
Oö. Volksblatt: „Kurz nachdenken“ (von Markus EBERT)
Ausgabe vom 15. Dezember 2018
Linz (OTS) – Auch wenn das linke „Bündnis heißer Herbst“ zur heutigen
Groß-Demo gegen die Bundesregierung in Wien aufgerufen hat (und damit
ausgerechnet an einem Einkaufssamstag für erhebliche Behinderungen
sorgt), kann man sich sicher sein: Herzerwärmend werden die Reden am
Heldenplatz wohl kaum sein. Die Tonalität wird sich an jenem
Brandreden-Stil orientieren, den SPÖ-Vertreter — wie etwa die
Gewerkschafter Hebenstreit oder Wimmer — pflegen und den die Roten
auch in der Nationalratsdebatte zur Sozialversicherungsreform
angeschlagen hatten. Um garantiert verbal richtig heiß zu laufen,
könnten sie sich ja vor Demo-Beginn noch Bundeskanzler Kurz im
Ö1-Mittagsjournal anhören.
Wenn die Regierungsgegner allerdings einmal kurz nachdenken, müsste
sie vor allem eines stutzig machen — dass nämlich die Koalition für
ihr erstes Jahr gute bis sehr gute Noten erhält, während die SPÖ
sogar von den eigenen Wählern — nur drei Prozent sind mit der
Oppositionsarbeit sehr zufrieden — äußerst schlecht bewertet wird.
ÖVP und FPÖ tun das, wofür sie am Wahltag die deutliche Mehrheit
erhalten haben: sie setzen die angekündigten Veränderungen auch um.
Und die Wählerinnen und Wähler honorieren das bisher — siehe
Sonntagsfrage, siehe Vertrauensindex.
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