
Makrele, Altanto-Skandischer Hering und Blauer Wittling unter doppeltem Druck durch Überfischung und Klimawandel
MSC FORDERT KÜSTENSTAATEN IM NORDOSTATLANTIK ZUR EINIGUNG AUF NACHHALTIGE FANGQUOTEN AUF – IN DEN VERGANGENEN ZEHN JAHREN WURDEN INSGESAMT 7,2 MILLIONEN TONNEN MEHR GEFANGEN, ALS WISSENSCHAFTLICH EMPFOHLEN
Der Marine Stewardship Council (MSC) fordert die Fischereinationen im Nordostatlantik auf, ihren jahrelangen Streit über die Aufteilung der Fangmengen für Makrele, Atlanto-Skandischen Hering und Blauen Wittling endlich beizulegen. Die Staaten müssen sich auf verbindliche Quotenanteile einigen, damit die Bestände langfristig geschützt werden können. Der Handlungsdruck steigt zusätzlich durch den Klimawandel, denn kleine Schwarmfische wie Makrele und Hering reagieren besonders sensibel auf Veränderungen ihrer Umwelt.
Neue Daten des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) zeigen das Ausmaß des Problems: Bei der Makrele lagen die tatsächlichen Fangmengen in den vergangenen zehn Jahren im Durchschnitt 32 Prozent über den wissenschaftlich empfohlenen Mengen. Ursache dafür ist, dass die beteiligten Staaten ihre Fangquoten einseitig festlegen, ohne sich auf eine gemeinsame Aufteilung der wissenschaftlich empfohlenen Gesamtfangmenge zu einigen.
Zwar zeigen die jüngsten Daten eine leichte Verbesserung des Makrelenbestands. Er liegt jedoch weiterhin nahe an einer kritischen Grenze. Wird weiterhin zu viel Makrele gefangen, könnte diese positive Entwicklung zunichtegemacht und eine Erholung des Bestands verhindert werden.
Beim Atlanto-Skandischen Hering haben sich die Fangmengen zuletzt den wissenschaftlichen Empfehlungen angenähert. Auch der Bestand des Blauen Wittlings befindet sich derzeit in einem gesunden Zustand, doch die weiterhin zu hohen Fangmengen stellen ein Risiko dar.
Eine Analyse des MSC auf Basis der aktuellen ICES-Daten zeigt: Zusammengenommen wurden in den vergangenen zehn Jahren MEHR ALS 7,2 MILLIONEN TONNEN MAKRELE, ATLANTO-SKANDISCHER HERING UND BLAUER WITTLING ÜBER DIE WISSENSCHAFTLICH EMPFOHLENEN FANGMENGEN HINAUS GEFANGEN. Bei Einhaltung der wissenschaftlichen Empfehlungen hätten diese Fische im Meer bleiben müssen.
Der MSC fordert deshalb Großbritannien, Norwegen, Island, die Färöer, die EU, Grönland und Russland auf, die anstehenden jährlichen Verhandlungen im Rahmen der Fischereikommission für den Nordostatlantik (NEAFC) zu nutzen und für alle drei gemeinsam bewirtschafteten Bestände eine Einigung zu erzielen.
ENORME BEDEUTUNG FÜR ÖKOSYSTEM, ERNÄHRUNG UND WIRTSCHAFT
Makrele, Atlanto-Skandischer Hering und Blauer Wittling gehören zu den größten Fischbeständen Europas. Als kleine Schwarmfische spielen sie eine zentrale Rolle im marinen Nahrungsnetz. Gleichzeitig sind sie wirtschaftlich bedeutend – für Fischereibetriebe und Küstengemeinden ebenso wie für internationale Lieferketten.
Auch für die menschliche Ernährung sind insbesondere Makrele und Hering wertvoll: Sie sind vergleichsweise erschwingliche Lebensmittel und liefern unter anderem wichtige Omega-3-Fettsäuren.
Seit Jahren gelingt es den beteiligten Staaten jedoch nicht, sich darauf zu einigen, wie die wissenschaftlich empfohlene Gesamtfangmenge untereinander aufgeteilt werden soll. In der Folge legen einzelne Staaten ihre Quoten selbst fest – und in Summe wird mehr gefangen als wissenschaftlich empfohlen. Aufgrund der fehlenden gemeinsamen Bewirtschaftung und der daraus resultierenden zu hohen Fangmengen verloren die betreffenden Fischereien ihre MSC-Zertifizierung.
KLIMAWANDEL ERHÖHT DEN HANDLUNGSDRUCK
Eine internationale Einigung ist heute wichtiger denn je. Die durchschnittlichen globalen Meeresoberflächentemperaturen haben 2026 Rekordwerte erreicht und könnten weiter steigen. Für Fischbestände, deren Verbreitung und Entwicklung stark von Umweltbedingungen beeinflusst werden, verschärft dies die Herausforderungen zusätzlich.
Aus Sicht des MSC braucht es deshalb eine gemeinsame, wissenschaftsbasierte Bewirtschaftung, die sich an veränderte Umweltbedingungen anpassen kann. Die Fangmengen müssen den wissenschaftlichen Empfehlungen entsprechen – auch dann, wenn sich Fischbestände infolge des Klimawandels über nationale Grenzen hinweg verschieben.
ERIN PRIDDLE, REGIONALDIREKTORIN NORDEUROPA BEIM MARINE STEWARDSHIP COUNCIL, SAGT:
„Die Kombination aus sich erwärmenden Meeren und anhaltend zu hohen Fangmengen muss ein Weckruf für die politisch Verantwortlichen sein. Wir sprechen hier über wohlhabende Staaten, denen umfangreiche wissenschaftliche Daten zur Verfügung stehen. Sie müssen ihre jahrelangen politischen Differenzen überwinden, sich auf wissenschaftlich fundierte Fangmengen einigen und endlich eine verbindliche Aufteilung für alle drei Fischbestände vereinbaren.
Makrele, Altanto-Skandischen Hering und Blauen Wittling langfristig zu schützen, ist nicht nur für das Ökosystem im Nordostatlantik entscheidend. Auch zahlreiche Menschen und Küstengemeinden sind auf diese Fischbestände als Nahrungsquelle und wirtschaftliche Lebensgrundlage angewiesen.“
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_HINWEIS AN DIE REDAKTION_
_Referenzen_:
ICES Browse – International Council for the Exploration of the Sea research repository – Figshare
* Atlanto-Skandischer Hering: https://doi.org/10.17895/ices.advice.30932075
* Makrele: https://doi.org/10.17895/ices.advice.30932144
* Blauer Wittling: https://doi.org/10.17895/ices.advice.30932450
MSC-Studie zu den Risiken des Klimawandels für die nachhaltige Fischerei in Cell Reports Sustainability: Cell Reports Sustainability
Der Anstieg der globalen Meeresoberflächentemperaturen verdeutlicht, dass die Ozeane einer beispiellosen Belastung ausgesetzt sind (Copernicus: Daily global sea surface temperature breaks 2024 record | Copernicus)
_Definitionen_:
BIOMASSE bezeichnet die Menge beziehungsweise das Gesamtgewicht eines Fischbestands im Ökosystem. Sie wird berechnet, indem die Anzahl der Fische mit ihrem durchschnittlichen Gewicht multipliziert wird. Die Biomasse ist eine entscheidende Größe für die Festlegung von Fangmengen.
BESTAND bezeichnet eine Einheit, die für Bestandsbewertungen, Fangmengen und Regulierungen verwendet wird. Dabei kann es sich um eine gesamte Fischpopulation, einen Teil einer Population oder um mehrere Populationen handeln, die für die Bewirtschaftung zu einer Einheit zusammengefasst werden.
TAC (TOTAL ALLOWABLE CATCH, ZULÄSSIGE GESAMTFANGMENGE) bezeichnet Fangobergrenzen, die für die meisten kommerziell genutzten Fischbestände festgelegt werden. Wissenschaftliche Empfehlungen geben Fangmengen vor, die die langfristige Nachhaltigkeit der Fischbestände unterstützen sollen. Die tatsächlich festgelegten TACs können jedoch mitunter über diesen wissenschaftlich empfohlenen Mengen liegen.
_DER MARINE STEWARDSHIP COUNCIL (MSC)_ ist eine internationale gemeinnützige Organisation, die weltweit anerkannte Standards für nachhaltigen Fischfang und die Lieferkette für Fisch und Meeresfrüchte setzt. Fischereien, die zusammen 20 Prozent der weltweiten Fangmenge aus Meereswildfang ausmachen, nehmen am MSC-Zertifizierungsprogramm teil.
Weitere Informationen finden Sie auf msc.org/de.
Michael Hegenauer
Ltg. Kommunikation
Marine Stewardship Council (DACH)
+49 (0)30609855290
michael.hegenauer@msc.org
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