
Oö. Volksblatt: „Anschwellende Kritik“ (von Christian HAUBNER)
Ausgabe vom 14. September 2019
Linz (OTS) – Die Ankündigung des Ex-Premiers und Ex-AKP-Chefs Ahmet Davutoglu, aus der mächtigen Regierungspartei auszutreten, ist zweifellos ein Schlag gegen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Zwar keiner, der ihn in die Knie zwingen wird, aber dennoch einer, der sich in eine Reihe ähnlicher Schläge einreiht. Jedenfalls muss Erdogan befürchten, dass die prominenten Abgänge ihm selbst Stimmen kosten. Die Tatsache, dass er mit gewohnt martialischem Getue gegen seine prominenten innerparteilichen Widersacher wettert, ist beredtes Zeichen dafür, dass er sich dessen bewusst ist.
Wundern darf sich Erdogan freilich nicht darüber, dass viele der früheren AKP-Granden bei seinem derzeitigen Kurs nicht mehr mitgehen wollen. Das betrifft gerade jene, die die Partei einst mitbegründet und aufgebaut haben. Denn die 2001 gegründete AKP war einst nicht zwangsläufig als autoritär konzipiert. Vielmehr trat Erdogan selbst anfangs sehr westlich orientiert auf. Das hat sich geändert: So wie Erdogan mit Brutalität gegen Kritiker und Regimegegner vorgeht – Zigtausende Inhaftierungen belegen dies –, so sehr versucht er auch, innerparteiliche Kritik zu verhindern. Auf Dauer funktioniert das aber nicht. Denn mit jedem prominenten Austritt wächst dafür die Kritik von außen –
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