Online-Tagung für den deutschsprachigen Raum rückt Kinder von Inhaftierten in den Mittelpunkt

Fachvorträge, Berichte von Menschen mit Lebenserfahrung sowie Best-Practice Workshops am Internationalen Tag der Kinderrechte

Wenn über Straffälligkeit, Verurteilung und Inhaftierung gesprochen wird, steht meist die inhaftierte Person im Zentrum. Deutlich weniger sichtbar sind die Opfer, aber auch die Angehörigen der verurteilten Person. Über 100.000 Kinder sind schätzungsweise in Deutschland von der Inhaftierung eines Elternteils betroffen (vgl. Auridis-Stiftung.de). Zahlen für Österreich und die Schweiz fehlen.

Tief greift diese Verurteilung in das Familienleben ein – in Bindungen, Alltagsstrukturen, finanzielle Sicherheit und das emotionale Erleben der Kinder. „Kinder erleben die Inhaftierung eines Elternteils nicht nur emotional. Sie betrifft ihren Familienalltag, ihre Beziehungen, ihr soziales Umfeld und ihre Begegnungen mit Institutionen. Entscheidend ist, Kinder dabei nicht nur als Angehörige zu betrachten, sondern als eigenständige Träger:innen von Rechten und Bedürfnissen. Sie brauchen verständliche Informationen, verlässliche Begleitung und die Möglichkeit, mit ihren Fragen gesehen und gehört zu werden.“, so Selin Arikoglu von der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin.

In den deutschsprachigen Ländern gibt es zwar einzelne Unterstützungsangebote, eine gezielte und flächendeckende Begleitung von Kindern inhaftierter Eltern fehlt jedoch weiterhin. „Am besten sind behutsame, aber gezielte Gespräche oder Spielvormittage mit Vätern und Kindern zusammen. Da ereignet sich oft Wunderbares: die Begegnung stärkt beide Seiten und Rehabilitation wird vorbereitet und umgesetzt.“, berichtet Matthias Geist, Superintendent der Evangelischen Kirche A.B. Wien, und langjähriger Gefängnisseelsorger.

Die Online-Fachkonferenz „(Un)Sichtbar – Kinder von Inhaftierten“ widmet sich am Freitag, 20. November 2026, von 9 bis 16 Uhr den Lebenslagen und Bedürfnissen dieser Kinder. Im Mittelpunkt stehen die konkreten Auswirkungen der Inhaftierung auf betroffene Kinder sowie Strategien für eine bessere Unterstützung und Begleitung.

MITGEFANGEN – KINDER VON INHAFTIERTEN

Die schweizer Filmemacherin Annina Furrer macht sich in ihrem knapp einstündigen Dokumentarfilm „Mitgefangen“ (2023, 49 min, R. Annina Furrer) auf, die Unsichtbarkeit von Kindern inhaftierter Eltern aufzuheben. Sie portraitiert Angehörige von Haftinsass:innen und lässt Menschen aus der Deutschschweiz erzählen, welche unvorstellbaren Unwegsamkeiten das System für sie bereit hielt und wie wenig Unterstützungsmöglichkeiten es gab und gibt.

Albert-Schweitzer-Haus Forum der Zivilgesellschaft (ASH Forum)
Angelika Neuner
Telefon: 0043 66488588922
E-Mail: angelika.neuner@ash-forum.at
Website: https://www.ash-forum.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
© Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender