Zahlungsrisiko: Milder Herbst verursacht stürmische Zeiten in derTextilbranche

Wien (ots) – Eine interne Analyse des Kreditversicherers Atradius
zeigt, dass das Zahlungsrisiko bei österreichischen
Bekleidungshändlern kurzfristig spürbar ansteigen könnte. Eine der
Ursachen hierfür: die außergewöhnlich warmen Temperaturen in den
Herbstmonaten. Diese haben die Umsätze mit Winterartikeln bei
zahlreichen Anbietern stark gebremst. Sollte das Wetter in diesem
Winter insgesamt mild bleiben, könnte das die Zahl der
Zahlungsausfälle und -verzögerungen bei Lieferanten sowohl von
stationären als auch von Online-Kleidungshändlern in den kommenden
Monaten noch einmal erhöhen.

„Nachdem im Textilhandel bereits das Sommergeschäft aufgrund der zum
Teil extremen Hitze bescheiden lief und das Herbstgeschäft hinter den
Erwartungen zurückgeblieben ist, hat nun auch das Schlussquartal 2018
schwierig begonnen“, KR Franz Maier, Generaldirektor Österreich,
Ungarn und Südosteuropa von Atradius. „Die geringeren Umsätze
schwächen viele Abnehmer der Branche, die in Österreich insgesamt zu
den anfälligsten für Forderungsausfälle gehört. Ein Grund hierfür ist
die häufig geringe Eigenkapitalausstattung vieler Textilunternehmen.
Gleichzeitig stellen die hohen Mieten für Geschäftsräume in vielen
Städten sowie die langfristigen Laufzeiten von Mietverträgen eine
große Belastung für stationäre Anbieter dar. In den vergangenen
Jahren ist zudem die Konkurrenz durch das zunehmende Online-Geschäft
gestiegen. Das hat die Margen gedrückt. Die warmen Temperaturen bis
in den November haben jetzt dazu geführt, dass viele Konsumenten noch
keine Winterbekleidung kaufen. Je länger das milde Wetter anhält,
desto stürmischer dürften bald die Zeiten bei den Textilhändlern
werden.“

Textilbranche: warme Temperaturen nicht der einzige Risikogrund

Die Bekleidungsbranche gehört – neben der Baubranche – zu den
risikoreichsten im österreichischen Abnehmerportfolio von Atradius.
Das Wetter ist aber nicht der einzige Grund, warum zahlreiche
Abnehmer aus dem Bereich derzeit unter erhöhtem Druck stehen. Aus
Sicht des Kreditversicherers tragen dazu weiterhin die nicht mehr
marktgerechten Geschäftsmodelle vieler Unternehmen bei. „Ein großer
Teil der Branchenakteure muss sich neu aufstellen, wenn sie ihren
finanziellen Verpflichtungen auch künftig nachkommen wollen“, sagt
Franz Maier.

Dazu gehöre, so die Einschätzung der Atradius-Handelsexperten, eine
optimale Verzahnung von Online-Vertrieb und stationärer Präsenz sowie
– wichtiger denn je – eine effizient aufgestellte Logistik. „Wir
haben zuletzt auch vermehrt positive Entwicklungen gesehen bei
Firmen, die diesen Weg gegangen sind“, erläutert Franz Maier. Dass
Kunden Waren einer Firma online bestellen können, daran komme heute
kein Modeanbieter mehr vorbei. Gleichzeitig möchten viele Konsumenten
den Kauf von Mäntel oder Mützen vor Ort erledigen und die Produkte
vorab begutachten. „Auf dieses Kaufverhalten müssen sich Händler
einstellen. Einige stationäre Anbieter starten vor diesem Hintergrund
bereits Kooperationen mit reinen Online-Häusern. Erste Ergebnisse
deuten darauf hin, dass das eine Lösung sein könnte.“

Effiziente Logistik: das A und O

Eine ineffiziente Logistik ist gerade bei reinen Online-Händlern ein
häufiger Grund für sinkende Margen und finanzielle Engpässe. Franz
Maier: „Im Online-Bereich ist die Retouren-Quote sehr hoch. Fälle, in
denen ein Käufer beispielsweise von einem Schuhmodell drei Paare in
unterschiedlichen Größen bestellt und zwei davon wieder
zurückschickt, kommen sehr häufig vor. Dem Anbieter stehen diese
Paare jedoch erst einmal nicht zum Verkauf zur Verfügung.
Gleichzeitig erhöht sich sein Lager- und Transportaufwand. Im
schlechtesten Fall übersteigen die Kosten die Einnahmen aus dem
Geschäft.“

Auch betrügerisches Verhalten, wie zum Beispiel das Zurückschicken
eines Kleides nach einmaligen Tragen, belastet die Liquidität der
Anbieter. Solche Waren können – wenn überhaupt – nur noch zu einem
deutlich niedrigeren Preis als den ursprünglich kalkulierten
angeboten werden.

Profitable Eigenmarken

Die Risikoexperten von Atradius haben zuletzt Fälle von in Schieflage
geratenen Bekleidungsanbietern beobachtet, die ihr
Geschäftsergebnisse durch einen stärkeren Fokus auf Eigenmarken
wieder verbessern konnten. Franz Maier: „Eigenmarken verbessern die
Margen des Anbieters und wirken sich positiv auf die Liquidität aus.
Und das wiederum verbessert die Zahlungsfähigkeit.“ In der
Risikoanalyse prüft Atradius – wie in jeder Branche – Abnehmer aus
dem Textilbereich individuell auf Grundlage von finanziellen Daten
und schaut sich auch die Investorenstruktur hinter den Abnehmern
genau an.

Auf www.atradius.at können Sie im Menüpunkt „Publikationen“ aktuelle
Analysen des Kreditversicherers über Forderungsrisiken in
unterschiedlichen Branchen und Ländern kostenfrei herunterladen.

Über Atradius

Atradius ist ein globaler Anbieter von Kreditversicherungen,
Bürgschaften und Inkassodienstleistungen mit einer strategischen
Präsenz in mehr als 50 Ländern. Die von Atradius angebotenen
Kreditversicherungs-, Bürgschaften- und Inkasso-Produkte schützen
Unternehmen weltweit vor den Ausfallrisiken beim Verkauf von Waren
und Dienstleistungen auf Kredit. Atradius ist Mitglied der Grupo
Catalana Occidente (GCO.MC), einer der größten Versicherer in Spanien
und einer der größten Kreditversicherer der Welt. Weitere
Informationen finden Sie online unter www.atradius.at

Für weitere Informationen:
Atradius Kreditversicherung,
Niederlassung der Atradius Crédito y Caución S.A. de Seguros y Reaseguros

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