ÖGB zum Weltseniorentag: Ältere Menschen verdienen Respekt statt Hürden

Monika Kemperle kritisiert lange Wartezeiten bei Ärzt:innen, Altersdiskriminierung, Verunsicherung bei Pensionen und hohe Wohnkosten als Belastung für viele Pensionist:innen

Anlässlich des morgigen Weltseniorentags macht die Vorsitzende der ÖGB-Pensionist:innen, Monika Kemperle, auf Herausforderungen aufmerksam, mit denen viele ältere Menschen in Österreich konfrontiert sind.

„Wer jahrzehntelang gearbeitet, Angehörige betreut und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beigetragen hat, muss sich auf eine gute Gesundheitsversorgung, leistbares Wohnen und sichere Pensionen verlassen können. Viele ältere Menschen erleben hier jedoch zunehmende Schwierigkeiten. Das darf die Politik nicht ignorieren“, sagt Kemperle.

GESUNDHEITSSYSTEM STÄRKEN STATT MENSCHEN WARTEN LASSEN

Besonders deutlich zeigen sich die Probleme im Gesundheitssystem. Gerade ältere Menschen sind häufig auf medizinische Versorgung angewiesen und spüren die Folgen von Personalmangel und langen Wartezeiten besonders stark.

„Viele Pensionist:innen warten monatelang auf Arzttermine, müssen Behandlungen privat bezahlen oder finden keinen passenden Pflegeplatz. Wer krank ist, braucht rasche Hilfe und keine zusätzlichen Hürden“, kritisiert Kemperle.

Die ÖGB-Pensionist:innen fordern daher eine rasche Umsetzung der Gesundheitsreform, mehr Kassenärzt:innen, kürzere Wartezeiten sowie den Ausbau von Präventions-, Pflege- und Betreuungsangeboten.

„Gesundheit darf nicht davon abhängen, wie viel jemand verdient und ob ein Termin privat bezahlt werden kann“, betont Kemperle.

ALTERSDISKRIMINIERUNG UND DIGITALE AUSGRENZUNG BEKÄMPFEN

Handlungsbedarf sieht Kemperle auch bei der Benachteiligung älterer Menschen am Arbeitsmarkt und im Alltag.

„Es ist nicht akzeptabel, dass Menschen ab 50 bei der Jobsuche schlechtere Chancen haben oder ihre Erfahrung zu wenig geschätzt wird. Gerade ältere Arbeitnehmer:innen bringen Wissen und Kompetenzen mit, auf die Betriebe nicht verzichten können“, sagt Kemperle.

Die ÖGB-Pensionist:innen fordern daher ein Bonus-Malus-System für Unternehmen. Betriebe, die ältere Arbeitnehmer:innen beschäftigen und halten, sollen unterstützt werden. Unternehmen, die ältere Beschäftigte verdrängen oder kaum einstellen, sollen einen finanziellen Beitrag leisten.

Kritisch sieht Kemperle außerdem die fortschreitende Digitalisierung vieler Alltagsbereiche.

„Ob Bankgeschäfte, Behördenwege oder Ticketkauf: Immer mehr Angebote sind nur noch digital verfügbar. Wer damit nicht vertraut ist, stößt rasch auf Hindernisse. Teilhabe darf aber nicht von Apps und Passwörtern abhängen“, gibt Kemperle zu bedenken.

Die ÖGB-Pensionist:innen fordern deshalb ein Recht auf analoge Alternativen.

VERLÄSSLICHE PENSIONEN STATT STÄNDIGER VERUNSICHERUNG

Sorgen bereitet vielen Pensionist:innen auch die laufende Debatte über das Pensionssystem.

„Das öffentliche Pensionssystem hat sich bewährt. Es sorgt für verlässliche Pensionen und bietet Sicherheit, auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Wer private Vorsorge als Lösung für alle darstellt, verschweigt oft die Risiken und Unsicherheiten, die damit verbunden sind“, sagt Kemperle.

Das Umlageverfahren stärke den Zusammenhalt zwischen den Generationen und garantiere verlässliche Pensionen, hält Kemperle fest.

LEISTBARES WOHNEN MUSS AUCH IM ALTER MÖGLICH SEIN

Neben Gesundheit und sozialer Sicherheit zählen die Wohnkosten zu den größten Sorgen vieler älterer Menschen. Die meisten möchten möglichst lange in ihrem gewohnten Umfeld bleiben. Steigende Mieten, Betriebskosten und Energiepreise erschweren das jedoch zunehmend.

„Niemand soll im Alter Angst haben müssen, die eigene Wohnung nicht mehr bezahlen zu können. Wohnen muss auch für Pensionist:innen leistbar bleiben“, fordert Kemperle.

Die ÖGB-Pensionist:innen sprechen sich daher für eine Nachbesserung bei der Mietpreisbremse, gezielte Mietzinszuschüsse und mehr leistbaren sowie seniorengerechten Wohnraum aus.

DER ÖGB FORDERT:

* Ausbau des öffentlichen Gesundheitssystems
* Mehr Kassenärzt:innen und kürzere Wartezeiten
* Mehr Investitionen in Prävention und betriebliche Gesundheitsförderung
* Pflege und Betreuung für alle leistbar machen und langfristig absichern
* Bonus-Malus-System für die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer:innen
* Mehr alternsgerechte Arbeitsplätze
* Stärkung des öffentlichen Pensionssystems
* Recht auf analoge Alternativen
* Analoge Zugänge zu staatlichen Leistungen und Förderungen
* Schutz vor Diskriminierung aufgrund fehlender digitaler Kompetenzen
* Nachbesserung bei der Mietpreisbremse
* Mehr leistbaren und seniorengerechten Wohnraum
* Mietzinszuschüsse für Senior:innen

Über uns:

Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) vertritt rund 1,2 Millionen Arbeitnehmer:innen in Österreich. Gemeinsam mit seinen sieben Gewerkschaften setzt sich der ÖGB als überparteiliche Interessenvertretung für gute Arbeitsbedingungen, faire Löhne und Gehälter sowie soziale Gerechtigkeit ein.

ÖGB Kommunikation
Christine Esterbauer
Telefon: +43664 8333619
E-Mail: christine.esterbauer@oegb.at

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