
28. Journalistinnenkongress: Wie Machthabende De-Individualisierung nutzen
Wem Aufmerksamkeit geschenkt wird, entscheiden Medien und Politik aktiv mit – ob bewusst oder unbewusst. Philosophie-Professorin Maria Kronfeldner appellierte am 28. Journalistinnenkongress in Wien an Medienschaffende, Verantwortung zu übernehmen.
Berichte über Flüchtlinge, Demonstrierende oder Migrantinnen und Migranten sind weitgehend bekannt. Dass dabei oft gezielt die Menschen als Masse dargestellt werden, ist ein Problem, mit dem sich Philosophie-Professorin Maria Kronfeldner auseinandersetzt. Denn Medien haben Macht darüber, wie und worüber sie berichten. Den Mechanismus, Individuen zu Gruppen werden zu lassen, bezeichnete sie als „De-Individualisierung”. Dieser Krise des Wissens sollte mit einer Ethik der Aufmerksamkeit begegnet werden.
WER ENTSCHEIDET ÜBER MASSEN?
„Auch Bilder können so gestaltet werden, dass sie beim Gegenüber keine Sympathie auslösen”, so Kronfeldner. Als Beispiel führte sie die Nazi-Propagandaplakate gegen Juden an, die maßgeblich die Wahrnehmung der marginalisierten jüdischen Bevölkerung prägten. Auch heute ist das noch relevant: Oft würden große Gruppen von Personen verallgemeinert angesprochen – Flüchtlinge als Masse dargestellt, nicht als Gruppe von Individuen. Kronfeldner bezeichnete das auch als „Stummschaltung”.
MIT PERSÖNLICHKEIT GEGEN DIE HOMOGENISIERUNG
Als Kontrast dazu arbeiten humanitäre Organisationen bewusst mit Gesichtern, um ein Gefühl der Nähe und Betroffenheit hervorzurufen – auch „Re-Individualisierung” genannt. Bewusst Gesichter zu zeigen und Namen zu erwähnen, sei ein wichtiger Teil der Praxis von Journalistinnen und Journalisten. „So kann Nähe und Empathie vermittelt werden”, so Kronfeldner. „Gesichter zu zeigen erzeugt Menschlichkeit und Empathie und ist wirksam, um der Krise des Wissens zu begegnen.”
Journalistinnen und Journalisten sind dafür verantwortlich, auf gesellschaftspolitische Konfliktthemen aufmerksam zu machen und niemandem die Macht zu geben, Individuen verschwinden zu lassen. Besonders wichtig sei es, das aktiv voranzutreiben. „Es ist eine Ethik, die nur im Tun entstehen und reproduziert werden kann”, so Maria Kronfeldner.
von Eva Pretterhofer und Magdalena Kurz
Österreichischer Journalistinnenkongress
Dr.in Ulrike Schöflinger
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