BFI Wien: Wer bei der Lehrausbildung nur die Kosten sieht, übersieht ihren Wert

BFI-Wien-Chef Franz-Josef Lackinger widerspricht Kritik der WKÖ an überbetrieblicher Lehre: „Die Frage ist nicht, was Ausbildung kostet, sondern was fehlende Ausbildung kostet.“

Die Zahl der betrieblichen Lehrlinge sinkt, während die überbetriebliche Lehrausbildung (ÜBA) immer mehr Jugendliche auffängt. Für die Wirtschaftskammer ist das vor allem eine Kostenfrage. Für das BFI Wien greift diese Betrachtung deutlich zu kurz. „Wenn allein in Wien mehr als 5.000 betriebliche Lehrstellen fehlen, ist es bemerkenswert, ausgerechnet jene Einrichtungen wegen ihrer Kosten zu kritisieren, die jungen Menschen trotzdem eine Berufsausbildung ermöglichen“, stellt Franz-Josef Lackinger, Geschäftsführer des BFI Wien, klar.

Denn die überbetriebliche Lehrausbildung ist keine Konkurrenz zur betrieblichen Lehre, sondern deren notwendige Ergänzung. Die Jugendlichen, die hier ausgebildet werden, haben vielfach bereits zahlreiche erfolglose Bewerbungen hinter sich. Sie wollen eine Lehre absolvieren, finden aber keinen Betrieb, der ihnen diese Chance bietet.

„Niemand entscheidet sich gegen eine betriebliche Lehrstelle, nur weil es die überbetriebliche Lehre gibt. Diese Jugendlichen suchen einen Ausbildungsplatz, den ihnen der Arbeitsmarkt nicht bietet. Ihnen dann auch noch vorzurechnen, wie teuer ihre Ausbildung ist, geht am eigentlichen Problem vorbei“, so Lackinger.

AUSBILDUNG SCHAFFT FACHKRÄFTE – UND RECHNET SICH

Dass die überbetriebliche Lehrausbildung funktioniert, zeigen auch die Erfahrungen des BFI Wien. Rund 30 bis 40 Prozent der Jugendlichen werden bereits während ihrer Ausbildung in ein reguläres betriebliches Lehrverhältnis übernommen. Von jenen, die am BFI Wien zur Lehrabschlussprüfung antreten, bestehen im Schnitt knapp 90 Prozent.

Auch die volkswirtschaftliche Rechnung spricht für die ÜBA. Eine Untersuchung der Synthesis Forschung hat gezeigt, dass sich die Investitionen in die überbetriebliche Lehrausbildung bereits zu Beginn des vierten Jahres amortisieren. Die zusätzliche Wertschöpfung und die höheren öffentlichen Einnahmen machen deutlich, dass berufliche Ausbildung nicht nur Geld kostet, sondern langfristig einen erheblichen wirtschaftlichen Nutzen bringt.

„Natürlich kostet qualitätsvolle Ausbildung Geld. Aber Jugendliche ohne Berufsabschluss, schlechtere Beschäftigungschancen und ein höheres Risiko, arbeitslos zu werden, kosten unsere Gesellschaft langfristig deutlich mehr. Wer nur die jährlichen Ausgaben gegenüberstellt, lässt den volkswirtschaftlichen Nutzen völlig außer Acht“, betont Lackinger.

BETRIEBE BRAUCHEN NACHWUCHS – DIE ÜBA ERÖFFNET PERSPEKTIVEN

Während die Zahl der betrieblichen Ausbildungsplätze zurückgeht, bietet die ÜBA Jugendlichen eine Perspektive auf eine qualifizierte Berufsausbildung. Davon profitieren auch Unternehmen: Sie können potenzielle Lehrlinge im Rahmen von Praktika kennenlernen und anschließend in ein betriebliches Lehrverhältnis übernehmen. Umso widersprüchlicher ist es, ausgerechnet jene Ausbildungsangebote vor allem als finanzielle Belastung darzustellen, die dort einspringen, wo betriebliche Lehrstellen fehlen.

„Wir brauchen mehr Betriebe, die Lehrlinge ausbilden. Darüber gibt es überhaupt keine Diskussion. Aber solange tausende Jugendliche trotz ihrer Bemühungen keinen betrieblichen Ausbildungsplatz finden, brauchen wir auch eine starke überbetriebliche Lehrausbildung“, so Lackinger.

Für den BFI-Wien-Geschäftsführer steht deshalb fest: „Die Wirtschaftskammer sollte die überbetriebliche Lehre nicht allein an ihren Kosten messen, sondern auch an ihrem Beitrag zur Ausbildung qualifizierter Arbeitskräfte und zur wirtschaftlichen Wertschöpfung. Denn eines ist sicher: Nicht die Ausbildung dieser Jugendlichen ist zu teuer. Zu teuer wäre es, sie nicht auszubilden.“

Mag. Jan Weinrich, MBA
BFI Wien, Leiter Unternehmenskommunikation
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