BÖP: Psychische Versorgung braucht ausreichend Ausbildungsplätze

Akademisierung der Psychotherapie wichtiger Schritt – BÖP fordert gleichzeitig Lösung des Ausbildungsengpasses in Klinischer Psychologie und Gesundheitspsychologie

Der Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP) begrüßt die Akademisierung der Psychotherapieausbildung und sieht den Start des neuen universitären Masterstudiums Psychotherapie mit 1. Oktober 2026 als wichtigen Schritt für die Weiterentwicklung der psychosozialen Versorgung in Österreich. Entscheidend ist, was tatsächlich bei den Menschen ankommt: ausreichend qualifizierte Fachkräfte und eine gut zugängliche psychische Gesundheitsversorgung.

PSYCHOLOGIE: WISSENSCHAFTLICH FUNDIERT UND AKADEMISCH VERANKERT

Die Psychologie blickt auf eine lange universitäre Tradition zurück: An der Universität Wien wurde bereits 1922 das Psychologische Institut gegründet und damit eine bis heute bestehende wissenschaftliche Verankerung des Fachs geschaffen. Seit mehr als einem Jahrhundert trägt die Psychologie damit zur wissenschaftlichen Erforschung, Weiterentwicklung und Anwendung psychologischer Erkenntnisse bei.

Klinische Psycholog:innen absolvieren nach ihrem fünfjährigen Psychologiestudium eine gesetzlich geregelte umfassende postgraduelle Fachausbildung. Sie sind unter anderem in niedergelassenen Praxen, Spitälern, Schulen, Unternehmen und verschiedensten Gesundheitseinrichtungen tätig. Klinische Psycholog:innen diagnostizieren, behandeln und beraten Menschen (Betroffene und Angehörige) jeden Alters bei psychischen Belastungen und Erkrankungen. Damit leisten sie einen wesentlichen Beitrag zur psychischen Versorgung der Bevölkerung.

ENGPASS BEI AUSBILDUNGSPLÄTZEN GEFÄHRDET BERUFLICHEN NACHWUCHS

Die aktuelle Ausbildungssituation in Klinischer Psychologie und Gesundheitspsychologie stellt die mehr als 1.200 Personen in Ausbildung vor große Herausforderungen. Eine BÖP-Umfrage von Ende 2025, an der rund 39% aller derzeitigen Ausbildungskandidat:innen in Österreich teilnahmen, verdeutlicht die angespannte Lage:

* 86,46 % der Befragten beurteilen die derzeitige Ausbildungssituation für Klinische Psycholog:innen und Gesundheitspsycholog:innen als SCHLECHT BIS SEHR SCHLECHT.
* 82,51% empfinden die Suche nach einer praktischen Ausbildungsstelle als sehr anstrengend.
* Die DURCHSCHNITTLICHE WARTEZEIT zwischen zwei Ausbildungsstellen beträgt 5,2 MONATE.
* 31,53% sahen sich aufgrund dieser Wartezeiten gezwungen, sich kurzfristig BEIM AMS ZU MELDEN.

Das hat direkte Folgen für den beruflichen Nachwuchs und bedroht mittelfristig die psychosoziale Versorgung der Menschen. Aus Sicht des BÖP braucht es daher verlässliche Rahmenbedingungen für den praktischen Teil der Ausbildung, ausreichend Ausbildungsplätze sowie Qualitätssicherung. Der BÖP hat bereits konkrete Lösungsvorschläge erarbeitet – nun braucht es einen raschen Schulterschluss aller Entscheidungsträger:innen wie Landeskrankenanstalten, Gesundheitseinrichtungen und Politik.

„Wir haben junge, hochqualifizierte Menschen, die in diesem Beruf arbeiten wollen – und gleichzeitig fehlen ihnen die notwendigen Ausbildungsplätze. Das können wir uns angesichts des hohen Bedarfs an psychologischer Versorgung nicht leisten“ betont BÖP-Präsidentin a.o. Univ.-Prof.in Dr.in Beate Wimmer-Puchinger.

PSYCHISCHE GESUNDHEITSVERSORGUNG IN DEN MITTELPUNKT STELLEN

Für den BÖP ist zentral, dass neue Strukturen zu einer besseren psychischen Gesundheitsversorgung der Bevölkerung beitragen. Österreich braucht sowohl Klinische Psychologie als auch Psychotherapie – und für beide entsprechende Rahmenbedingungen.

Mit PSYHELP und dem Ausbau der kassenfinanzierten klinisch-psychologischen Behandlung wurde 2026 bereits ein großer Schritt gemacht. Gleichzeitig braucht es eine konsequente Weiterentwicklung der psychischen Versorgung.

„Der Bedarf an psychologischer Unterstützung ist hoch. Es braucht jetzt ausreichend Ausbildungsplätze und nachhaltige Finanzierungsmodelle, damit die psychologische Versorgung in Österreich langfristig gesichert werden kann“, so BÖP-Präsidentin a.o. Univ.-Prof.in Dr.in Beate Wimmer-Puchinger.

Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP)
Nathalie Winterink, BA BSc MSc
Telefon: 0670 35 41 296
E-Mail: presse@boep.at
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