
Zwei Steine des Gedenkens vor der Villa Beer
Erinnerung an die jüdische Bauherrenfamilie und die Verfolgung jüdischen Lebens in Hietzing
AM 9. NOVEMBER 2026, DEM JAHRESTAG DER NOVEMBERPOGROME VON 1938, WERDEN VOR DER VILLA BEER IN WIEN-HIETZING ZWEI STEINE DES GEDENKENS ENTHÜLLT. SIE ERINNERN AN ELISABETH BEER, DIE 1942 IM VERNICHTUNGSLAGER MALY TROSTINEC ERMORDET WURDE, SOWIE AN JULIUS, MARGARETHE UND HANS BEER, DENEN 1940 DIE FLUCHT IN DIE USA GELANG. DER VEREIN STEINE DES GEDENKENS AN DIE OPFER DER SHOAH UND DIE VILLA BEER FOUNDATION SETZEN DAMIT EIN SICHTBARES ZEICHEN GEGEN DAS VERGESSEN.
Die Villa Beer in der Wenzgasse 12 wurde 1929/30 von den Architekten Josef Frank und Oskar Wlach für Julius und Margarethe Beer errichtet. Das Haus gilt als Schlüsselwerk der Wiener Moderne und ist seit März 2026 öffentlich zugänglich. Seine Geschichte ist untrennbar mit dem Schicksal der jüdischen Familie verbunden, die es erbauen ließ.
Julius Beer war Unternehmer und Gesellschafter der Berson Kautschuk GmbH. Gemeinsam mit seiner Frau Margarethe, einer ausgebildeten Pianistin, schuf er einen Ort für das Familienleben und kulturelle Begegnungen. Die Familie bezog die Villa 1930. Wirtschaftliche Schwierigkeiten zwangen sie, das Haus ab 1932 zeitweise zu vermieten. 1938 ging es im Zuge eines Versteigerungsverfahrens in den Besitz der finanzierenden Versicherungs-gesellschaft über. Julius und Margarethe Beer gelang 1940 gemeinsam mit ihrem Sohn Hans die Flucht in die USA. Ihre Tochter Elisabeth blieb zurück. Aufgrund einer Gehbehinderung infolge einer Polio-Erkrankung und der restriktiven US-Einwanderungs-politik erhielt sie keine Einreisegenehmigung. Am 27. Mai 1942 wurde sie in das Vernichtungslager Maly Trostinec deportiert und dort am 1. Juni 1942 ermordet.
„Die Villa Beer ist nicht nur ein bedeutendes Werk der Architekturgeschichte. Sie erzählt auch von den Menschen, die dieses Haus geschaffen und bewohnt haben, von ihrem kulturellen Leben und von den Brüchen, die der Nationalsozialismus in ihre Biografien gerissen hat. Diese Geschichten sichtbar zu machen und an ihrem historischen Ort zu vermitteln, ist für uns ein wesentlicher Teil unserer Verantwortung“, so Lothar Trierenberg, Geschäftsführer der Villa Beer Foundation.
Die Enthüllung der beiden Steine findet im Rahmen einer Veranstaltung mit geladenen Gästen und in Anwesenheit von Nachfahren der Familie Beer statt. Sie ist Teil einer Erinnerungsarbeit, die individuelle Lebensgeschichten im öffentlichen Raum sichtbar macht und das Gedenken dauerhaft am Ort des einstigen Familienwohnsitzes verankert.
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Karin Widhalm
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