
Gerstorfer zu Felbermayr: „Nicht das Pensionsalter ist zu niedrig – die Beschäftigung Älterer ist zu gering“
PVÖ: Staatsfonds nur als Ergänzung – Bonus-Malus für Betriebe statt höherem Pensionsalter – Aktivpension muss freiwillig und fair bleiben
Zu den heutigen Aussagen von Wifo-Chef Gabriel Felbermayr über Pensionsfonds, höheres Pensionsalter und Aktivpension hält Birgit Gerstorfer, Präsidentin des Pensionistenverbandes Österreichs (PVÖ), fest: „Wer über Pensionsreformen spricht, muss zuerst über den Arbeitsmarkt sprechen. Viele Menschen schaffen es heute nicht einmal gesund und beschäftigt bis zum gesetzlichen Pensionsalter. Eine Anhebung auf 67 löst dieses Problem nicht.“ ****
ERST JOBS FÜR ÄLTERE – DANN ÜBER LÄNGER ARBEITEN REDEN
Die Arbeitslosenquote der 60- bis 64-Jährigen liegt weiterhin auf hohem Niveau. Besonders ältere Frauen sind betroffen.
„Es reicht nicht, von den Menschen zu verlangen, länger zu arbeiten. Sie müssen auch die Chance dazu bekommen“, so Gerstorfer. Der PVÖ fordert daher ein Bonus-Malus-System für Betriebe: Unternehmen, die ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschäftigen und halten, sollen profitieren; Betriebe mit deutlich unterdurchschnittlicher Älterenbeschäftigung stärker beitragen.
STAATSFONDS JA – ABER NICHT STATT GESETZLICHER PENSION
Einen staatlichen Pensionsfonds lehnt der PVÖ nicht grundsätzlich ab. Entscheidend sei aber, dass die gesetzliche Pension das Fundament der Alterssicherung bleibt.
„Ein Fonds kann eine sinnvolle Ergänzung sein. Er darf aber niemals als Vorwand dienen, das umlagefinanzierte Pensionssystem schlechtzureden oder durch Kapitalmarktmodelle zu ersetzen“, betont Gerstorfer.
AKTIVPENSION: FREIWILLIG, ABER FAIR FÜR FRAUEN
Auch bei der Aktivpension unterstreicht Gerstorfer die Position des PVÖ: Wer nach Erreichen des gesetzlichen Pensionsalters freiwillig weiterarbeiten will und kann, soll davon profitieren.
„Aber Frauen dürfen nicht wieder benachteiligt werden. Wer wegen Kindererziehung, Pflege und Teilzeit weniger Versicherungsjahre erreicht, darf nicht ein zweites Mal bestraft werden. Deshalb bleiben wir bei unserer Forderung: 30 Versicherungsjahre müssen für Frauen reichen.“
PFLEGE NICHT GEGEN PENSIONEN AUSSPIELEN
Dass der demografische Wandel auch Pflege und Gesundheit vor große Herausforderungen stellt, sei unbestritten. „Wir brauchen dafür langfristige Finanzierung und gute Strukturen. Aber Pflege, Gesundheit und Pensionen gegeneinander auszuspielen, führt nicht weiter“, so Gerstorfer.
„LÄNGER ARBEITEN MUSS MÖGLICH SEIN – NICHT NUR VERORDNET WERDEN“
Gerstorfer abschließend: „Die entscheidende Frage ist nicht, wie wir Menschen gesetzlich länger arbeiten lassen. Entscheidend ist, ob sie gesund bleiben, einen Arbeitsplatz haben und freiwillig länger arbeiten können. Genau dort muss Politik ansetzen.“ (Schluss)
Pensionistenverband Österreichs
Generalsekretär Christian Rösner-El-Heliebi, MSc.
Mag. Susanne Ellmer-Vockenhuber, Bakk.
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