
Autobahnbau in Österreich unter NS-Herrschaft wissenschaftlich neu aufgearbeitet
Umfassende neue Publikation richtet sich auch an ein breites Zielpublikum
„AUTOBAHNBAU IN ÖSTERREICH UNTER NS-HERRSCHAFT. KONZEPTION – INSZENIERUNG – (ZWANGS)ARBEIT – FOLGEN“ IST DER TITEL EINER AKTUELL IM BÖHLAU VERLAG ERSCHIENENEN PUBLIKATION. DAS BUCH IST IM HANDEL UND ONLINE ERHÄLTLICH UND RICHTET SICH AUCH AN BREITES, HISTORISCH INTERESSIERTES ZIELPUBLIKUM. HEUTE MONTAG, 5. OKTOBER WURDE DAS BUCH BEI DER ASFINAG MIT EINLEITENDEN WORTEN VON MOBILITÄTSMINISTER PETER HANKE UND VORSTAND HARTWIG HUFNAGL IN WIEN PRÄSENTIERT. DER MYTHOS VON ADOLF HITLER ALS ERFOLGREICHEM AUTOBAHNBAUER UND SOMIT BEKÄMPFER DER MASSENARBEITSLOSIGKEIT WIRD DAMIT IN ALLER DEUTLICHKEIT WIDERLEGT.
Auf Initiative der ASFINAG hat die Österreichische Gesellschaft für Zeitgeschichte (ÖGZ) unter der Leitung von Dr. Bertrand Perz, Universitätsprofessor am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien, den Autobahnbau in Österreich zwischen 1935 und 1950 erstmals wissenschaftlich umfassend aufgearbeitet. Die Schwerpunktsetzung des Teams – mit den Historikerinnen Alexandra Wachter und Gabriele Hackl-Schwind – galt den Themen Arbeitswelt, Beschäftigungspolitik und Zwangsarbeit von zivilen ausländischen Arbeitskräften, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen während der NS-Zeit. Weiters im Fokus: die Nachnutzung der Reichsautobahnen in der Zweiten Republik.
Mobilitätsminister Peter Hanke: „Infrastruktur ist immer auch Ausdruck des gesellschaftlichen und politischen Selbstverständnisses eines Landes. Der Autobahnbau unter der NS-Herrschaft zeigt auf erschütternde Weise, wie ein totalitäres Regime Infrastruktur für Propaganda missbraucht und Menschen entrechtet und zur Zwangsarbeit gezwungen hat. Der entscheidende Unterschied zu unserem heutigen Österreich ist: Wir bauen Infrastruktur für die Menschen. In einer liberalen Demokratie steht die Bevölkerung im Mittelpunkt. Gute Infrastruktur braucht daher gesellschaftliche Verantwortung und demokratische Legitimation. Die wissenschaftliche Aufarbeitung hilft uns, historische Mythen zu überwinden und unsere Verantwortung für eine leistungsfähige und moderne Infrastruktur wahrzunehmen.“
„Mit der Initiative und Finanzierung des groß angelegten Projekts zur Geschichte des Autobahnbaus in der NS-Zeit übernehmen wir als ASFINAG gesellschaftliche Verantwortung. Die Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels der österreichischen Geschichte schließt eine Forschungslücke, und als Unternehmen der Republik leisten wir damit einen Beitrag zu einer zeitgemäßen Erinnerungskultur“, betonte der ASFINAG-Vorstand Hartwig Hufnagl im Rahmen der Buchpräsentation.
Bertrand Perz: „Autobahnen sind ein wesentlicher Teil unserer Lebenswelt, die Zweite Republik ist von ihrem Bau geprägt. Mit dem von der ASFINAG geförderten Projekt ergab sich die Chance, vielen Mythen, die sich um den Autobahnbau in der NS-Zeit ranken, gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse entgegenzusetzen. Obwohl ich vor diesem Forschungsprojekt schon einiges über die Geschichte der Autobahn wusste, hatte ich wenig Vorstellungen über den tatsächlichen Umfang der während der NS-Zeit durchgeführten Baumaßnahmen. Besonders erstaunt hat mich die enorme Diskrepanz zwischen der von der NS-Propaganda behaupteten Erfolgsstory des Baus der Reichsautobahn und den großen Problemen bei deren praktischer Realisierung.“
1938: PROPAGANDA-SPATENSTICH AM WALSERBERG BEI SALZBURG
Autobahnen sind entgegen der propagandistischen Darstellung keine Erfindung der Nationalsozialisten. Rein dem Autoverkehr vorbehaltene, kreuzungsfreie Straßen gab es bereits in Italien, den USA und der deutschen Weimarer Republik. Auch in Österreich bestanden vor dem „Anschluss“ 1938 Konzepte für Schnellstraßen, der Bau selbst begann aber erst unter NS-Herrschaft mit dem propagandistisch groß inszenierten Spatenstich durch Adolf Hitler am Walserberg am 7. April 1938. Zuständig für den Bau waren vier Oberste Bauleitungen in München, Linz, Wien und Villach, denen Bauabteilungen untergeordnet waren.
ASFINAG Pressesprecher
Mag. Christoph Pollinger, M.A.
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E-Mail: christoph.pollinger@asfinag.at
Website: https://www.asfinag.at
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