Renaissance von Masern & Co.: Warum Impfen „in“ sein muss – in jedemAlter

Österreichischer Impftag 2019 am 19.1. im Austria Center Vienna unter dem Motto „Impfprävention – Von Jung bis Alt“

Wien (OTS) – „Jedes Alter braucht seine Impfung, von der Phase als
Neugeborenes über die Kindheit und Jugend, bis hin zur
Schwangerschaft und zum hohen Alter.“ Das betont Ursula
Wiedermann-Schmidt, Leiterin des Instituts für Spezifische Prophylaxe
und Tropenmedizin der MedUni Wien und wissenschaftliche Leiterin des
Österreichischen Impftags 2019 – dieser steht dementsprechend unter
dem Motto „Impfprävention – Von Jung bis Alt.“ Und angesichts der
unerwünschten Renaissance von schweren Infektionskrankheiten wie
Masern, Keuchhusten (Pertussis) oder Diphtherie, aber auch den vielen
mit Influenza assoziierten Todesfällen, forderten die ExpertInnen von
MedUni Wien, Österreichischer Ärztekammer und Österreichischer
Apothekerkammer auf einer Pressekonferenz am Mittwoch, dass Impfen
wieder „in“ sein muss und mangelhafter Impfschutz als
gesellschaftliches Problem betrachtet wird.

Um das zu erreichen, sei es dringend notwendig, dem „negativen
Impfpopulismus“ die richtigen und wirksamen Kommunikationsstrategien
entgegenzusetzen, sagte Wiedermann-Schmidt: „Denn nur wenn wir Ärzte
und alle im Gesundheitswesen Tätigen ausreichend Wissen über das
Impfen und die richtigen Kommunikationswege haben, kommt die
Botschaft auch tatsächlich an. Daher haben wir das Immunsystem ins
Zentrum des Plenarvortrags gestellt um zu erinnern, warum bestimmte
Erkrankungen in gewissen Altersgruppen besonders gefährlich sind und
warum Impfungen in allen Altersgruppen wichtig sind.“

„Nur mit einem entsprechenden Grundverständnis können wir
erreichen, dass jede/r Einzelne auch die Verantwortung für das Ganze
übernimmt, um so Erkrankungen und Todesraten durch
Infektionskrankheiten verhindern und verringern zu können“, ergänzt
sie. Allein im ersten Halbjahr 2018 gab es laut
Welt-Gesundheitsorganisation WHO in Europa mehr als 41.000
Masernfälle mit 37 Todesopfern. „Jedes dieser Opfer wäre mit einer
Impfung zu verhindern gewesen.“ Viele Menschen würden etwa Masern als
„Kinderkrankheit“ fehlinterpretieren und daher als etwas „Leichtes“
abtun oder generell das Impfen aus Unwissenheit als „unnatürlich“
ablehnen.

Zwtl.: Vom Schutz des Einzelnen zum Kollektivschutz

Wissensvermittlung über Impfungen muss in der Kindheit mit der
„richtigen Sprache“ erfolgen, betont die Expertin. „Der Vortrag,
‚Echt cool: cruisen, chillen, impfen‘, beschäftigt sich daher nicht
nur mit den Impfungen, die im Jugendlichenalter wichtig sind, sondern
auch damit, wie wir diese Altersgruppe durch die richtige Sprache und
Bilder erreichen und ins Boot holen können.“

Ein erster Schritt, so Wiedermann-Schmidt, müsse die
Impfverpflichtung für alle Menschen sein, die in Gesundheits- und
Sozialberufen arbeiten: „2017 betrafen Masernerkrankungen nahezu 20
Prozent des Gesundheitspersonals in Österreich – ein unhaltbarer
Zustand.“ Abgesehen vom Eigenschutz und Schutz des Patienten bzw. der
Patientin müssten ÄrztInnen, Pflegepersonal sowie ApothekerInnen als
starkes Vorbild vorangehen, um die Bevölkerung zu motivieren, sich
auch impfen zu lassen. Nur der Individualschutz führt auch zum
Kollektivschutz. Wiedermann-Schmidt: „Doch leider stellen wir fest,
dass der Zeitgeist ‚Egoismus‘ heißt – auch beim Impfen. Jede/r schaut
nur auf sich, als wäre er oder sie nicht Teil eines sozialen Gefüges.
Aber nur, wer sich selbst schützt und impfen lässt, schützt auch alle
anderen Menschen im persönlichen Umfeld und verhindert so Impflücken.
Das versteht man unter sozialer Eigenverantwortung, die für jeden
selbstverständlich sein sollte.“

Zwtl.: Impfung: Kleine schützen Große

Die Masernproblematik ist zweifellos dramatisch, darf aber nicht
von anderen durch Impfung verhinderbaren Erkrankungen ablenken, sagte
der Leiter des Impfreferats der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK),
Rudolf Schmitzberger. So habe sich etwa die Zahl der
Keuchhusten-Fälle von 2015 auf 2017 mehr als verdoppelt. „Die
Krankheit breitet sich fast so rasant wie Masern aus. Die Symptome
bei Kindern und Erwachsenen werden oft erst spät richtig
interpretiert. Ein ausreichender Impfschutz ist daher speziell für
sensible Personengruppen wie Schwangere besonders wichtig.“

Zwei Drittel der Zwei- bis Dreijährigen trügen auch
Pneumokokken-Keime unbemerkt in sich und würden so zur potenziellen
Lebensgefahr für ihr Umfeld. „Gegen Pneumokokken gibt es mittlerweile
einen breiter wirksamen 13-fach-Impfstoff, den bereits mehr als 100
Länder übernommen haben. Auch unser Gratis-Kinderimpfprogramm sollte
vom jetzigen 10-fach- Impfstoff auf diesen Impfstoff umsteigen“,
fordert Schmitzberger. Influenza werde ebenfalls großteils von
Kindern übertragen, die Impfung müsste daher dringend ins
Impfprogramm aufgenommen werden. „Kleine schützen Große: Sind die
Enkel geimpft, sind nicht nur sie selbst, sondern auch die Eltern und
Großeltern vor Erkrankungen geschützt“, so sein Fazit.

Zwtl.: Apotheken als wichtige Beratungsstellen

„Der österreichischen Apothekerschaft kommt beim Thema Impfen
eine besonders wichtige Rolle zu: jene der Beratung im Sinne der
Prävention. Mit mehr als 400.000 PatientInnen- und Kundenkontakten
pro Tag sind die heimischen Apotheken die ersten Anlaufstellen für
die Bevölkerung in Gesundheitsfragen. Daraus ergibt sich für die
Apothekerinnen und Apotheker zum einen eine immense Verantwortung,
zum anderen die große Chance, auf das Gesundheitsbewusstsein der
Menschen positiv Einfluss zu nehmen. Das gilt besonders beim Impfen,
einem Thema, das sehr kontrovers diskutiert wird und bei dem in der
Öffentlichkeit als Folge von Informationsdefiziten eine große
Unsicherheit herrscht“, betont Gerhard Kobinger, Präsidiumsmitglied
der Österreichischen Apothekerkammer. Im Übrigen sei der Auftrag an
die Apothekerschaft, die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung
nachhaltig zu stärken, auch im aktuellen Regierungsprogramm
formuliert, ergänzt Kobinger.

Weitere Bilder in der [APA-Fotogalerie]
(https://www.apa-fotoservice.at/galerie/15507)

Österreichischer Impftag 2019 – „Impfprävention – Von Jung bis Alt.“

Der Österreichische Impftag ist die größte richtungsweisende
Impfveranstaltung für ÄrztInnen und ApothekerInnen in Österreich und
wird von der Österreichischen Akademie der Ärzte GmbH in Kooperation
mit der MedUni Wien, der Österreichischen Ärztekammer sowie der
Österreichischen Apothekerkammer veranstaltet.

Datum: 19.1.2019, 08:00 – 16:00 Uhr
Ort: Austria Center Vienna
Bruno-Kreisky-Platz 1, 1220 Wien
Url: http://www.impftag.at

Medizinische Universität Wien
Mag. Johannes Angerer
Leiter Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
+431 40160 – 11 501; Mobil: +43 664 800 16 11 501
johannes.angerer@meduniwien.ac.at
http://www.meduniwien.ac.at

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Österreichische Ärztekammer
Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 01/ 51406 – 3345
E-Mail: a.riedel@aerztekammer.at
Weihburggasse 10-12, 1010 Wien
www.aerztekammer.at

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Österreichische Apothekerkammer
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Tel.: 01/ 404 14-600
E-Mail: elisabeth.ort@apothekerkammer.at
Spitalgasse 31, 1090 Wien
www.apothekerkammer.at

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Österreichische Akademie der Ärzte GmbH
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Tel.: 01/ 512 63 83 -22
E-Mail: s.huber@arztakademie.at
Walcherstrasse 11/23, 1020 Wien
www.arztakademie.at

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