29 Personen entscheiden für 1,1 Millionen Schüler_innen

AKS demonstriert gegen BSV-Wahl und fordert Direktwahl: „Demokratie darf nicht dort aufhören, wo Schüler_innen selbst mitbestimmen wollen.“

Rund 1,1 Millionen Schüler_innen, aber nur 29 Wahlberechtigte: Am Sonntag wählte die Bundesschüler_innenvertretung (BSV) ihre neue Spitze. Zur Bundesschulsprecherin wurde die niederösterreichische AHS-Landesschulsprecherin gewählt. Mitbestimmen konnten dabei lediglich die 27 Landesschulsprecher_innen sowie zwei Vertreter_innen der Zentrallehranstalten.

Die Aktion kritischer Schüler_innen (AKS) protestierte deshalb am Sonntag gegen das bestehende Wahlsystem. Für die Schüler_innenorganisation ist klar: Wer mehr als eine Million junge Menschen gegenüber Politik und Bildungsministerium vertritt, muss auch von diesen Schüler_innen demokratisch legitimiert werden.

„29 Personen entscheiden darüber, wer für 1,1 Millionen Schüler_innen sprechen darf. Über 99,99 Prozent der Schüler_innen können bei dieser Wahl nicht einmal ihre Stimme abgeben. Und gleichzeitig wundern wir uns darüber, dass junge Menschen das Gefühl haben, von Politik nicht gehört zu werden“, kritisiert Julia Greiner, Bundesvorsitzende der Aktion kritischer Schüler_innen (AKS). „Wer Demokratie von jungen Menschen einfordert, muss ihnen auch Demokratie zutrauen.“

DEMOKRATIE LERNEN, ABER NICHT LEBEN DÜRFEN?

Für die AKS geht es dabei um mehr als die Wahl einer einzelnen Bundesschulsprecherin. Das derzeitige System werfe eine grundsätzliche Frage auf: Wie glaubwürdig kann politische Bildung sein, wenn Schüler_innen Demokratie im Unterricht lernen sollen, bei ihrer eigenen gesetzlichen Interessenvertretung aber kaum direkte Mitbestimmung haben? „Wir lernen in der Schule, dass Demokratie davon lebt, dass Menschen wählen, mitbestimmen und ihre Vertreter_innen zur Verantwortung ziehen können. Bei unserer eigenen höchsten Vertretung gilt plötzlich etwas anderes“, kritisiert Theresa Bröderbauer, AHS-Landesschulsprecherin in Wien und Kandidatin der AKS.

Die AKS fordert deshalb eine Direktwahl der überschulischen Schüler_innenvertretung. Schüler_innen sollen selbst darüber entscheiden können, wer sie auf Landes- und Bundesebene vertritt.

Eine Direktwahl würde aus Sicht der AKS nicht nur mehr demokratische Legitimation schaffen. Kandidat_innen müssten ihre Forderungen einer breiten Schüler_innenschaft präsentieren, um Stimmen werben und sich nach ihrer Wahl gegenüber denjenigen verantworten, in deren Namen sie sprechen. „Wer 1,1 Millionen Schüler_innen vertreten möchte, sollte diesen 1,1 Millionen Schüler_innen auch erklären müssen, wofür er oder sie steht“, so Böderbauer. „Eine Wahl ohne die Menschen, die vertreten werden sollen, schafft Distanz. Eine Direktwahl schafft Öffentlichkeit, Auseinandersetzung und Verantwortung!“

WER VERTRITT, MUSS SICH AUCH VERANTWORTEN

Wie wichtig diese demokratische Kontrolle ist, zeigte sich für die AKS zuletzt auch kurz vor den Sommerferien. Damals wurden interne Chats aus dem Umfeld der Schülerunion öffentlich, die wegen sexistischer, rassistischer und menschenverachtender Inhalte scharf kritisiert wurden. Medienberichten zufolge befanden sich in der betreffenden Chatgruppe neben Funktionär_innen der Schülerunion auch Bundes- und Landesschülervertreter_innen.

Für die AKS zeigt der Vorfall ein strukturelles Problem: Wenn Personen im Namen von Schüler_innen sprechen, müssen Schüler_innen auch die Möglichkeit haben, ihnen dieses Vertrauen selbst zu geben oder bei der nächsten Wahl wieder zu entziehen. „Es geht hier nicht darum, eine einzelne Person oder Organisation zum alleinigen Problem zu erklären. Es geht um eine demokratische Grundregel: Wer Macht und Verantwortung erhält, muss sich gegenüber den Menschen verantworten, die er oder sie vertritt“, erklärt Theresa Bröderbauer. „Genau diese direkte demokratische Kontrolle fehlt derzeit.“

DIE REFORM LIEGT LÄNGST AUF DEM TISCH

Dass eine Demokratisierung der Schüler_innenvertretung möglich wäre, ist keine neue Debatte. Im März 2026 wurde im Nationalrat ein Antrag eingebracht, der eine Direktwahl der Bundes- und Landesschüler_innenvertretung ermöglichen und den Kreis der Stimmberechtigten deutlich erweitern soll. Im April wurde der Antrag im Bildungsausschuss vertagt.

FÜR DIE AKS IST DESHALB KLAR: ES FEHLT NICHT AN MÖGLICHEN LÖSUNGEN, SONDERN AN IHRER UMSETZUNG.

„Seit Jahren wird darüber gesprochen, wie wir junge Menschen für Demokratie begeistern können. Gleichzeitig wird eine konkrete Möglichkeit für mehr Demokratie an Schulen vertagt“, kritisiert Greiner. „Wenn Politik es ernst damit meint, junge Menschen einzubinden, dann muss sie ihnen dort Mitbestimmung ermöglichen, wo sie unmittelbar betroffen sind.“ Die AKS setzt sich seit Jahren für eine Demokratisierung der Schüler_innenvertretung auf allen Ebenen ein. Bereits 1987 forderte sie die Direktwahl der Schulsprecher_innen. Heute müsse der nächste Schritt folgen: die direkte demokratische Wahl der Landes- und Bundesschüler_innenvertretung.

ÖSTERREICH LÄSST 16-JÄHRIGE DEN NATIONALRAT WÄHLEN ABER NICHT IHRE BUNDESSCHULSPRECHER_IN

Besonders widersprüchlich ist für die AKS, dass Jugendliche in Österreich ab 16 Jahren über die Zusammensetzung des Nationalrats mitentscheiden dürfen, während Schüler_innen ihre eigene Bundesschulsprecherin nicht direkt wählen können.

„Demokratie beginnt nicht erst mit 16 und sie darf nicht am Schultor enden. Wer will, dass junge Menschen Demokratie ernst nehmen, muss auch ihre Stimme ernst nehmen. Deshalb fordern wir: Direktwahl statt Entscheidung durch 29 Personen. Schüler_innen müssen selbst bestimmen können, wer in ihrem Namen spricht.“

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Foto: IIlia Pashaeinia

Aktion kritischer Schüler_innen
Valentina Hausdorfer
Telefon: +43 660 7567771
E-Mail: valentina.hausdorfer@aks.at

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