
Voglauer: Gericht widerspricht Pestizidlobby – Falschbehauptung muss widerrufen werden
Debatte über Pestizide muss auf Fakten beruhen – Landwirtschaftsminister Totschnig soll seine Aussagen klarstellen
„Unwahrheiten werden nicht wahrer, nur weil sie oft und laut wiederholt werden. Das Handelsgericht Wien hat nun eine zentrale Behauptung der Industriegruppe Pflanzenschutz gegenüber GLOBAL 2000 als unwahr beurteilt und die IGP zu Unterlassung und Widerruf verpflichtet. Das ist ein wichtiges Signal: Die dringend notwendige Debatte über den Pestizideinsatz in Österreich muss auf Fakten beruhen“, sagt Olga Voglauer, Landwirtschaftssprecherin der Grünen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Ausgangspunkt der Auseinandersetzung waren die durch eine parlamentarische Anfrage Voglauers veröffentlichten Verkaufsdaten zu Pestizidwirkstoffen. GLOBAL 2000 hatte daraus anhand der jeweiligen Aufwandmengen näherungsweise behandelbare Flächen berechnet. Dabei zeigte sich insbesondere bei problematischen Wirkstoffgruppen eine deutliche Zunahme.
„Statt sich mit diesen Zahlen und der Frage auseinanderzusetzen, wie wir den Einsatz besonders problematischer Pestizide tatsächlich reduzieren können, wurde die Berechnung öffentlich mit dem Vorwurf angegriffen, CO₂ beziehungsweise Lagergase seien einbezogen und dadurch falsche Ergebnisse produziert worden. Genau diese Behauptung hat das Handelsgericht nun als unwahr beurteilt“, sagt Voglauer.
Auch Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig hatte im Dezember 2025 öffentlich argumentiert, die berichtete Zunahme führe in die Irre, weil Lagergase hineingerechnet worden seien. Voglauer fordert daher eine Klarstellung: „Nachdem das Gericht den zentralen CO₂-Vorwurf gegenüber GLOBAL 2000 nun als unwahr beurteilt hat, erwarte ich mir auch vom Landwirtschaftsminister und von allen anderen, die diese Darstellung übernommen haben, eine öffentliche Richtigstellung. Datenbasierte Auswertungen dürfen selbstverständlich kritisiert werden – aber bitte mit Fakten.“
Für Voglauer darf die Auseinandersetzung um die Berechnung nicht von der eigentlichen Frage ablenken: „Die amtlichen Verkaufsdaten zeigen, dass bei besonders problematischen Wirkstoffgruppen Handlungsbedarf besteht. Gerade bei PFAS-Pestiziden ist die Entwicklung besorgniserregend. Aus bestimmten Wirkstoffen kann das extrem langlebige Abbauprodukt TFA entstehen, das mittlerweile in Wasser, Böden und Lebensmitteln nachgewiesen wird.“
Gleichzeitig fehle weiterhin eine umfassende zentrale Datenbasis darüber, welche Pflanzenschutzmittel tatsächlich wann, wo und in welchen Mengen eingesetzt werden. Zwar müssen landwirtschaftliche Betriebe ihre Anwendungen dokumentieren, diese Informationen stehen für eine systematische österreichweite Auswertung bislang aber nicht ausreichend zur Verfügung.
„Wer Pestizide wirksam reduzieren will, muss zuerst wissen, wo sie eingesetzt werden. Deshalb brauchen wir endlich eine transparente Pestizid-Anwendungsdatenbank. Sie wäre ein wichtiges Instrument für Forschung, Gesundheitsvorsorge und Landwirtschaft und würde ermöglichen, Reduktionsmaßnahmen gezielt dort anzusetzen, wo sie tatsächlich notwendig sind“, fordert Voglauer.
„Wir brauchen keine Beschwichtigungsdebatte und keine Ablenkungsmanöver. Wir brauchen Transparenz, belastbare Daten und eine Landwirtschaftspolitik, die gemeinsam mit den Bäuerinnen und Bauern dafür sorgt, dass problematische Wirkstoffe Schritt für Schritt reduziert werden. Genau diese Debatte sollte ein verantwortungsvoller Landwirtschafts- und Umweltminister führen“, meint Voglauer.
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