
Stellungnahme der Österreichischen Gesellschaft für Public Health (ÖGPH)
Wien (OTS) – Stellungnahme der Österreichischen Gesellschaft für
Public Health (ÖGPH) Kompetenzgruppen für “Sexuelle und
geschlechtliche Vielfalt“ für Public Mental Health“ und für „Kinder-
und Jugendgesundheit“
Menschenrechte beinhalten auch das Recht auf sexuelle und
geschlechtliche Identität: Unwissenschaftliche und unethische
sexualpädagogische Lehrinhalte gefährden die Gesundheit von Kindern
und Jugendlichen
Die sexuelle Entwicklung ist Teil der Persönlichkeitsentwicklung
des Menschen, verläuft auf kognitiver, emotionaler, sensorischer und
körperlicher Ebene und wird häufig von Ängsten, Schamgefühlen,
Unsicherheiten und Fehlinformationen begleitet. Kinder und
Jugendliche in ihrer sexuellen Entwicklung zu unterstützen, ist
deshalb eine zentrale Aufgabe und ein Prozess, in dem nicht nur die
Eltern, sondern auch Bildungseinrichtungen eine wichtige Rolle
spielen.
Dabei ist besonders eine zugewandte, offene Haltung gegenüber den
Fragen der Kinder und Jugendlichen und die Vermittlung von ethisch
und wissenschaftlich anerkannten Inhalten zu Sexualität, Geschlecht
und Rollenbildern wichtig. Dies gilt v.a. für all jene Berufsgruppen,
die mit Kindern und Jugendlichen in unterschiedlichen Kontexten zu
tun haben. Vor diesem Hintergrund erfüllt eine zeitgemäße und
qualitätsgesicherte Sexualpädagogik einen bedeutsamen präventiven
Beitrag für ein gesundes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen
(siehe hierzu etwa eine rezente Evidenzanalyse der UNESCO).
Pädagog*innen, Ärzt*innen, Psychotherapeut*innen, Psycholog*innen und
Sozialarbeiter*innen, denen Kinder und Jugendliche aber auch Eltern
und Erziehungsberechtigte großes Vertrauen entgegenbringen, nehmen
hierbei zentrale Vermittlerrollen ein.
Die Vermittlung von Wissen zu Sexualität, Rollenbildern und
geschlechtlicher Identität zielt insgesamt auf eine Stärkung der
Selbstwirksamkeit von Kindern und Jugendlichen ab und trägt damit
auch zu einem aktiven Gewaltschutz bei. In diesem Verständnis ist
Sexualpädagogik integraler Teil von Public Health, die den Rechten
von Kindern (laut UN-Kinderrechtskonvention) zuarbeitet.
Bedauerlicherweise wurden nun in Österreich Fälle bekannt, wo die
Grundsätze von Ethik und Wissenschaftlichkeit bei der Vermittlung von
sexualpädagogischen Inhalten nicht gewahrt wurden.
Die ÖGPH-Kompetenzgruppen für „Sexuelle und geschlechtliche
Vielfalt“, „Public Mental Health“ und „Kinder- und Jugendgesundheit“
nehmen dies zum Anlass und sprechen sich entschieden gegen
Lehrinhalte und Sichtweisen aus, die eine Heilung oder
Therapienotwendigkeit von Homosexualität in Aussicht stellen bzw.
nahelegen, ideologiegeleitet auf das sexuelle Verhalten von Kindern
und Jugendlichen einwirken möchten, eine undifferenzierte
Geschlechterdichotomie vertreten und Mädchen und Burschen normierte
gesellschaftliche Rollen zuteilen.
Zudem werden aus Gründen der Gesundheitsgefährdung und Ethik
entschieden alle Therapieverfahren und Beratungen abgelehnt, die auf
eine Korrektur der sexuellen Orientierung abzielen. Solche
„Konversionstherapien“ (auch „reparative Verfahren“ oder
„Reorientierungstherapien“ genannt) entbehren jeder
wissenschaftlichen (theoretisch und methodisch soliden) Grundlage und
können vor allem bei Kindern und Jugendlichen zu psychischen
Störungen und Erkrankungen (wie Depressionen, Angsterkrankungen) bis
hin zu selbstschädigendem Verhalten und zu Suizidalität führen.
Potentielle Gesundheitsschäden zu Konversionstherapien wurden in
systematischen Übersichtsarbeiten vom „Center for the Study of
Inequality“ an der Cornell University (2017) oder von der „Task Force
on Appropriate Therapeutic Responses to Sexual Orientation“ der
„American Psychological Association“ (2009) identifiziert.
Die drei ÖGPH-Kompetenzgruppen stehen mit der vorliegenden
Stellungnahme in einer Reihe mit zahlreichen anderen nationalen und
internationalen Fachgesellschaften (wie z.B. mit den
US-amerikanischen Fachgesellschaften für Psychiatrie, für Kinder- und
Jugendpsychiatrie und für Psychologie, dem Referat „Sexuelle
Orientierung in Psychiatrie und Psychotherapie der Deutschen
Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie“ oder der
„Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und
Psychosomatik“), die sich eindeutig und unmissverständlich gegen
„Konversionstherapien“ ausgesprochen haben.
Die vertretenen ÖGPH-Kompetenzgruppen betonen abschließend die
Bedeutung fundierter (sexualpädagogischer,
entwicklungspsychologischer, medizinischer und therapeutischer)
Kenntnisse in den Aus- und Fortbildungen für pädagogische Berufe und
Gesundheits- und Sozialberufe sowie die Bereitstellung und
Vermittlung evidenzinformierter und qualitätsgesicherter Lehrinhalte.
Unterzeichnet von:
[Assoc.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Thomas E. Dorner, MPH]
(https://oeph.at/kurzlebenslauf-t-dorner)
Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Public Health
Dr. Dr. Igor Grabovac
Koordinator ÖGPH-Kompetenzgruppe „Sexuelle und geschlechtliche
Vielfalt“
Dr. Roman Winkler, MMSc
Assoc.-Prof. Priv.-Doz. Dr. [Thomas Niederkrotenthaler]
(mailto:thomas.niederkrotenthaler@meduniwien.ac.at), PhD, MMS
Koordinator ÖGPH-Kompetenzgruppe „Public Mental Health /
Psychosoziale Gesundheit“
Mag.a Dr.in [Rosemarie Felder-Puig]
(mailto:Rosemarie.Felder-Puig@ifgp.at), MSc
Koordinatorin ÖGPH-Kompetenzgruppe „Kinder- und Jugendgesundheit
für den Dialog Wissenschaft – Politik – Praxis“
Dr. Roman Winkler
Roman.Winkler@hta.lbg.ac.at
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