in der Altersgruppe 15 bis 34 Jahre sogar die zweithäufigste.

Internationale Studien gehen davon aus, dass die Zahl der SUIZIDVERSUCHE ZEHN- BIS DREISSIGMAL SO HOCH ist, wie die Zahl der durch Suizid verstorbenen Personen. Auf Österreich übertragen entspräche dies rechnerisch rund 12.000 bis 37.000 Suizidversuchen pro Jahr. Während rund 80 PROZENT DER DURCH SUIZID VERSTORBENEN MÄNNER sind, unternehmen Frauen häufiger Suizidversuche als Männer.

DARÜBER REDEN STATT SCHWEIGEN

Die Sorge, durch die Frage nach Suizidgedanken eine suizidale Krise auszulösen oder zu verschärfen, ist wissenschaftlich nicht belegt. Ein offenes und einfühlsames Gespräch kann Betroffenen signalisieren, dass sie nicht allein sind und Unterstützung erhalten können.

Gleichzeitig braucht es auch auf gesellschaftlicher Ebene einen offenen Umgang mit dem Thema. Enttabuisierung und Aufklärung helfen dabei, Warnsignale frühzeitig zu erkennen, Betroffene zu ermutigen, über ihre Krise zu sprechen und Unterstützungsangebote sichtbar zu machen.

SUIZIDPRÄVENTION IST AUFGABE VON POLITIK UND GESELLSCHAFT

„Suizidale Krisen sind nicht unausweichlich. Umso wichtiger ist es, psychische Krisen frühzeitig zu erkennen und Betroffenen rechtzeitig Unterstützung anzubieten“, erklärt BÖP-Präsidentin a.o. Univ.-Prof.in Dr.in Beate Wimmer-Puchinger. „Betroffene leisten bereits enorm viel, wenn sie sich Hilfe suchen. Es darf nicht von ihnen erwartet werden, dass sie zusätzlich monatelange Wartezeiten und hohe Kosten überwinden. Es ist Aufgabe von Politik und Gesellschaft, dafür zu sorgen, dass Betroffene rasch, niederschwellig und leistbar Unterstützung erhalten.“

AUSBAU VON KLINISCH-PSYCHOLOGISCHEN LEISTUNGEN

Der BÖP begrüßt in diesem Zusammenhang den vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz finanzierten nationalen Aktionsplan zur Suizidprävention SUPRA 2025-2030. Die KOORDINATIONSSTELLE FÜR SUIZIDPRÄVENTION ist an der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) angesiedelt, die die Umsetzung des SUPRA-Programms fachlich begleitet und koordiniert. Darüber hinaus fordert der BÖP insbesondere den Ausbau kassenfinanzierter und möglichst ohne lange Wartezeiten zugänglicher klinisch-psychologischer Angebote, denn Psycholog:innen leisten einen zentralen Beitrag zur Suizidprävention.

Ein wichtiger Schritt in der Suizidprävention ist die VERSCHÄRFUNG DES WAFFENRECHTS. Laut der österreichischen Suizidpräventionsstatistik erfolgt rund jeder fünfte Suizid mit einer Schusswaffe. Die Neuerungen oder Verschärfungen im Zusammenhang mit der klinisch-psychologischen Begutachtung im Rahmen der waffenrechtlichen Verlässlichkeitsprüfung, wie ein verpflichtendes Explorationsgespräch, klar definierte Qualitätsanforderungen an die klinisch-psychologische Begutachtung inklusive zusätzlicher fachspezifischer Aus- und Fortbildung sowie Rezertifizierungen für Gutachter:innen stellen einen wesentlichen Fortschritt dar. Denn sie entsprechen den fachlichen Standards der Klinischen Psychologie und den Standards der aktuellen Wissenschaft. Der BÖP hat sich in den Gesetzgebungsprozess eingebracht und konkrete Vorschläge für die klinisch-psychologische Begutachtung vorgelegt. Er begrüßt die Novellierung als wichtigen Beitrag zum Schutz von Menschen in suizidalen Krisen.

DER BÖP STEHT BEREIT, SEINE FACHLICHE EXPERTISE AUCH KÜNFTIG IN DIE WEITERENTWICKLUNG DER SUIZIDPRÄVENTION IN ÖSTERREICH EINZUBRINGEN.

Für Menschen, die sich in einer akuten Krise befinden oder sich um einen nahestehenden Menschen Sorgen, gibt es Hilfe. Erste Anlaufstellen können die Telefonseelsorge unter anderem die Telefonseelsorge unter 142, Rat auf Draht für Kinder und Jugendliche unter 147 sowie die Ö3-Kummernummer des Österreichischen Roten Kreuzes unter 116 123 sein.

Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP)
Jana Lapper, BA, MA
Telefon: +43 670-60 43 650
E-Mail: presse@boep.at
Website: https://www.boep.or.at/

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