Junge Generation in der SPÖ: Regierungs-Sprechblasen helfen niemandem!

JG fordert konkrete Maßnahmen gegen Jugendarbeitslosigkeit und fehlende Perspektiven von Bundesregierung ein

St. Pölten (OTS) – Die Landesvorsitzenden und die Bundesvorsitzende der Jungen Generation in der SPÖ sind heute in der niederösterreichischen Landesregierung vor die Medien getreten. Die Augustzahlen zur Arbeitslosigkeit seien nach wie vor beängstigend hoch: insbesondere in der Altersgruppe bis 25 Jahre, sind seit Monaten mehr Menschen arbeitslos, als jemals zuvor.

„Dieser Umstand darf uns nicht kalt lassen – deshalb sind wir heute zusammengekommen, um einmal mehr klar zu machen: Es braucht jetzt konkrete Maßnahmen statt weiterer Sprechblasen, die niemandem helfen. Wir sind wütend über die bisherige Untätigkeit der Regierung im Bereich der Jugendbeschäftigung und wir wollen klare Perspektiven für die jungen Menschen in unserem Land!“, so Michael Kögl, Landesvorsitzender in Niederösterreich und Initiator der Pressekonferenz. Er fordert von der Regierung mit Blick auf die Krise junger Menschen endlich auf die KritikerInnen zu hören und tätig zu werden: „Die Sozialdemokratie, die Gewerkschaften, die BürgermeisterInnen, unzählige Stimmen aus Kunst, Kultur und Wirtschaft – viele haben auf die Misere der jungen Menschen hingewiesen. Niemand wurde mit Warnungen, Sorgen oder Nöten gehört. Die Regierung lässt unsere Generation im Stich – das kann es nicht sein. Hier steht die Zukunft des Landes auf dem Spiel, wenn jetzt nicht rasch und entschlossen gehandelt wird.“

„Es braucht grundsätzlich dringend ein Ende des Spardiktats und eine Investitionspolitik, um Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit zu bekämpfen“, schließt die Bundesvorsitzende der JG, Claudia O’Brien an. Seit Jahren laufe man „neoliberalen Ideen nach, die immer auf Kosten aller gehen“. Es brauche jetzt – so wie von den SPÖ-BürgermeisterInnen um Andreas Kollross und der Daseinsgewerkschaft Younion gefordert – eine Finanzierung für die Gemeinden, die über 10.000 Lehrstellensuchende in den verschiedensten Bereichen ausbilden könnten. „Schluss mit dem Spargedanken und dem Heilsversprechen ‚Schwarze Null‘, her mit Investitionen in junge Menschen, die Bundesregierung ist aufgefordert, das Versprechen, das sie am Beginn der Krise abgegeben hat, Stichwort ‚Koste es, was es wolle‘, jetzt einzulösen!“ Ansonsten stünden neben den vielen Einzelschicksalen, auch die wirtschaftliche und soziale Sicherheit des Landes auf der Kippe – das werde man nicht zulassen, so O’Brien.

Überhaupt sei Ausbildung der beste Schutz gegen Arbeitslosigkeit, betont Nationalratsabgeordnete Eva-Maria Holzleitner, ihres Zeichens Vorsitzende der Jungen Generation Oberösterreich. „Wir haben als Sozialdemokratie immer wieder versucht die Ausbildungsgarantie bis 25 Jahre durchzusetzen – leider ist das immer an den Widerständen der ÖVP gescheitert. Heute wäre das ein riesen Schritt auf dem Weg zur Lösung der Jugendarbeitslosigkeit.“, so die Abgeordnete. Der Kinder-und Jugendsprecherin der SPÖ im Parlament fordert zugleich aber auch den Schutz von Lehrlingen – es brauche insbesondere bei der Behaltefrist nach Abschluss einer Lehrausbildung längere Zeiträume, damit junge Menschen die Chance bekommen, sich am Arbeitsmarkt zu orientieren. „Wir fordern daher eine Behaltefrist von 6 Monaten“, betont Holzleitner.

„Wien hat entschlossen auf die Krise reagiert und einen anderen, einen besseren Weg eingeschlagen“, ist sich Katharina Weninger, Jugendkandidatin der SPÖ Wien für die Landtagswahl und Stellvertretende Bezirksvorsteherin in Wien Meidling sicher. „Mit der Lehrplatzgarantie, die nach Wiener Vorbild auch eine Perspektive für alle Bundesländer bieten würde, helfen wir in Wien vielen jungen Menschen direkt“, erklärt die Wiener JG-Vorsitzende. Die Stadt Wien unter Bürgermeister Michael Ludwig habe schnell agiert und in ihrem Wirkungsbereich weitreichende Maßnahmen gesetzt, wie die Verdoppelung der Lehrstellen bei der Stadt und den stadteigenen Betrieben zeigen. Zudem sei es wichtig, auch gezielt in jene Unternehmen zu investieren, die junge Menschen ausbilden und dann auch aufnehmen – hier könne man langfristig Sicherheit für kleine Unternehmen schaffen, die jungen Menschen eine großartige Lehrausbildung ermöglichen, die Wirtschaft stärken und Arbeitsplätze schaffen.

Mustafa Durmus, Vorsitzender der JG Steiermark betont in diesem Kontext die Verantwortung der Regierung im öffentlichen Dienst. Hier läge viel Potential brach, denn: „Wenn wir uns ansehen, dass wir im öffentlichen Dienst, in den Ländern und Gemeinden großartige Ausbildungsmöglichkeiten haben, dann müssen wir in der jetzigen Situation das Geld in die Hand nehmen und diese auch nutzen – schaffen wir mehr Lehrstellen im öffentlichen Dienst auf allen Ebenen!“ Er weist zudem auch auf die Problematik hin, dass es nicht mit der Ausbildung getan sei: „Nach der Lehre, die junge Menschen im öffentlichen Dienst auf allen Ebenen machen, sollen sie auch Perspektiven haben. Das heißt: Planstellen schaffen. Dafür ist die Regierung verantwortlich und darauf sollte sie auch mit Blick auf die Budgeterstellung im Herbst achten.“ Auch die Ausfinanzierung der überbetrieblichen Ausbildung müsse hier Thema werden, fordert Durmus. Immerhin seien diese in der Zeit von Türkis-Blau stark gekürzt worden, ein Umstand, der sich jetzt bitter räche.

Das sieht auch der JUSOS Salzburg-Vorsitzende, Peter Auer, so: „Die überbetriebliche Lehre muss wieder stärker gefördert werden, insbesondere dann, wenn der private Sektor es nicht mehr schafft und aus den verschiedensten Motiven nicht mehr ausbildet.“ Es könne nicht sein, dass ständig alle nach Facharbeitskräften rufen, zugleich aber nicht in der Lage oder gewillt seien, auszubilden. „Das ist aber leider ein Trend, den wir beobachten“, so Auer. Zugleich seien auch ausbeuterische Praktika ein Problem für junge Menschen, aber auch für den Arbeitsmarkt: „Die einen hackeln gratis für ihren Lebenslauf, die anderen suchen Jobs und kriegen keine bezahlte Anstellung. Das muss aufhören und zwar schleunigst!“, fordert Auer. Es brauche hier ein Verbot unbezahlter Praktika und eine Übergangsregelung, nach der ab einem gewissen Zeitraum, Praktika in reguläre Dienstverträge umzuwandeln seien. Das sei ein notwendiger und wichtiger Schritt.

Johannes Reinstadler, Vorsitzender der JG Tirol, unterstreicht indes die Forderung der SPÖ, nach der Verkürzung der Arbeitszeit. Es brauche hier neue Wege, die beschritten werden müssen, damit man aus der Krise komme. „Vor der Krise waren viele Menschen in ihren Jobs massiv überlastet und konnten häufig Überstunden nicht abbauen bzw. ihren Urlaub nicht konsumieren. Andere fanden zugleich keinen Job“, so der Tiroler. Es ist jetzt im Zeichen der Krise aber eine Notwendigkeit die Arbeitszeit zu verkürzen, die Arbeit neu zu verteilen: „Wenn so viele Menschen arbeitslos sind, wie jetzt gerade, dann müssen wir darüber reden, die vorhandene Arbeit neu zu verteilen“, so Reinstadler.

Einig sind sich die Landesvorsitzenden und die Bundesvorsitzende dahingehend, dass die heutige Pressekonferenz nur ein weiterer Schritt sei, wenn es darum geht, die Regierung zum Handeln zu bewegen – Aktionen und weitere Impulse würden im Laufe des Herbstes gesetzt. „Wir lassen hier sicher nicht locker und wir wissen: Die Lage am Arbeitsmarkt wird im Herbst schlimmer werden. Deshalb braucht es jetzt ein Licht das dem Kanzler aufgeht und endlich Handlungen statt einer weiteren Worthülse. Sonst wird das nix mit dem versprochenen Licht am Ende des Tunnels.“ Sie fordern, dass die großen Geldmittel, die jetzt in die Hand genommen werden müssten, nicht zu einer Wiederherstellung der alten Gegebenheiten, sondern eine neue, bessere Gesellschaft mit mehr Chancen für alle Menschen führen müssen. „Herr Bundeskanzler – genug geplaudert her mit Lösungen statt mit Sprechblasen!“, so die Jugendvorsitzenden unisono.

Die Forderungen der Jungen Generation in der SPÖ im Detail:
1) Lehrplatzgarantie nach Wiener Vorbild
Jeder junge Mensch, der einen Lehrplatz sucht, bekommt auch einen Lehrplatz – dafür sorgt die Stadt Wien und dafür sollen in Zukunft auch die anderen Bundesländer sorgen!

2) Ausbildungsgarantie bis 25 Jahre
Junge Menschen vor Arbeitslosigkeit zu bewahren, bzw. aus der Arbeitslosigkeit zu holen geht am leichtesten und sinnvollsten, indem man ihnen (Aus-)Bildung ermöglicht. Diesen Rechtsanspruch bis 25 Jahre fordern wir ein!

3) Lehrstellen und Planstellen im öffentlichen Dienst schaffen
Der öffentliche Dienst, von der Gemeinde übers Land bis hin zum Bund, bietet hochqualitative Ausbildung an – davon brauchen wir mehr, damit junge Menschen Chancen haben. Langfristig braucht es auch Planstellen, damit die Lehrlinge übernommen werden.

4) Stärkung der überbetrieblichen Lehre
Wenn Betriebe nicht mehr ausreichend viele Menschen ausbilden, muss das die öffentliche Hand tun. Daher fordern wir einen Ausbau und eine Stärkung der überbetrieblichen Lehre.

5) Investitionen in Unternehmen, die ausbilden und aufnehmen
Jene Unternehmen, die ausbilden, sollen von ihrem Engagement nicht nur langfristig, durch gut ausgebildete Arbeitskräfte, sondern auch kurzfristig profitieren – wir wollen, dass diese bei Ausschreibungen bevorzugt und staatlich subventioniert werden, wenn sie ausbilden.

6) Runter mit der Arbeitszeit – Arbeit neu verteilen!
Wir treten für eine Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden die Woche bei vollem Lohnausgleich und eine neue Verteilung der Arbeit ein, auch in der Lehre. Wenn einzelne weniger Arbeiten, finden mehr Menschen einen Job oder eine Lehrstelle.

7) Lebenslanges Lernen leben
Der Arbeitsmarkt verändert sich laufend, die Herausforderungen werden mehr. Um mithalten zu können und die Chance auf eine gute Arbeit zu haben, muss lebenslanges Lernen Teil des Arbeitens werden. Schaffen wir die Möglichkeit für Menschen, sich fortzubilden, ohne Verluste hinnehmen zu müssen!

8) Behaltefrist auf 6 Monate erweitern
Wer ausbildet übernimmt auch Verantwortung – oft sind die drei Monate nach einer Lehre, in der man als Lehrling beschäftigt bleiben kann, zu kurz, um einen Job zu in einem anderen Unternehmen zu finden, sich am Arbeitsmarkt zu orientieren. Wir fordern eine gesetzlich verankerte Ausweitung Ausdehnung der Behaltefrist auf 6 Monate in allen Branchen.

9) Praktika – bezahlt und befristet
Praktika dürfen keine vollwertigen Arbeitsplätze – mit gerechter Bezahlung, Sozialversicherungsleistungen und konkretem Anstellungsverhältnis – ersetzten. Daher fordern wir: faire Bezahlung und Befristung von Praktikumsplätzen, oder deren Umwandlung in normale Arbeitsverträge nach drei Monaten.

10) 1 Milliarde Euro zusätzlich im Jahr 2021 für die Chancen der Generation von 0-25 Jahre
Investitionen in die Zukunft brauchen fixe Beträge, um auch wirklich messbar zu sein. Gerade im Bereich der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit auf den verschiedensten Ebenen braucht es einen besonderen Kraftakt, der auch entsprechend umfangreich finanziert sein muss. Daher sagen wir: Her mit der Jugendmilliarde für Zukunftschancen!

Junge Generation NÖ
Vors. Michael Kögl
Mobil: 0650 69 12 185

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
© Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender