Interventionelle Radiologie: Ein unterschätzter medizinischer Schwerpunkt mit wachsender Bedeutung im Gesundheitssystem

ÖGIR macht anlässlich aktueller personeller Entwicklungen an einer österreichischen Klinik auf die Systemrelevanz der Interventionellen Radiologie aufmerksam

In den vergangenen Wochen haben mehrere erfahrene Ärzte aus der Interventionellen Radiologie ihre Arbeitsverträge mit einer großen österreichischen Klinik gekündigt. Für die Österreichische Gesellschaft für Interventionelle Radiologie und minimal invasive Therapie (ÖGIR) ist dies Anlass, mit Nachdruck auf einen Schwerpunkt der Radiologie aufmerksam zu machen, welcher in der modernen Medizin eine immer wichtigere Rolle spielt – und wo es einen zunehmenden Bedarf an Spezialistinnen und Spezialisten gibt.

BEHANDELN, OHNE ZU OPERIEREN

Die Interventionelle Radiologie ist als integrativer Teil der Radiologie ein medizinisches Fachgebiet, in dem Erkrankungen mit feinen Kathetern, Nadeln oder anderen Instrumenten behandelt werden, die unter laufender Bildkontrolle – etwa mittels Röntgen, Ultraschall oder Computertomographie – exakt zum Ort des Geschehens im Körper geführt werden. Ein großer chirurgischer Schnitt ist dafür meist nicht nötig. Für Patientinnen und Patienten bedeutet das häufig: weniger Belastung, kürzere Spitalsaufenthalte und eine raschere Erholung.

UNVERZICHTBAR IN VIELEN BEREICHEN DER MEDIZIN

Was in der Öffentlichkeit oft wenig bekannt ist: Die Interventionelle Radiologie ist längst aus vielen Bereichen der Patientenversorgung nicht mehr wegzudenken. Besonders deutlich wird das in akuten Notfallsituationen: Bei einem Schlaganfall, bei schweren inneren Blutungen, bei geplatzten Aortenaneurysmen (Ausweitungen der Hauptschlagader) oder bei einem plötzlichen Gefäßverschluss zählt oft jede Minute – interventionelle Eingriffe können hier lebensrettend sein. Auch in der Behandlung von Gefäßerkrankungen, bei chronischen Erkrankungen, in der Krebstherapie sowie in der bildgesteuerten Schmerztherapie kommt das Fach zunehmend zum Einsatz. Die Interventionelle Radiologie zählt damit zu den am schnellsten wachsenden Bereichen der Medizin.

RASANTES WACHSTUM, ABER ZU WENIG FACHKRÄFTE

Diesem zunehmenden Bedarf steht ein spürbarer Mangel an ausgebildeten Spezialistinnen und Spezialisten gegenüber. Die Ausbildung zur Interventionellen Radiologin bzw. zum Interventionellen Radiologen ist anspruchsvoll und langwierig, entsprechend rar sind die verfügbaren Fachkräfte. Die Fachgesellschaft und ihre Mitglieder investieren seit Jahren intensiv in die Ausbildung des Nachwuchses. Dennoch wächst der tatsächliche Bedarf in den Kliniken schneller, als neue Spezialistinnen und Spezialisten nachkommen können. Scheiden erfahrene Fachkräfte aus einer Abteilung aus, ist es dadurch besonders schwierig, adäquaten Ersatz zu finden.

APPELL AN DAS GESUNDHEITSSYSTEM

_„Die Interventionelle Radiologie ist heute ein tragender Pfeiler der modernen Patientenversorgung – von der Akutmedizin bis zur Krebsbehandlung. Umso mehr braucht es ein Bewusstsein dafür, wie wichtig dieser Teilbereich ist, und entsprechende Rahmenbedingungen, um die vorhandenen Expertinnen und Experten zu halten und ausreichend Nachwuchs auszubilden“, so Prim. Dr. Christian Neumann, MBA, EBIR, Präsident der ÖGIR._

Die Gesellschaft appelliert an Kliniken, Krankenhausträger und Gesundheitspolitik, die Systemrelevanz der Interventionellen Radiologie bei der Personalplanung und bei Ressourcenentscheidungen entsprechend zu berücksichtigen.

ÜBER DIE ÖGIR

Die Österreichische Gesellschaft für Interventionelle Radiologie und minimal invasive Therapie (ÖGIR) vertritt die Interessen von Ärztinnen und Ärzten, die sich auf bildgesteuerte, minimal-invasive Behandlungsverfahren spezialisiert haben. Ziel der Gesellschaft ist die Förderung von Qualität, Ausbildung und Weiterentwicklung dieses Fachgebiets zum Wohle der Patientinnen und Patienten in Österreich.

Österreichische Gesellschaft für Interventionelle Radiologie und
minimal invasive Therapie (ÖGIR)
Telefon: 01/9042003/13
E-Mail: oegir@oegir.at
Website: https://www.oegir.at

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