Während Kohlekraftwerke laufen, droht Holzkraftwerken das Aus

Nationalrat ist dringend gefordert, sich hinter den Klimaschutz zu stellen

Wien (OTS) – Die Regierung hat am 22. November einen Initiativantrag
für eine Übergangsregelung der heimischen Holzkraftwerke in den
Nationalrat eingebracht. Der Antrag sieht eine Verlängerung der
Vergütung für Holzkraftwerke vor, bis das von der Bundesregierung
angekündigte Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) in Kraft tritt. Ohne
Übergangsregelung werden bereits Anfang des Jahres die ersten
Kraftwerke abschalten. Bis zum Inkrafttreten des EAG drohen etwa 2/3
der Kraftwerksleistung aus dem Netz zu kippen. „In den finalen
Plenarsitzungen des Jahres hat der Nationalrat noch die Möglichkeit,
sich mehrheitlich hinter den Klimaschutz zu stellen. Die Politik darf
es nicht zulassen, dass heimische Holzkraftwerke abschalten müssen,
während selbst in Österreich die Kohlekraftwerke auf Anschlag laufen.
Dieses Zeichen wäre gerade vor dem Hintergrund sinkender heimischer
erneuerbarer Energieproduktion und den laufenden Verhandlungen in
Kattowitz fatal“, richtet Franz Titschenbacher, Präsident des
Österreichischen Biomasse-Verbandes einen eindringlichen Appell an
die Regierungs- und Oppositionsparteien, einen breit getragenen
Beschluss herbeizuführen. „Den zahlreichen Lippenbekenntnissen der
vergangenen Jahre zur Energiewende und zum Klimaschutz müssen nun
endlich konkrete Taten folgen. Bei den Holzkraftwerken hat es der
Nationalrat nun selbst in der Hand und kann zeigen, wie ernst der
Klimaschutz tatsächlich genommen wird.“

Zwtl.: Biomasse ersetzt Kohlestrom

Noch immer produzieren in Österreich Kohlekraftwerke doppelt so
viel Strom wie Holzkraftwerke. Nur 16 Prozent des Kohlestroms stammt
aus effizienten Kraft-Wärmekopplungs-Anlagen. Die
Effizienzanforderungen sind im Vergleich dazu bei Holzkraftwerken
bereits jetzt wesentlich höher als bei der bestehenden
Kohleverstromung. „Mir ist es unbegreiflich, warum wir keine
Effizienzdebatte bei fossilen Energien wie der Kohleverstromung
führen, deren Rohstoffe teilweise aus Südafrika oder Amerika
importiert werden müssen. Gleichzeitig droht voll funktionsfähigen
Biomassekraftwerken, die als einzige erneuerbare Technologie
vergleichbar zu Kohle- und Atomkraftwerke Bandlast liefern können und
die wir dringen zur Bewältigung der durch den Klimawandel
verursachten Schadholzmengen brauchen, die Abschaltung“, schließt
Franz Titschenbacher.

Zwtl.: Holzkraftwerke in Österreich

Holzkraftwerke verfügten bis 2017 über eine Engpassleistung von
rund 300 MW, die bis 2020 auf etwa 450 MW ausgebaut werden könnte.
Die rund 130 Anlagen sind über das gesamte Bundesgebiet verteilt und
meist in Industriestandorte oder Fernwärmenetze eingebunden. Durch
das sukzessive Auslaufen der Einspeisevergütung drohen laufend
Anlagen vom Netz zu gehen. Alleine 2019 würden Werke mit einer
Engpassleistung von annähernd 140 MW vom Tarifende betroffen sein.
Holzkraftwerke sind für die Wärmewende doppelt wirksam. Sie erzeugen
auch im Winter Strom, wenn Wasserkraft und Photovoltaik
witterungsbedingt weniger Energie bereitstellen können. Sie
verbessern damit nicht nur die Klimabilanz des Stromes, sondern
indirekt auch jene von strombasierten Heizsystemen. Durch die bei der
Stromproduktion anfallende Wärme reduzieren Holzkraftwerke zusätzlich
den noch immer dominierenden fossilen Energieeinsatz in der
Fernwärme. Die bei Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (KWK-Anlagen)
umgesetzte Sektorkopplung schafft viele Synergien, die sich bei
Biomasse nicht nur auf den Wärme- und Stromsektor beschränkt. In der
Forstwirtschaft ermöglicht sie die Verwertung von niederwertigen
Sortimenten, wie sie bei Windwürfen, Käferholz oder
Waldpflegemaßnahmen verstärkt anfallen und für die es bis vor wenigen
Jahren kaum Abnehmer gab.

Österreichischer Biomasse-Verband
Antonio Fuljetic-Kristan
+43 (0)1 533 07 97 – 31, 0660 855 6804
fuljetic@biomasseverband.at

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